Kunstturnen
"Lucas Fischer, welches war Ihr emotionalster Moment?"

Die Würdigung von Lucas Fischers Karriere in 16 Superlativen. Der Aargauer Kunstturner gibt Antworten auf Stichworte.

Rainer Sommerhalder
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Der beste Turnkollege:

Lucas Fischer: Oje, das ist schwierig. Das kann ich nicht sagen.

Der intensivste Genuss:

Das ist extrem schwierig, weil es so viele Genüsse gibt. Wenn ich auswählen muss: Singen!

Der schlimmste Verzicht:

Künftig aufs Kunstturnen. Turnen war mein bisheriges Leben, aber mein Körper hat mir seinen Weg gezeigt.

Die überflüssigste Episode:

Die Warze auf meiner Handfläche. Das Unterdrücken dieser schlimmen Schmerzen beim Turnen hat mir alle Energie genommen, so dass ich es mit dem Comeback nicht mehr geschafft habe.

Der treueste Fan:

Das ist meine Gotte.

Lucas Fischer vor seiner Abschieds-Pressekonferenz.
10 Bilder
Während der Pressekonferenz überkamen ihn die Emotionen.
Mehrmals musste er seine Erklärungen unterbrechen.
Auch STV-Leistungssportchef Felix Stingelin (links) leidet mit.
Momente der Freude: EM-Silber 2013 in Moskau.
Für einmal positive Emotionen bei Lucas Fischer.
Aber auch in Moskau gab es Tränen.
Und zurück ins tiefe Tal der Gefühle: Fischer muss seinen Verzicht auf die WM 2013 wegen eines Epilepsieanfalls erklären.
Und natürlich gab es auch hier Tränen.
Lucas Fischer (man beachte die Entwicklung der Frisur) bei seinem ersten internationalen Einsatz bei den Grossen, an der EM 2008 in Lausanne. Auch hier kämpft er mit den Gefühlen.

Lucas Fischer vor seiner Abschieds-Pressekonferenz.

Keystone

Die ausserordentlichste Vorfreude:

Auf meine Ferien.

Der emotionalste Moment:

In positiver Hinsicht die Silbermedaille an der EM 2013 am Barren, in negativer Hinsicht der Rücktritt. Dieser Schritt hat mehr Mut gebraucht, als dass man vielleicht denkt.

Das beeindruckendste Intermezzo:

Die beiden Erfolge als Dritter am Weltcup in Cottbus und danach Zweiter an der EM in Moskau direkt hintereinander.

Der härteste Entscheid:

Mein Rücktritt: Es war die schwierigste Entscheidung, die ich in meinem Leben bisher treffen musste.

Die witzigste Geschichte:

Als ich auf der Heimreise mit meinen Nati-Kollegen von Magglingen im Zug den Abfallbehälter öffnen wollte und dabei das ganze Tischlein unseres Abteils mitkam. All der Abfall lag am Boden . . . und auch vier Turner, die sich vor Lachen krümmten.

Der nervigste Gegner:

Früher Rafael Nadal, heute Novak Djokovic (Lucas ist ein grosser Fan von Roger Federer – d. Red.).

Der übelste Sturz:

Oje, das weiss ich noch genau: Es war vor meiner vierten Fuss-Operation bei einer Übung am Boden. Der Sturz war heftig. Ich machte einen Sprung, landete bereits überknickt und sprang trotzdem nochmals zum nächsten Salto weiter. Bei der zweiten Landung hat es mir alles «verhuddelt», was es so an Bändern und Gelenke im Fuss gibt.

Der schönste Erfolg:

Natürlich die EM-Silbermedaille 2013: Trotz all der Niederschläge, trotz der diagnostizierten Epilepsie, trotz all der Steine, die mir in den Weg gelegt wurden, durfte ich aus dem Nichts heraus diesen Erfolg feiern.

Der grösste Lagerkoller:

Das war 2012 bei einem zweiwöchigen Trainingslager in Paris. Es war ja eigentlich megaschön, hätte ich nicht den Fuss im dicken Gips getragen und wäre mit Krücken unterwegs gewesen.

Die tiefste Angst:

Einen wichtigen Menschen zu verlieren.

Das grösste Geheimnis:

Ich bin eitel.