Champions League
Und jetzt den Sack zumachen

Nach dem 3:0 im Hinspiel in Riga greift der FCZ heute Abend in St. Gallen nach der prestigeträchtigen Qualifikation für die Königsklasse und dem mit ihr verbundenen Geldsegen.

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FC Zürich

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Keystone

Markus Brütsch, St. Gallen

Vor vier Wochen nach dem 2:3 gegen Maribor tief im Tal der Tränen trennen den FC Zürich nun bloss noch 90 Spielminuten von der Glückseligkeit. Vom grossen Ziel, erstmals in der 1992 eingeführten Champions League mit dabei zu sein und mit mindestens 12 Millionen Franken Einnahmen auch mal richtig Geld zu scheffeln. Weil sich der wichtigste Klubwettbewerb zu einem veritablen Goldesel entwickelt hat, ist er attraktiver denn je und das Ziel der Träume eines jeden europäischen Fussballmeisters wie des FK Ventspils und des FC Zürich auch.

Allerdings sind jene des lettischen Champions in Riga bereits so gut wie begraben worden. Denn noch nie in der langen Europacup-Historie hat es eine Mannschaft geschafft, einen 0:3-Rückstand nach einem Hinspiel zu Hause noch zu drehen. Überdies hat der FC Zürich in 49 Heimpartien im Europacup nur zweimal - 2007 mit 0:5 gegen Leverkusen; 1983 mit 1:4 gegen Antwerpen - so hoch verloren, dass er nun gegen Ventspils ausschiede, würde ihm das Missgeschick eines solchen Resultats ein drittes Mal unterlaufen.

Alles ist also angerichtet für eine grosse FCZ-Party heute Abend in der St. Galler AFG-Arena. Hierhin müssen die Zürcher wegen des Leichtathletikmeetings im Letzigrund ausweichen. «Das ist kein Nachteil, das ist ein tolles Fussballstadion», sagt der Zürcher Captain Hannu Tihinen. Er erinnert sich an jene Situation, als er als 22-Jähriger mit HJK Helsinki nach Siegen über Jerewan und Metz erstmals mit diesem Verein den Einzug in die Königsklasse schaffte.

«Und jetzt kann ich diesen Schritt auch mit dem FCZ machen», sagt Tihinen, «das ist schon speziell.» Präsident Ancillo Canepa räumt ein, dass die Anspannung nicht mehr ganz so gross wie vor Wochenfrist sei - Canepa: «In Riga habe ich grausam gelitten» -, doch warnt er davor, was passieren könnte, wenn . . .

Ja, wenn was passieren würde? «Wenn zum Beispiel die Letten schnell das 1:0 schiessen», sagt Canepa, «dann könnte es für uns gefährlich werden.» Wie sehr er seinen eigenen Worten glaubt oder ob er bloss ganz intensiv Bernard Challandes zugehört hat, sei mal dahingestellt. Der Trainer jedenfalls wird nicht müde, vor der Aufgabe zu warnen. Obwohl er keinerlei Aufstellungssorgen kennt, sagt Challandes: «Wir dürfen nicht übermotiviert spielen.»

Um sein Team auf die Mission «FCZ-Geschichte schreiben» einzuschwören, hat er sein Team im appenzellischen Walzenhausen zusammengezogen und gestern Abend in der AFG-Arena mit ihm trainiert. «Wir spielen, um auch das Rückspiel zu gewinnen», sagt Challandes. Er will nicht einfach nur dieses komfortable 3:0 verwalten. «Aber es ist klar, der Gegner wird attackieren, etwas anderes hilft ihm nicht mehr weiter.» Und dann kreiert Challandes noch diesen hübschen Begriff: «Wir dürfen nicht dumm-cool sein.»

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