WM-Achtelfinal

Es ist kein Sieg, aber die Schweiz hat doch gewonnen

Die Schweizer Nati formt bei der Besprechung zum Spiel gegen Argentinien ein Herz

Die Schweizer Nati formt bei der Besprechung zum Spiel gegen Argentinien ein Herz

Die Schweiz unterliegt Argentinien 0:1 nach Verlängerung. Die Sensation liegt lange in der Luft, dann kommt Messi und führt die Schweiz ins Tal der Tränen. Doch es sind süsse Tränen.

Nein, bitte nicht! Nicht jetzt, so kurz vor dem Penaltyschiessen! Wir wollen die Revanche für das Drama 2006 in Deutschland. Für das Aus damals im Achtelfinal gegen die Ukraine, eben nach Penaltyschiessen.

Aber Lionel Messi kennt kein Pardon. Er läuft auf und davon. Ein kurzer Blick. Ein Pass auf Di Maria. Ein Schuss. Ein Tor. 0:1. Alles vorbei! Die Schweizer liegen fassungslos am Boden. Alles vorbei? Torhüter Benaglio rennt in die Mitte, muntert auf. Weiter gehts, Jungs! Noch drei Minuten. Ihr könnt das!

Anpfiff. Irgendwie kommt es zu einem Eckball. Shaqiri flankt. Abgeblockt. Noch einmal. Der Ball fliegt zur Mitte. Ja! Dzemaili! Nein! Pfosten. Knie. Daneben. Ist das möglich?

Das Schicksal meint es nicht gut mit uns. Wo ist Ottmar Glücksfeld? Wir brauchen ihn. Letzter Angriff. Shaqiri rennt. Ein argentinisches Bein stoppt ihn. Foul! Die letzte Chance. Freistoss. In die Mauer. Pfiff. Aus. Vorbei. Die Schweizer weinen noch auf dem Feld. Hemmungslos.

Das Herz als Symbol

Am Schluss bleiben nur die Tränen. Bittere Tränen. Oder doch süsse? Weil dieses Drama genauso gut auch für die Schweiz hätte ausgehen können.

Weil unser leidenschaftliches Team den grossen Favoriten so lange bedrängte und ärgerte, wie er sich das nicht in den schlimmsten Albträumen vorgestellt hatte.

Das Bild, wie sich die Schweizer vor der Verlängerung in einem Herz formieren, sagt alles aus. Es ist das Symbol für ihren grossartigen Zusammenhalt.

Wie lange werden wir dieser verpassten Chance wohl noch nachtrauern? Dem letzten Kopfball an den Pfosten? Der Direktabnahme von Xhaka nach 28 Minuten?

Dem missglückten Abschluss von Drmic ganz alleine vor dem Tor? Vor allem dieser einen Szene.

Und jahrelang werden wir uns fragen: Warum reisst Lichtsteiner in der 118. Minute Palacio nicht einfach um? So, wie es die Argentinier bei Kontern der Schweizer x-fach tun.

Hitzfelds bitteres Ende

Mit der Schweiz scheidet das unglücklichere Team aus, nicht das schlechtere. Grosse Chancen der Argentinier? Fehlanzeige. Und wenn Messi oder Di Maria schiessen, ist Torhüter Benaglio zur Stelle.

In der Verlängerung wirken plötzlich auch die Argentinier entkräftet. Es gibt Phasen, da zelebrieren die brasilianischen Fans die Schweizer Pässe richtiggehend.

Der einzige Vorwurf, der den Schweizern gemacht werden kann, ist, dass sie diese Phase nicht zielstrebiger ausnutzen – und schon ans Penaltyschiessen denken.

Das Schweizer Märchen an dieser WM entsteht also nicht. Der Traum vom historischen Viertelfinal ist geplatzt.

Und damit endet auch die Karriere von Ottmar Hitzfeld. Nach dem Spiel sagt er: «In den letzten Minuten habe ich nochmals alles erlebt, was ein Trainer in einer Laufbahn erleben kann. Solche Emotionen erlebt man nur im Fussball. Die Schweiz hat viele Sympathien gewonnen auf der Welt.»

Vielleicht ist das richtig. Wahrscheinlicher aber ist, dass eine Schweiz mit mehr Mut, mit offensiven Impulsen von der Seitenlinie mehr als Sympathien und Erfahrung gewonnen hätte. Vielleicht sogar das Spiel.

Lionel Messi postet nach dem Spiel dieses Bild auf Facebook: «Niemand sagte, dass es ein einfaches Spiel werden würde. Ein weiterer grosser Schritt»

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