Super League
Der FC Basel erinnert gegen Lausanne an ein zartes Pflänzchen im rauen Wind

Der FC Basel rettet am 16. Spieltag gegen den FC Lausanne-Sport in extremis ein 1:1-Unentschieden und macht den FC Zürich zum echten Leader. Warum FCB-Trainer Patrick Rahmen dem Youngster Joelson Fernandes nicht den Kopf abreisst.

Christoph Kieslich Jetzt kommentieren
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Im Dezember-Himmel: Arthur Cabral setzt gegen Lausanne seinen Penalty an die Latte.

Im Dezember-Himmel: Arthur Cabral setzt gegen Lausanne seinen Penalty an die Latte.

Keystone

Wie treffend hat es Valentin Stocker doch formuliert, als er am Wochenende im «Blick»-Interview von einem «zarten Pflänzchen» sprach. Der Captain des FC Basel meinte damit das mit vielen jungen Spielern umgebaute Team, aber das gilt ja auch für den ganzen Klub. Und wie fragil das Gebilde wirken kann, das hat man in etlichen der inzwischen doch schon 29 Pflichtspiele besichtigen können.

Gegen Lausanne, gegen das man nun in diesem Kalenderjahr vier Mal unentschieden gespielt hat, hätte der FC Basel den Sack längst zumachen müssen, hätte er eine seiner Chancen, deren Anzahl auf keine Kuhhaut gehen, verwerten müssen, um das Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken.

Doch diesmal half selbst ein Penalty nicht, weil Arthur Cabral tat, was es in seinen Basler Tagen noch gar nie gab: Er setzte seinen Schuss aus elf Metern an die Querlatte (55. Minute). Das war dann – eingedenk des Elfmeterschiessens gegen Hammarby – sein erster Fehlschuss im 13. Anlauf.

Wer abergläubisch ist, könnte da etwas hineininterpretieren, aber es war nicht nur Cabral, dem diesmal die Treff­sicherheit abging. Gegen ein weitgehend auf Abriegelung des Strafraums bedachtes, defensiv durchaus gut organisiertes Lausanne – wenn man es denn wie Trainer Ilija Borenovic euphemistisch ausdrücken mag – ging dem FCB im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Partien jede Effizienz ab.

Bei einem Ballbesitz, der phasenweise gegen 70 Prozent tendierte, scheiterten Cabral (vor allem er!), Pajtim Kasami, der ausserdem ein unermüdlicher, am Ende sogar grossartiger Antreiber war, Liam Millar und Dan Ndoye mit den prächtigsten Möglichkeiten. «Wir haben einfach zu viel liegen gelassen», musste auch FCB-Trainer Patrick Rahmen einräumen. Und weil es eben ein zartes rotblaues Pflänzchen ist, nahm es nicht einmal weiter wunder, was in der Schlussminute passierte. Rahmen hatte unter anderen Joelson Fernandes gebracht. Der 18-jährige Portugiese leistete sich auf dem holprigen, seifigen Rasen des Joggeli erst einen Ausrutscher, dann einen fatalen Ballverlust und im übermotivierten Nachsetzen ein noch grauenvolleres Foul im Strafraum. Den fälligen Penalty verwandelte Lausanne-Captain Stjepan Kukuruzovic mit grosser Selbstverständlichkeit.

Hinterher ging Rahmen mit dem 18-jährigen Fernandes nicht zu hart ins Gericht und nannte die Aktion «unglücklich». Das Entsetzen auf den Rängen jedoch war gross, auch in der Muttenzerkurve, die den schweizweiten Fanprotest gegen personalisierte Tickets mit einem fünfminütigen Boykott vor der Halbzeitpause fortgesetzt hatte.

Der FC Basel gleicht mit der letzten Aktion des Spiels aus

Wie der FCB dann noch den Kopf aus der Schlinge zog und die zweite Heimniederlage en suite verhinderte, war ein reiner Verzweiflungsakt. Als die angezeigten vier Minuten Nachspielzeit bereits verflossen waren, leiteten ein letzter hoher Chip von Tomas Tavares aus dem Halbfeld und ein cleverer Körpereinsatz des ebenfalls eingewechselten Stocker den unter dem Strich glücklichen, aber verdienten Ausgleich ein. Dass es Kasami war, der mit seinem zweiten Liga-Tor dafür besorgt war, passte zu dessen Leistung. Sein Trainer befand:

«Auch wenn das 1:1 eine gefühlte Niederlage ist, haben wir ein gutes Spiel gemacht. Die Mannschaft hat bis zum Schluss an sich geglaubt und ist mit dem Punkt belohnt worden.»

Nicht nur für Rahmen, sondern auch für die Basel Gesonnenen unter den 18871 Zuschauern war der späte Treffer eine Erlösung. Zum Fazit gehört jedoch auch: die Enttäuschung darüber, gegen den Vorletzten der Super League fast gestrauchelt zu sein; der Blick auf die Tabelle, die ein berauschter FC Zürich nun tatsächlich anführt, auch eingedenk des nun immer kapitalere Formen annehmenden Nachtragsmatch gegen YB; und schliesslich die Erkenntnis, dass ein zartes Pflänzchen viel Sorge und Geduld bedarf. Immerhin ist es im Winterwind nicht geknickt worden. Vielleicht nur ein bisschen zerzaust.

Vier Spiele stehen bis Weihnachten noch aus. Am Donnerstag (21 Uhr, St.-Jakob-Park, gegen Qarabag) geht es zunächst einmal um den Gruppensieg in der Conference League. Das wäre für das zarte Pflänzchen ein schöner Wachstumsfortschritt.

Das Telegramm

Basel - Lausanne 1:1 (0:0)

St. Jakob-Park. – 18 871 Zuschauer. – SR Adrien Jaccottet. – Tore: 92. Kukuruzovic (Foulpenalty) 0:1. 95. Kasami (Stocker) 1:1.

Basel: Lindner; López (77. Tavares), Frei, Pelmard, Petretta; Xhaka (78. Fernandes), Kasami; Zhegrova (78. Stocker), Palacios, Millar (63. Ndoye); Cabral.

Lausanne: Diaw; Chafik, Koné, Grippo, Husic (46. Suzuki); Kukuruzovic; Ouattara (77. Sanches), Amdouni, N’guessan (77. Bares), Coyle (63. Mahou); Koyalipuo (69. George).

Bemerkungen: Basel ohne Padula (verletzt), Esposito (rekonvaleszent), Burger und Cömert (beide krank). Lausanne ohne Puertas, Thomas (beide gesperrt), Geissmann, Kapo und Turkes (alle verletzt). – Verwarnungen: 35. N’guessan (Foul). 56. Grippo (Unsportlichkeit). 56. Frei (Reklamieren). 80. Tavares (Foul). 85. Kukuruzovic (Foul). 91. Fernandes (Foul). 92. Petretta (Unsportlichkeit). 92. Sanches (Foul). 95. Diaw (Reklamieren). – 55. Cabral schiesst Penalty an die Latte.

Die Bilder zum Spiel:

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