Neunmal stand eine Schweizerin oder ein Schweizer beim kontinentalen Championat als Einzelreiter auf dem Podest. Angefangen bei Paul Weier 1971 in Aachen auf Wulf und letztmals durch Christina Liebherr mit No Mercy 2005 im italienischen San Patrignano. Besonders fleissig stieg Willi Melliger aufs Treppchen, der Götti von Martin Fuchs. Melliger liess 1993 im spanischen Gijon nach den Ritten auf Quinta sogar die Schweizer Nationalhymne erklingen - bislang zum einzigen Mal in der Einzelkonkurrenz. 1995 in St. Gallen und 1997 in Mannheim legte der Solothurner mit Calvaro und jeweils Bronze nach. Die Serie des Fuchs-Clan verlängerte Martins Onkel Markus Fuchs 1999 im britischen Hickstead mit Silber im Sattel von Tinka's Boy.

Der 27-jährige Martin Fuchs und Clooney rollen in Rotterdam das Feld von hinten auf. Am Mittwoch im Jagdspringen stimmte nach einer offensiven Routenwahl die Distanz zum Einsprung in die Zielgerade nicht. Die vier Strafsekunden warfen den Zürcher in den 20. Rang zurück. Die zwei Blankorunden in den anspruchsvollen Runden vom Donnerstag und Freitag spülten Fuchs wieder nach vorne.

Der Schweizer kann jetzt die Medaille aus eigener Kraft schaffen und ist nicht mehr auf Fehler der Konkurrenten angewiesen. Vor ihm liegen nur der Brite Ben Maher auf Explosion und der Belgier Jos Verlooy mit Igor. Der Brite, der Belgier und der Schweizer bewegen sich innerhalb eines Abwurfs: Will heissen: Lassen Maher und Verlooy eine Stange in den Sand fallen, holt Fuchs mit Nullfehlerritten Gold.

Dies kann Steve Guerdat von sich nicht behaupten. Er musste am Freitag einen Patzer von Bianca akzeptieren, liegt aber immer noch auf Platz 5. Sein Rückstand auf Maher beträgt etwas mehr als ein Fehler. Silber und Bronze hingegen liegen innerhalb von 4 Punkten.

Am Sonntag stehen für die Top 25 und anschliessend für die Top 12 noch zwei Umgänge an. Das Niveau steigt, Fehler dürften auch von den Besten kommen. Der Weltranglisten-Erste Steve Guerdat und die Nummer 4 Martin Fuchs erhalten ihre Chance. So wie vor Jahresfrist an den Weltreiterspielen in Tryon, wo letztlich WM-Silber (Fuchs) und Bronze (Guerdat) resultierte.

Steve Guerdat weist das beste Palmarès aller Schweizer Springreiter aus. Aber eine EM-Medaille im Einzel fehlt ihm allerdings noch. Diese Lücke will er schliessen, auch wenn es auf Kosten seines Freundes Martin Fuchs gehen würde.

Die Springreiter innerhalb eines Abwurfs zur Medaille vor den zwei Umgängen vom Sonntag: 1. Ben Maher (GBR), Explosion, 0,62 Strafpunkte. 2. Jos Verlooy (BEL), Igor, 1,68. 3. Martin Fuchs (SUI), Clooney, 3,46. 4. Gregory Wathelet (BEL), Nevados, 4,63. 5. Steve Guerdat (SUI), Bianca, 5,31. 6. Alexis Deroubaix (FRA), Timon, 5,40. 7. Daniel Deusser (GER), Scuderia, 5,47. 8. Simone Blum (GER), Alice, 6,21.