Matthias Sempach, Sie haben den Königstitel als Ziel angegeben und Sie waren auch der Posterboy auf dem Festplakat. Der Erwartungsdruck bei diesem Fest, sozusagen vor Ihrer Haustüre, war himmelhoch. Wie haben Sie das erlebt?

Matthias Sempach: Ja, der Druck war riesig und ich habe immer noch zeitweise das Gefühl, in einer Röhre gefangen zu sein. Es war schon als kleiner Bub mein Ziel, König zu werden, und dazu bin ich immer gestanden. Vor drei Jahren, als ich scheiterte, hat man mich deswegen «aufgehängt», aber ich habe mich nicht irritieren lassen. Sehr wichtig war, dass ich in den letzten Jahren nie verletzt war und mich stetig weiterentwickeln konnte.

Sie haben nach dem Sieg Emotionen gezeigt, geweint und Ihren Gegner umarmt.

Der Druck ist in diesem Augenblick von mir abgefallen. Es war, als sei ein Märchen wahr geworden. Christian Stucki war ein sehr spezieller Gegner für mich. 2008 standen wir beim Kilchberg-Schwinget im Schlussgang. Er gewann das Fest, und das hat mich geprägt. Ich habe ihm damals auch gratuliert, und die Art und Weise, wie er nun mir gratuliert hat, ist einmalig. Ich kann mir ganz einfach keinen faireren Gegner vorstellen.

Wie fühlt es sich an, frisch gebackener Schwingerkönig zu sein? Matthias Sempach über Gefühle, Munis und Vermarktung

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Sie mussten immer mit der Kritik leben, mental zerbrechlich zu sein, auch im Vorfeld dieses Eidgenössischen. Hat Sie das irritiert oder eher motiviert?

Ich habe zwei Wochen vor dem Fest aufgehört, Zeitungen zu lesen. Mit der Kritik, ich sei mental schwach, habe ich schon immer Mühe gehabt. Ich hatte vor Burgdorf immerhin schon 22 Kranzfeste gewonnen. Ich werde zwar auch in Zukunft Gänge verlieren. Aber nicht, weil ich mental schwach bin. Niederlagen gehören dazu, erst recht, wenn einer so offensiv schwingt wie ich.

Sie sind nun König der Schweiz. Was wird sich für Sie ändern?

Es wird nicht so extrem sein wie vor drei Jahren bei Kilian Wenger. Ich bin ja auch etwas älter als er (vier Jahre - die Red.). Ich habe in den letzten sieben Jahren einige Feste gewonnen und werde in die neue Rolle hineinwachsen. Aber das eine oder andere wird sich ändern und ich bin mir bewusst, dass es nicht immer schöne Zeiten geben wird.