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Zehn Spieler verlassen den Verein: Der FC Willisau kommt nicht zur Ruhe

Nach zehn Abgängen plant der Traditionsverein aus dem Luzerner Hinterland eine Neuausrichtung.

René Leupi
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Auch Pascal Lang (rechts) kehrt dem FC Willisau den Rücken und zu seinem Stammverein FC Ruswil zurück.

Auch Pascal Lang (rechts) kehrt dem FC Willisau den Rücken und zu seinem Stammverein FC Ruswil zurück.

Patrick Hürlimann (Emmenbrücke, 2. November 2019

Unterschiedlicher könnte die Gefühlslage beim FC Willisau in der Coronakrise nicht sein. In der nach 14 Spielen abgebrochenen Saison 2019/2020 lagen die Luzerner Hinterländer an der Tabellenspitze (2. Liga inter, Gruppe 4), waren auf gutem Weg, erstmals in der Vereinsgeschichte die Promotion in die 1. Liga zu schaffen. Im vergangenen Sommer, zwei Wochen vor dem Saisonstart, entmachteten die Spieler Trainer Hasan Özoglu. «Die Chemie und die gegenseitige Akzeptanz stimmten in keiner Art und Weise. Trainer noch Spieler waren gewillt, einen Schritt in die andere Richtung zu machen», kommentierte Sportkoordinator Patrick Bussmann damals den Wechsel von Özoglu zu Mirko Pavlicevic.

Fünf Monate später steht der FCW vor einer weitaus grösseren Herausforderung als noch im Sommer. Gleich zehn Spieler verlassen den Verein. Wohin der Weg der Hinterländer führt, ist ungewiss. Eines ist klar: Der ehemalige Aarau-Profi Pavlicevic, der laut Bussmann einen guten Job macht, geniesst auch nächstes Jahr das volle Vertrauen der Klubverantwortlichen. Gruppenbildung und die Erhöhung von zwei auf drei Trainingseinheiten auf das kommende Jahr sind die Ursachen für die Abgänge. Bussmann:

«Wir waren keine Mannschaft mehr, jeder hat nur noch für sich gespielt.»

Spieler mit physischen Defiziten

Während Liberat Gashi (zurück zu Altbüron-Grossdietwil) schon während der Vorrunde den Verein verlassen hatte, beendete Bussmann Anfang Dezember das Engagement mit Florin Hasanaj, Albert Rudaj und Ndue Daka. Letzterer und Dario Wirz wechseln zu Sursee, Pascal Lang kehrt aus beruflichen Gründen zu Ruswil zurück. Captain Zeljko und sein Bruder Predrag Karajcic sowie Dalijan Etemi, Zejnulla Rexhepi und Arbnor Salihaj zählen zu jener Gruppe, die nicht drei wöchentliche Trainings auf sich nehmen konnten oder wollten oder sich mit der Teamkonstellation nicht identifizieren konnten. Bussmann sagt: «Die Mannschaft zeigte physische Defizite. Diese können nur mit einem zusätzlichen Training wettgemacht werden. Zudem brauchen junge Spieler drei Trainings, um sich weiterentwickeln zu können.» Er ist sich aber auch bewusst, dass mit dieser Neuausrichtung der Abstieg zum Thema werden könnte.

Der Aderlass führt dazu, dass die Vereinsphilosophie, mit eigenen oder regionalen Talenten zu arbeiten, nun mit aller Konsequenz umgesetzt wird. «Wenn wir in der 2. Liga inter nur überleben können, wenn die Mehrheit aus auswärtigen, bezahlten Spielern besteht, dann stellt sich die berechtigte Frage, ob es für den FCW wirklich ein Mehrwert ist, in dieser Liga zu spielen. Und das muss mit einem klaren Nein beantwortet werden», so Bussmann. «Wir setzen in Zukunft auf Spieler, die sich mit dem FCW identifizieren. Wir wollen nicht nur die Balance bei den Finanzen. Auch die Balance auf und neben dem Platz, so auch die Freude am Fussball, muss stimmen. Wir werden bestimmt keinen Kraftakt machen, um die Liga halten zu können», spricht der Sportkoordinator Klartext. Der Verein hat bisher acht der zehn Abgänge ersetzt. So erhalten mehrheitlich junge Spieler eine Chance. Marvin Marbach, Noah Krügel (A-Junioren), Kevin Rölli, Raphael Bucheli, Haben Gebretinsae (2. Mannschaft) sowie Adilson Ngina (A-Junioren Kriens), Kevin Müller (Rothrist) und Rade Joksimovic (Oftringen) sollen dem FC Willisau in der Rückrunde ein neues Gesicht verleihen. Ein Gesicht, mit dem sich die Fans identifizieren können.

Bussmann lässt offen, ob der Kader je nach Saisonverlauf noch die eine oder andere Ergänzung erfährt. Doch er betont: «Wenn es mit dem vorhandenen Spielermaterial nicht reicht, dann haben wir in dieser Liga nichts zu suchen. Punkt.» Es ist der derzeitigen Situation geschuldet, dass die Meisterschaft im Frühling gar nie starten könnte. Ein Szenario, das dem umtriebigen Willisauer Sportkoordinator sicher nicht ungelegen käme.

Leitfigur verlässt FC Schötz

Auch der FC Schötz ist nicht geräuschlos in die Winterpause gestartet. Fünf Spieler stehen Trainer Roger Felber im Frühling nicht mehr zur Verfügung. Vor allem der Abgang von Joel Stephan schmerzt. Beim Wechsel des Schötzer Leitwolfes zum FC Emmenbrücke gaben wohl nicht nur sportliche Gründe den Ausschlag. Anders gelagert ist der Abgang von Michael Koch. Der 34-jährige Offensivmann war öfters verletzt und gehörte zuletzt nicht immer zur Startelf, daher wechselt der gefährliche Distanzschütze zu Rothrist. Weiter verlassen Samuel Domgjoni, Kustrim Osaj und Marko Mijatovic den Verein. Ersetzt werden die Abgänge durch den Allrounder Fisnik Hasanaj (28/Emmenbrücke), Lars Unternährer (29/Sursee) sowie das Eschenbacher Sturmtalent Fabio Rinaldo (19). Mit Marsell Dedaj (19) und Sascha Komantina (18/beide Kriens) ergänzen zwei Nachwuchskräfte den Kader. «Wir haben trotz drei gewichtigen Abgängen nichts an Qualität verloren. Wir sind auch im Frühling konkurrenzfähig», glaubt Coach Felber. (le)

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