Fechten

Im Epizentrum des Jazz: Fecht-EM in Montreux

Max Heinzer (links), die aktuelle Weltnummer 4, stellt das Team über alles. Denn es winkt die Teilnahme in Rio.

Max Heinzer (links), die aktuelle Weltnummer 4, stellt das Team über alles. Denn es winkt die Teilnahme in Rio.

Vom 5. bis 11. Juni finden in Montreux die Europameisterschaften statt. Max Heinzer, die aktuelle Weltnummer 4 von der Fechtgesellschaft Basel, stellt das Team über alles. Denn es winkt die Teilnahme in Rio.

Zu seinem 100-jährigen Bestehen beschenkt sich der Verband Swiss Fencing selbst. Er trägt im Juni die EM in Montreux aus. Dort, wo sich sonst am Jazz Festival die Grössen aus der Musik die Gitarre in die Hand geben, erklingen für einmal die Säbel und Degen. Die Organisatoren, die gestern an einer Medienkonferenz in Ittigen über den Anlass orientierten, sind überzeugt, mit dem «Auditorium Stravinski» einen würdigen Austragungsort gefunden zu haben.

«Heim-EM erlebt man nur einmal in der Karriere»

400 Sportler aus 40 Nationen werden erwartet. Das Budget der Veranstaltung beträgt 1,2 Millionen Franken, wie OK-Präsident Mark Brunner sagt. Brunner zeichnete auch schon für die Durchführung von Davis-Cup-Heimspielen verantwortlich. Für die Schweiz sind es die ersten internationalen Fecht-Titelkämpfe auf heimischem Boden seit den Weltmeisterschaften 1998 in La Chaux-de-Fonds.

Besonders im Fokus stehen aus einheimischer Sicht die Degenfechter. Das Männerteam steht auf Rang drei der Weltrangliste, wurde zuletzt dreimal in Folge Team-Europameister und holte 2014 WM-Bronze. «Eine Heim-EM erlebt man nur einmal in seiner Karriere», sagt Max Heinzer. Der 27-Jährige von der Fechtgesellschaft Basel stellt dabei den Erfolg des Teams über seine eigenen Interessen.

Das hängt auch mit dem einjährigen Qualifikations-Zyklus für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio zusammen. Denn in Montreux gibt es dafür wichtige Punkte zu gewinnen. Die Schweizer Degen-Equipe wird für Rio maximal drei Einzelstartplätze erhalten, falls sich das Team nach Abschluss der einjährigen Qualifikationsphase in den Top 4 der Weltrangliste befindet. «Wenn wir uns über das Team nicht qualifizieren, gibt es maximal einen Einzel-Startplatz», sagt Heinzer, «deshalb gilt aller Fokus dem Team. Ein Teamerfolg ist ohnehin schöner. Nur schon, weil alle die gleiche Medaille um den Hals haben.»

Rückkehr der Gruppendynamik

Weil der Teamwettbewerb in London 2012 aus dem olympischen Programm gekippt wurde, waren die Schweizer Degenfechter in den letzten Jahren häufig als Einzelkämpfer unterwegs. «Nun spüre ich wieder eine Gruppendynamik», sagt Heinzer, der 2013 während elf Wochen die Nummer 1 der Welt war. Nach der Enttäuschung von London habe man nun wieder ein gemeinsames Ziel vor Augen. «Rio 2016 hat uns zusammengeschweisst», sagt der Schweizer Teamleader, der seit 2010 Profi ist.

Doch vor lauter Rio will Heinzer die Bedeutung der Heim-EM nicht vergessen. Das Beispiel Kariem Hussein, der in Zürich EM-Gold über 400 Meter Hürden holte, zeige ihm, «dass es sich lohnt, im eigenen Land für einen Titel zu kämpfen». Im Einzel hat Heinzer bisher EM-Bronze vorzuweisen.

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