Langlauf
Wie Nadine Fähndrich ihre Eltern trotz Corona an die Rennstrecke manövriert

Die Luzerner Weltklasse-Langläuferin macht aus dem Langlauf-Weltcup in Davos trotz Corona-Einschränkungen ein Familientreffen. Damit die Eltern die Premiere ihres kleinen Bruders erleben - und vielleicht auch einen Exploit von ihr selbst.

Rainer Sommerhalder
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Nadine Fähndrich (25) macht das Weltcup-Debüt ihres vier Jahre jüngeren Bruders Cyril nervöser als der eigene Auftritt im Sprintrennen.

Nadine Fähndrich (25) macht das Weltcup-Debüt ihres vier Jahre jüngeren Bruders Cyril nervöser als der eigene Auftritt im Sprintrennen.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Sind Sie auf der Suche nach dem perfekten Hotelzimmer? Dann wenden Sie sich doch an Nadine Fähndrich. Die Luzerner Weltklasse-Langläuferin macht eine Reise selbst in Zeiten von Corona zum unvergesslichen Erlebnis. Und die 25-Jährige beweist damit neben der Loipe Eigenschaften, die sie auch im Wettkampf anwenden will: Sie nimmt das Heft in die Hand.

Denn in Davos kommt es zu einer Premiere. Erstmals starten Nadine und ihr vier Jahre jüngerer Bruder Cyril gemeinsam im Weltcup. Der Auftritt des Bruders auf höchster sportlicher Stufe ist ein Ereignis, welches die Eltern auf keinen Fall verpassen dürfen, sagt sich Nadine Fähndrich. Doch es herrscht striktes Zuschauerverbot. Die Strecke wird derart konsequent abgeschirmt, dass selbst an einen flüchtigen Blick auf das Geschehen nicht zu denken ist.

Die WM-Fünfte über 10 Kilometer weiss Rat. Sie fragt im Hotel Bünda, das direkt ans Zielgelände grenzt, nach, ob es ein Zimmer mit Balkon in Richtung Laufstrecke gibt. Und bucht dieses kurzerhand für die Eltern. Damit sie ihren Sohn live miterleben.

Das Weltcup-Debüt des kleinen Bruders, mit dem Nadine Fähndrich öfters mal gemeinsam trainiert, macht nicht nur die Eltern glücklich, sondern auch die Schwester kribbelig. Am Tag vor dem Rennen gibt die Innerschweizerin zu: «Ich bin so richtig nervös. Wenn mein Bruder in der Loipe ist, macht mich das noch nervöser als mein eigenes Rennen. Ich freue mich sehr für ihn, aber ich muss auch einen Weg finden, mich auf meinen Einsatz zu konzentrieren.»

Fähndrich nervt sich über die eigene Nervosität

Die Nervosität hat Nadine Fähndrich vor einigen Tagen bereits einmal gepackt. Als sie nach der Absage von Norwegen, Schweden und Finnland realisierte, dass sie damit im Sprint vom Samstag zu den ganz grossen Siegesanwärterinnen gehört. Es wäre ihr erster Weltcuperfolg nach zwei Sprint-Podestplätzen im vergangenen Winter. «Ich habe mich über meine eigene Nervosität genervt», sagt Fähndrich, «denn ich weiss, dass ich auch um den Sieg mitlaufen kann, wenn die gesamte Konkurrenz am Start stehen». Mit der neuen Ausgangslage ist jetzt zumindest der Finalplatz beinahe schon Pflicht, auch wenn solches für sie in Davos eine Premiere wäre.

Weniger optimistisch blickt sie dem 10-km-Rennen vom Sonntag entgegen. Erstens schmerzen die Schienbeine bei Distanzrennen in der freien Technik. Einlagesohlen sollen Abhilfe schaffen. Zweitens kommt sie zumeist erst im Februar in Topform. Und drittens ist diese Disziplin die letzte Schwäche, die es auszumerzen gilt. «Meine Skating-Technik ist für die Distanz noch zu wenig ökonomisch», übt sie Selbstkritik. Doch Nadine Fähndrich ist sich sicher: Alles nur eine Frage der Zeit. So wie der Sprintsieg.