Xherdan Shaqiri
Das darf nicht passieren: Ein ärgerlicher Zwischenfall zum 30. Geburtstag

Xherdan Shaqiri wird nach dem Länderspiel in Genf Propaganda-Opfer – wie der Fussballverband reagiert.

Etienne Wuillemin
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Shaqiri reagiert verdutzt.

Shaqiri reagiert verdutzt.

Screenshot RSI

Dass Xherdan Shaqiri an diesem Wochenende im Mittelpunkt stehen würde, das war absehbar. Schliesslich wurde der Schweizer Nati-Star am Sonntag 30 Jahre alt. Drei Punkte gegen Nordirland, ein guter Auftritt bei seiner Rückkehr in die Landes-Auswahl – es waren eigentlich gute Voraussetzungen, um am Sonntag Geburtstag zu feiern.

Doch dann kam es direkt im Anschluss an das Spiel zu einem ärgerlichen Zwischenfall. Shaqiri beantwortete beim Tessiner Fernsehsender «RSI» die letzten Fragen zum Spiel, als ihm ein Unbekannter eine Jacke mit Emblem der «UÇK» umlegte, der ehemaligen kosovarisch-albanischen Widerstandsarmee während des Zerfalls von Jugoslawien.

Shaqiri reagierte verdutzt, wusste nicht recht, was vor sich ging, zog die Jacke aber sofort wieder aus. Und kehrte zur Matchanalyse zurück. Aber: Dass ein Nati-Spieler während eines Live-Interviews direkt auf dem Platz behelligt wird, darf nicht passieren. Es ist eine unrühmliche Note – der Abend in Genf erhält damit einen faden Beigeschmack. Zuvor war die Stimmung dank über 19'000 Zuschauern herausragend.

Fussballverband reagiert umgehend

Der Schweizer Fussballverband reagierte am Sonntagnachmittag auf den Zwischenfall. Er schreibt in einer Stellungnahme: «Es ist inakzeptabel, dass Personen Fussballstadien, und diesem Fall das Interview eines Spielers nach einem Spiel, für politische Propaganda missbrauchen wollen.» Gleichzeitig lobt der Verband Shaqiri, «er hat vorbildlich reagiert, ist ruhig geblieben und nicht darauf eingegangen».

Zunächst hat der Vorfall Konsequenzen für die fehlbare Person. «Sie wurde von der Polizei einvernommen und es wurde unmittelbar ein Stadionverbot ausgesprochen», schreibt der SFV. Der Schaden ist damit gleichwohl nicht mehr zu verhindern. Das Bild von Shaqiri mit der umgehängten «UÇK»-Jacke hat längst den Weg nach Serbien gefunden. Der Ärger ist riesig. Und es kann davon ausgegangen werden, dass die Serben auf politischem Weg versuchen werden, bei der Uefa gegen die Schweiz und Shaqiri vorzugehen.

Verhältnis war schon zuvor angespannt

Aus Schweizer Sicht ärgerlich ist, dass Shaqiri unverschuldet wieder aufs politische Parkett gezogen wird. Seit der WM 2018 und dem unvergesslichen 2:1-Sieg der Nati gegen Serbien mit ausgiebigem Doppel-Adler-Feiern ist das Verhältnis der beiden Länder angespannt. Die Serben anerkennen den Kosovo weiterhin nicht als unabhängiges Land. Entsprechend sind die Nati-Spieler mit kosovarischem Hintergrund für sie Reizfiguren. Daran wird Shaqiri am Wochenende seines 30. Geburtstages wieder erinnert.

Umso wichtiger ist es, dass jene Auftritte Shaqiris in dieser Woche in Erinnerung bleiben, an denen er aktiv und willentlich teilgenommen hat: Er war einer jener Nationalspieler, die zum Impfen gegen das Coronavirus aufriefen. Und nun nimmt er Kurs auf das Jubiläum von 100 Länderspielen. Im November in Luzern gegen Bulgarien dürfte es soweit sein. Für die passende Feier braucht es nicht viel Fantasie: Am liebsten mit der direkten WM-Qualifikation für die Nati.

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