Der Berliner war vor 30 Jahren letztmals Weltmeister, als er den Engländer Michael Nunn in einem Kampf um den vakanten WBC-WM-Titel im Halbschwergewicht bezwang. Der Linkshänder mit seiner legendären Doppeldeckung galt zudem während seiner Aktivzeit als einer der schillerndsten europäischen Box-Figuren.

1995 kämpfte der starke Defensivboxer zweimal gegen das damalige deutsche Box-Idol Henry Maske. Es war ein Fight zweier verschiedener Welten. Auf der einen Seite der elegante, kluge und taktierende Techniker mit Wurzeln in der DDR, auf der anderen Seite der Proletarier mit dem grossen Kämpferherzen und der Berliner "Schnauze". Die beiden Duelle markierten den Höhepunkt der deutschen Box-Begeisterung mit TV-Rekordquoten jener Epoche.

Den ersten Kampf verlor Rocchigiani nur umstritten nach Punkten. Ebenso boxte er zweimal gegen den seinerzeit ebenfalls populären Deutsch-Polen Dariusz Michalczewski.

Wie schon gegen Maske wurde er im ersten Kampf durch ein seltsames Urteil um den Sieg gebracht, war dann aber in beiden Rückkämpfen chancenlos. Seinen letzten Kampf bestritt er 2003.

Auch Bruder Ralf trauert

Auch sein Bruder Ralf (55) trauert um Graciano. Er war selbst früher einst Weltmeister im Cruisergewicht und verteidigte seinen WBO-WM-Titel auch zweimal gegen den Schweizer Stefan Angehrn. Mit Bruder Ralf moderierte er zusammen Boxkämpfe für einen TV-Sender. Zudem war er auch seit einigen Jahren als Trainer aktiv.

Die Berliner Polizei überbrachte die Todes-Nachricht Gracianos Tochter Andrea sowie seinen Eltern. In Italien soll Rocchigiani mit seiner der Öffentlichkeit nicht bekannten italienischen Freundin zwei kleine Kinder gehabt haben.