«Ich bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen», sagt Urs-Peter Müller. «Eigentlich gibt es keinen schöneren, abwechslungsreicheren Beruf.» Seine Stimmung schwanke deshalb manchmal, wenn er an Ende Monat denke. Dann nämlich geht der weitherum bekannte Direktor der Luzerner Psychiatrie in Pension.

Müller war ein Vorreiter in Sachen kantonsübergreifende Zusammenarbeit. Bereits Ende der Neunzigerjahre habe er mit der Spital Region Zofingen ein diesbezügliches Abkommen abgeschlossen. Beim Kanton Bern musste er, zusammen mit dem ehemaligen Langenthaler Stadtpräsidenten und heutigen Regierungsrat Hans-Jürg Käser, länger darum kämpfen. Erst 2008 wurde ein Kostendach vereinbart, so dass heute Patienten aus dem bernischen Oberaargau im luzernischen St. Urban behandelt werden können. «Ab nächstem Jahr, mit der freien Spitalwahl, wird es einfacher», sagt Müller. Noch etwas freut ihn: «Mit dem Zugang für alle Kantone liegen wir nun nicht mehr abseits, sondern zentral.»

Die Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden und damit Kantonen will die Luzerner Psychiatrie noch ausbauen. «Der nächste Schritt ist ein Gespräch mit den Hausärzten, sagt Müller. Diese, sowie die Bevölkerung sollen die Psychiatrische Klinik Ende Jahr anlässlich von Tagen der offenen Türe kennen lernen.

Enges Band zu St. Urban

Urs-Peter Müller wird heute 65 Jahre alt. Ein normales Alter also, um pensioniert zu werden. Aussergewöhnlich ist allerdings, dass er bereits seine Verwaltungslehre in der Klinik in St. Urban absolviert hat. «Schon bald, gerade als ich in der Westschweiz mein Französisch aufbessern wollte, bot sich mir die Chance, den Ökonomiebereich und das Personalwesen zu übernehmen», sagt Müller. Zu dieser Zeit war er gerade mal 26 Jahre alt. Mit 29 wurde er stellvertretender Direktor und 1982 schliesslich Direktor der Klinik. «Eine interessante Zeit», sagt Müller. In St. Urban standen die Neubauten und damit der Umzug der Verwaltung in die neuen Räumlichkeiten an. «Ich konnte die Infrastruktur mit aufbauen.»

Weg von St. Urban war Müller nur im Militärdienst. Aufgewachsen ist er unterhalb des Klosters, heute wohnt er noch immer im Dorf. Trotzdem hat Müller viel gesehen, verschiedene Veränderungen mitgemacht. Langweilig sei ihm nie geworden, betont er. Was man ihm sofort glaubt. Wenn er von seiner Arbeit erzählt, leuchten die Augen des Familien-
vaters.

220 Millionen Franken investiert

«In den 60er Jahren wohnten hier 700 Patienten, heute verfügen wir kantonal noch über 281 Betten sowie zwei Wohnheime.» Bereits seien weitere Sanierungen geplant, «damit wir künftig nur noch Ein- und Zweibettzimmer anbieten können.» Während seiner Zeit als Direktor habe er bisher rund 220 Millionen Franken verbaut und investiert.

Bis 2007 war die Psychiatrie dem luzernischen Gesundheitsdepartement unterstellt. Er habe drei Regierungsräte erlebt, sagt Müller und betont: «Im Gegensatz zu vielen anderen hatte ich mit den kantonalen Dienststellen nie Probleme.» Früher war die Psychiatrie dreigeteilt in Luzern Stadt, Luzerner Landschaft sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie. «2006 erhielt ich den Auftrag, die Luzerner Psychiatrie zusammen zu führen.» Zwei Jahre später wurde der Betrieb in eine öffentlich-rechtliche Anstalt umgewandelt, dem ein Spitalrat vorsteht. «Und seither ist St. Urban der Hauptsitz», sagt er mit sichtlichem Stolz. Und Müller der Chef von rund 900 Mitarbeitenden. «Gute Angestellte», wie er betont, «die es für eine erfolgreiche Tätigkeit braucht.»

Allerdings sei St. Urban schon immer selbstständig gewesen, sagt der CEO. «Früher hatten wir ja noch die Landwirtschaft.» Diese Arbeit galt damals, zusammen mit der Hauswirtschaft, als Therapieform. «Man kannte ja noch keine Arbeitsagogik, Ergo-, Bewegungs- und Tanztherapien.» Und auch weniger Medikamente waren auf dem Markt. «Aber, dass die Leute mit Chemie vollgestopft werden, stimmt überhaupt nicht», betont er.

Kultur als Brückenbauer

Heute sei der Zugang zur Psychiatrie viel niederschwelliger, sagt Müller. Das sehe man schon an den Selbsteinweisungen, wie sie früher kaum vorkamen. Und wegen der Zunahme von Depression, Suchtkrankheit und der Alterspsychiatrie. «Es ist aber immer noch viel Öffentlichkeitsarbeit nötig.» Dies sei in St. Urban sicher einfacher als anderswo. «Dank unseren kulturellen Veranstaltungen und den kunsthistorischen Führungen begegnen sich die Menschen ungezwungen.» Denn auch der Bereich Kloster mit seiner vielfältigen Kultur gehört in die Kompetenz des Psychiatrie-Direktors.

Zum Glück für Urs-Peter Müller, denn «einige Führungen werde ich sicher noch machen.» Zudem bleibe er in verschiedenen Gremien unter anderem im Bereich Psychiatrie verpflichtet. «Sicher wird aber alles viel lockerer für mich», sagt er. So bleibt ihm sicher Zeit für seine Hobbys Wandern, Fischen und Lesen.