Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahrzehnten kein Dartspieler an die zahllosen Erfolge des 57-jährigen Engländers Phil "The Power" Taylor herankommen wird. Dennoch verpasste er den perfekten Schlusspunkt in der letzten Wettkampfpartie seines Lebens.

Der letzte Wurf zum WM-Titel: Cross checkt 140, macht zwei Mal T18 und zum Abschluss D16.

Taylor war im Alexandra Palace, dem legendären Ally Pally, im englischen Final gegen den entfesselt aufspielenden Tour-Rookie Rob Cross chancenlos. Seinen ersten Satz im Best-of-7-Match gewann der Routinier erst beim Stand von 0:3. Wer jetzt dachte, der als Nummer 20 gesetzte Youngster - im Darts ist ein 27-Jähriger fast noch ein Nachwuchsspieler - würde sich vom Weg abbringen lassen, irrte sich. Von dort weg beging Cross abermals kaum Fehler. Er stellte die Leg-Gewinne - drei Legs ergeben einen Satz - sehr oft mit dem ersten Versuch auf ein Doppelfeld sicher.

An diesem Abend war der Unterschied zwischen den beiden Spielern so gross, dass Phil Taylor nichts anderes blieb, als sein Waterloo mit Humor zu nehmen. Nach jedem einzelnen (und seltenen) Leg-Gewinn liess er sich von den Fans feiern.

In diesem ersten Aufeinandertreffen mit Taylor zeigte Cross die konstantere Leistung. Mit 107,41 Punkten pro Aufnahme kam er zwar nicht an den WM-Rekord von Michael van Gerwen (114,05 Punkte) heran, erzielte aber einen deutlich höheren Schnitt als der 30 Jahre ältere Taylor (102,26).

Hier wird Rob Cross zum neuen Darts-Weltmeister gekrönt.

Der 27 Jahre alte Cross erhält für den Triumph bei seinem WM-Debüt neben der Sid-Waddell-Trophäe einen Siegerscheck über umgerechnet 520'000 Franken.

Die erste und zugleich wichtigste Darts-Partie des neuen Jahres könnte eine Wachablösung symbolisieren. Während sich The Power aufs Altenteil zurückzieht, ist Rob Cross zuzutrauen, dass er in den nächsten Jahren die verbleibenden Grössen wie die Niederländer Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld oder den Schotten Gary Anderson ernsthaft herausfordern kann.

Damit tritt Taylor, der in seiner fast 30-jährigen Karriere umgerechnet 9,5 Millionen Franken Preisgeld verdient hat, mit 83 Major-Siegen ab. Taylor wird sich nach seinem Karriere-Ende eine zweiwöchige Auszeit in Australien nehmen und im Jahr 2018 180 Showmatches bestreiten.

Für Cross war es der erste grosse Titel bei einem Turnier der höchsten Kategorie der Professional Darts Corporation (PDC). Er rückt auf Platz vier der Weltrangliste vor und wird als gesetzter Spieler an der prestigeträchtigen Premier League teilnehmen.