Der rote Rauschebart passt irgendwie gar nicht zu Patrick Mendelins 60-Prozent-Job. Als Compliance Officer bei einer Bank schaut er den Kundenberatern auf die Finger. Meist kann sich der 31-jährige Oberwiler hinter PC und Telefon verstecken. Da erschreckt sein Bart niemanden. Trotzdem musste er sich schon den ein oder anderen Spruch, auch von seinem Chef anhören. Doch Unihockey spielt im Leben des Patrick Mendelin eine so wichtige Rolle, dass der Playoff-Bart in der heissen Phase der Saison nicht fehlen darf.

Patrick Mendelin (Nr. 50, Basel) im Zweikampf mit Jonas Wettstein (Nr. 75, Thun)

Patrick Mendelin (Nr. 50, Basel) im Zweikampf mit Jonas Wettstein (Nr. 75, Thun)

Mendelin ist das Gesicht von Unihockey Basel Regio. Er ist Sportchef, Spieler und U16-Trainer und vermutlich noch vieles mehr. Momentan spielt der 31-Jährige mit seinem Team um den Aufstieg in die NLA. Der NLB-Zweite Basel Regio fordert dabei den UHC Thun, den Vorletzten der abgelaufenen NLA-Saison. In der Best-of-7-Serie führen die Basler mit 2:1. Das erste Spiel entschied Mendelin selber. 69 Sekunden vor Schluss erzielte er das 5:4. Am vergangenen Samstag verlor sein Team auswärts mit 5:8. Doch am Sonntag konnte Basel Regio zu Hause 8:4 gewinnen.

Damit ist die Ausgangslage besser als in der vergangenen Saison. Damals musste sich Basel Regio trotz eines Sieges im ersten Spiel der Serie am Ende mit 1:4 den Kloten-Bülach Jets geschlagen geben. In diesem Jahr soll sich das ändern. Das Team scheint gereift und ist bereit für den Schritt in die höchste Spielklasse. «Fussball, Handball, Basketball, durch den Aufstieg von Traktor Basel bald auch Volleyball: Alle haben ein NLA-Team. Jetzt sind wir Unihockeyaner gefordert, da mitzuziehen», sagt Mendelin. Als unterklassiges Team könnte Basel Regio zu Gute kommen, dass sie jeweils zu Hause vorlegen können und auch bei einem allfälligen Entscheidungsspiel Heimvorteil haben. «Unser Turnhallenboden in der Sandgrube ist sehr langsam, das Parkett in Thun sehr schnell. Das sind schon Welten.»

Die Idee reifte im Stau auf der A2

Mit seiner langjährigen Erfahrung aus der Schweizer Nati und beim Spitzenteam Wiler-Ersingen – mit dem Verein holte Patrick Mendelin zwischen 2006 und 2018 neun Meistertitel – hat der Rotschopf einen grossen Einfluss auf den Werdegang seines Herzensklubs. Jahrelang pendelte er für Trainings und Spiele ins solothurnische Zuchwil, wo Wiler-Ersingen zu Hause ist. Die Strecke könnte er heute wohl mit verbundenen Augen fahren. Immer wieder, wenn Mendelin vor dem Schweizerhalle-Tunnel im Stau stand oder er auf dem Heimweg das Schild «Basel» sah, dachte er sich, wie schön es wäre, in der Heimat Spitzenunihockey zu spielen.

Seit dem Rückzug seines Ex-Vereins Basel Magic im Jahr 2008 gibt es in der Region kein NLA-Team mehr. Die fehlende Basis, der Mangel an ambitionierten Junioren, war ein Problem, mit dem viele Unihockeyklubs zu kämpfen hatten. Genau dort setzte Mendelin an. Als er wegen einer Fussgelenksoperation 2010 eine ganze Saison verpasste, begann er seine Ideen in die Tat umzusetzen und in der Region Basel Strukturen zu erschaffen, die Unihockey auf Leistungssport-Niveau ermöglichen sollen.

Mendelin initiierte Gespräche und so schlossen sich mehrere Vereine zusammen. Die besten Spieler von Basel United, Muttenz-Pratteln und Unihockey Leimental spielen seitdem ab der U16 unter dem Namen Unihockey Basel Regio zusammen. Mendelin steht seit 2016 wieder selber für den damaligen 1.-Liga-Verein auf dem Feld. Zunächst zwei Jahre mit einer Doppellizenz. Vor gut einem Jahr verliess er Wiler-Ersingen, um sich voll und ganz auf sein Herzensprojekt zu fokussieren. Mendelin hat aus den Erfahrungen im letzten Jahr gelernt. Als Sportchef, Spieler und Trainer ist die Rollenverteilung nicht einfach. «Ich habe mich 2018 in den Aufstiegsspielen zu sehr ablenken lassen. Jetzt bin ich von Freitagabend bis Sonntagabend nur noch Spieler. Alles andere muss warten», erklärt er. Ganz ungelegen kommt es ihm da nicht, dass seine Junioren 2019 die Playoffs verpasst haben.

Nach dem Aufstieg wieder Playoffs

Im Januar ist Patrick Mendelin zum ersten Mal Vater einer Tochter geworden. Mit Familie, Job und Unihockey bleibt für den «Langschläfer» wenig Zeit für anderes. Sollte sein Team noch zwei weitere Playoffspiele gewinnen und tatsächlich aufsteigen, ist in der Sommerpause vor allem der Sportchef Mendelin gefragt. Momentan stehen rund 400'000 Franken zur Verfügung. Für die NLA dürfte das Budget gerne etwas mehr werden. Doch allfällige Sponsoren melden sich selten von allein. Dazu soll auch der Kader verstärkt werden. Denn mit einem allfälligen Aufstieg wäre Mendelin noch lange nicht am Ziel: «Wir wollen eine Playoffmannschaft aufbauen.» Dann würde auch der rote Bart wieder spriessen.

Ob die Basler Unihockeyaner im Falle eines Aufstiegs ihre Tanzkünste präsentieren?

Unihockey Basel Regio ist ein Verein mit Identifikation. Neben dem Platz organisieren die Unihockeyaner Turniere und andere Events. Zum Beispiel werden auch Guetzli in UBR-Form gebacken oder eine Schnitzelbangg gedichtet.