NHL
Zum NHL-Start: Ein verletzter Superstar, ein Schweizer mit Chancen – und Experten, die falsch tippen

In der vergangenen Nacht startete in Nordamerika die neue Saison der NHL, ihres Zeichens die beste Eishockeyliga der Welt. In dieser Vorschau geht es darum, weshalb vorallem die Kanadier den Start kaum erwarten konnten - und weitere spannende Details zum NHL-Start.

Dean Fuss
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Ein Blick in das Stadion der Detroit Red Wings, die Joe Louis Arena.

Ein Blick in das Stadion der Detroit Red Wings, die Joe Louis Arena.

Keystone

Die Hiobsbotschaft erreichte die Öffentlichkeit Anfang dieser Woche: Sidney Crosby hat sich im Training eine weitere Gehirnerschütterung zugezogen und fällt zum Saisonbeginn in der NHL erst einmal verletzt aus.

Auf Superstar Sidney Crosby werden die Fans sich noch ein wenig gedulden müssen.

Auf Superstar Sidney Crosby werden die Fans sich noch ein wenig gedulden müssen.

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Für die Pittsburgh Penguins ist das nur 120 Tage nach dem Gewinn des Stanley-Cups in der vergangenen Saison ein herber Schlag. Gehört das Team um den 29-jährigen Superstar doch auch in der vergangene Nacht gestarteten Saison 2016/17 zu den Favoriten auf den Titel. Doch jetzt wird wie wild spekuliert, wie es um die Gesundheit des Captains der Penguins steht – und wann er wohl wieder auf das Eis zurückkehren wird. Zuletzt verpasste Crosby in den Jahren 2011 und 2012, verteilt über zwei Spielzeiten, insgesamt 101 Spiele, weil er an den Folgen von Gehirnerschütterungen litt.

Dabei hatte alles so gut ausgesehen. Von den 19 Spielern, die den Stanley-Cup im vergangenen Juni im Playoff-Final gegen die San Jose Sharks mit 4:2 Siegen nach Pittsburgh holten, stehen 18 weiterhin im Kader der Penguins. Dementsprechend gab es vor Crosbys Ausfall nur etwas, das gegen die Mannschaft aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania gesprochen hat: die Statistik. Denn zuletzt gelang es den Detroit Red Wings in der Saison 1997/98, den Titel zu verteidigen.

Schafft Josi eine Premiere?

Unabhängig davon werden unter den Experten in Nordamerika aber so oder so auch noch eine Handvoll weiterer Favoriten herumgeboten. In diese Kategorie fallen auch die Nashville Predators. So mancher Branchenkenner sieht das Team des Berner Verteidigers Roman Josi im Frühsommer 2017 im Stanley-Cup-Final. Die Experten können sich gut vorstellen, dass der im Tausch mit Josis Verteidigungspartner Shea Weber verpflichtete P.K. Subban das bis anhin noch fehlende Puzzleteil für den erstmaligen Titelgewinn der 1997 gegründeten und damit verhältnismässig jungen Franchise aus Nashville sein könnte.

Für viele Experten ist es möglich, dass Roman Josis Nashville Predators mit P.K. Subban das letzte Puzzle-Teilchen verpflichtet haben

Für viele Experten ist es möglich, dass Roman Josis Nashville Predators mit P.K. Subban das letzte Puzzle-Teilchen verpflichtet haben

Keystone

Josi würde im Erfolgsfall zum ersten Schweizer Feldspieler – einmal abgesehen vom erst später eingebürgerten Kanadier Paul di Pietro –, der den Stanley-Cup in die Höhe stemmen könnte. Und nicht nur das: Der 26-Jährige wäre auch der erste Schweizer mit einer tragenden Rolle.

Zu den weiteren Favoriten gehören auch die Washington Capitals um Superstar Alexander Ovechkin sowie die Tampa Bay Lightning und die Chicago Blackhawks. Die Capitals waren in der vergangenen Saison das mit Abstand beste Team der Qualifikation, nur scheiterten sie dann in den Playoffs bereits in der zweiten Runde an Pittsburgh. Für die Lightning und die Blackhawks gilt dasselbe wie immer in den vergangenen Jahren: Ihre Kader sind auf jeden Fall gut genug, um bis in den Final vorzustossen und um die begehrte Trophäe zu kämpfen.

Eines aber bleibt sich Jahr für Jahr gleich: Nachhaltige Prognosen sind in der NHL stets äusserst schwierig zu bewerkstelligen. Das veranschaulicht ein Blick auf die Prognosen des nordamerikanischen Sport-TV-Senders ESPN für die vergangene Saison: Von elf namhaften Experten tippte nicht ein einziger auf die Penguins als Stanley-Cup-Sieger 2015/16.

Centennial Season

100 Jahre ist es in dieser Saison her, seit die NHL gegründet wurde. Deshalb begann in der vergangenen Nacht die «Centennial Season». Die Bezeichung ist allerdings etwas irreführend: Ja, es ist das 100. Jahr der NHL, aber wegen des Lockouts 2004/05, dem die ganze Spielzeit zum Opfer fiel, erst die 99. Saison.

Ebenso tippte keiner der Sachverständigen auch nur einen der beiden Finalisten richtig. Was nicht gerade für die Experten spricht, stärkt aber das Handeln der Liga: Ganz offensichtlich sorgen unter anderem der Salary Cap (Gehaltsobergrenze) und das Draft-System für ausgeglichene Kräfteverhältnisse – und damit für Spannung.

Warum die Kanadier hoffen

Auf Spannung hoffen auch die kanadischen Eishockeyfans. Seit 1993 und dem Titelgewinn der Montreal Canadiens warten sie darauf, dass der Stanley-Cup wieder einmal ins Mutterland des Eishockeys zurückgeholt wird. Eine riesige Schmach mussten die Ahornblätter in der vergangenen Saison hinnehmen: Erstmals seit 46 Jahren fanden nämlich die Playoffs ohne kanadische Beteiligung statt.

Jubeln kann er schon einmal: Ex-ZSC-Spieler Auston Matthews (r.) mit seinen neuen Teamkollegen von Toronto.

Jubeln kann er schon einmal: Ex-ZSC-Spieler Auston Matthews (r.) mit seinen neuen Teamkollegen von Toronto.

Keystone

Immerhin wird trotzdem weiter ins kanadische Eishockey investiert. Auf diese Saison hin sind die Edmonton Oilers aus dem maroden Rexall Place in den neuen Rogers Place umgezogen. Und mit Ex-ZSC-Stürmer Auston Matthews spielt der Nummer-1-Draft bei den Toronto Maple Leafs.

Es gibt also durchaus Anlass zur Hoffnung auf Besserung. Kommt hinzu: Kein Experte von ESPN tippt heuer auf einen Stanley-Cup-Gewinner oder -Finalisten aus Kanada. Das kann die Chancen der Ahornblätter ja eigentlich nur erhöhen.

Die Geschichte zeigt schliesslich: Der Gewinner ist... ein anderer.

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