Österreichische Bundesliga

Wiederbeginn am Freitag mit dem Cupfinal

Alain Wiss (links) hat sich in der österreichischen Bundesliga sofort akklimatisiert.

Alain Wiss (links) hat sich in der österreichischen Bundesliga sofort akklimatisiert.

Warum der österreichische Fussball nach der Coronakrise ein paar Wochen Vorsprung auf den schweizerischen hat.

Der österreichische Fussball drückt aufs Gaspedal. Schon morgen Freitag, also just am Tag, an dem die Schweizer Clubs darüber abstimmen, ob sie die Saison abbrechen oder ab dem 19. Juni fortsetzen wollen, wird in Österreich wieder gekickt. Mehr noch: Ausgerechnet mit dem Cupfinal zwischen Meister Salzburg und dem Zweitligisten Austria Lustenau wird in Klagenfurt nach siebeneinhalbwöchiger Pause das Fussballcomeback gefeiert. Ohne Zuschauer, versteht sich.

Zur Erinnerung: Nachdem der Bundesrat wegen des Coronavirus den Fussball hierzulande bereits Ende Februar gestoppt hatte, absolvierten die Österreicher noch zwei Vollrunden – und dies ohne Publikumseinschränkung. Gleichzeitig jedoch wurden im Tiroler Skiort Ischgl die Après-Ski-Bars unter den wegschauenden Augen der lokalen Politiker zum Superspreader des Virus.
Die Tatsache, dass der Fussball in unserem Nachbarland dem schweizerischen nun gleichwohl um mindestens drei Wochen voraus ist, hat auch mit Bundeskanzler Sebastian Kurz zu tun. Dessen drastische Ausgangssperren und die Maskenpflicht beim Einkaufen sorgten für ein schnelles Sinken der Fallzahlen und die damit verbundenen Lockerungen.

Mehr Einigkeit als unter den Schweizer Clubs

Der zeitliche Vorsprung der «Ösis» ist aber vor allem dem Verhalten der Clubs geschuldet. Während in der Schweiz unter den Vereinen grösstmögliche Uneinigkeit darüber herrscht, wie es weitergehen soll, haben sich die Bundesligaclubs zusammengerauft. «Am Anfang gab es schon auch unterschiedliche Meinungen», sagt Christoph Längle, der Geschäftsführer des Erstligisten SCR Altach. «Doch nach der Erarbeitung eines gut durchdachten Präventionskonzepts legte sich die Skepsis.»

Hilfreich war auch die behördliche Erlaubnis zum Pool-Testing. Dadurch konnten die Kosten der Coronatests um 75 Prozent gesenkt werden. «Es setzte sich die Auffassung durch, die Beendigung der Saison mit Geisterspielen sei alternativlos», sagt Längle. «Auch, damit es keine Rechtsstreitigkeiten gibt bezüglich Meister, Auf- und Absteigern sowie dem TV-Geld.»

Dieses bewegt sich mit 35 Millionen Franken auf demselben Niveau wie jenes in der Schweiz. «Geisterspiele kosten zwar, dennoch können wir mit ihnen den wirtschaftlichen Schaden reduzieren», sagt Längle. Er berichtet von einem Cash-Burn-Test in der Liga, um die Liquidität der Vereine zu eruieren. Das Ergebnis: Ohne Spiele wären ab September nur noch drei der zwölf Erstligaclubs im grünen Bereich gewesen, die anderen am Ende. «Bei uns in Altach wäre es definitiv im August eng geworden», sagt Längle. Es gibt für die Clubs zwar auch in Österreich die Möglichkeit, Kurzarbeit zu beantragen, aber mehr als 5300 Euro brutto – in der Schweiz ist es das Doppelte – gibt es nicht. Zehn der zwölf Vereine haben Gebrauch davon gemacht.

Wichtig war auch, die Spielergewerkschaft mit im Boot zu haben. Während diese in der Schweiz den Spielern riet, Kurzarbeit abzulehnen und in einer kruden Umfrage 60 Prozent von ihnen in den Mund legte, sie seien gegen das Weiterspielen, waren ihre österreichischen Berufskollegen fast ausnahmslos dafür. «Bei uns gab es auf Seite der Spieler überhaupt keine Skepsis», sagt Längle.

Nur englische Wochen: Zehn Runden in 34 Tagen

Wenn in Österreich vier Tage nach dem Cupfinal auch der Ligabetrieb hochgefahren wird, wartet ein happiges Programm auf die Akteure. Die restlichen zehn Runden werden bis zum
4. Juli in 34 Tagen und lauter englischen Wochen durchgepaukt. «Das wird eine enorme Herausforderung», sagt Alain Wiss. Der 29-Jährige spielt neben den Salzburgern Philipp Köhn und Noah Okafor als einziger Schweizer in Österreich.

Nach viereinhalb Jahren beim FC St. Gallen hatte er im Januar dieses Jahres zu Altach gewechselt und sich sofort einen Stammplatz erobert. Die Zeit im «Homeoffice» verbrachte Wiss dann vorwiegend bei seiner Familie in Luzern. Nach dem Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining stellte er fest, dass alles für die Sicherheit der Spieler getan wird. «Wir sind schon mehrmals auf das Coronavirus getestet worden. Ich habe keine Angst vor einer Ansteckung und freue mich extrem auf die Spiele», sagt Wiss, der mit Altach die Abstiegsrunde bestreitet.

Ganz in Minne verläuft der Countdown zum Re-Start aber auch in Österreich nicht. Geheime Aufnahmen überführten den Linzer ASK der groben Unfairness. Dieser hatte bereits als Mannschaft trainiert, als noch lediglich Gruppentrainings erlaubt waren. Die anderen Clubs verlangen eine harte Bestrafung des Tabellenführers. Von einer hohen Geldstrafe über einen Abzug von Punkten bis zum Europacupausschluss ist die Rede.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1