Handball

Entfesselt und auf EM-Kurs: Die Schweizer Handballer liefern gegen Belgien erneut eine Galavorstellung ab

Die Schweiz fertigt Belgien in der EM-Qualifikation mit 36:22 ab. Bereits das Hinspiel in Belgien gewannen die Schweizer mit 28:25, nun kann die Mannschaft von Trainer Michael Suter somit auch das Heimspiel in Schaffhausen für sich entscheiden. Die Türe zur ersten EM-Teilnahme seit 2006 ist nun weit offen.

Etwas Chaos in den Schweizer Auftritt kam erst nach der Partie, als kleine Autogrammjäger über den Platz wuselten und die Spieler wie Fussball-Stars umschwärmten. Sie sind wieder populär, die Schweizer Handballer, das war gestern in der erstmals bei einem Länderspiel ausverkauften BBC Arena in Schaffhausen spürbar.

«Die Stimmung war fantastisch», schwärmte Nationaltrainer Michael Suter. «Wir haben uns vom Publikum inspirieren lassen», erklärte Flügelspieler Marvin Lier. Kurz gesagt: Es kam zur perfekten Symbiose zwischen den Emotionen der 3500 Zuschauer und der Leistung der Spieler – die Schweiz besiegte Belgien diskussionslos mit 36:22.

Damit hat die Schweiz die Belgier innert vier Tagen zum zweiten Mal bezwungen und die Pflicht im Kampf um eine Teilnahme an der EM 2020 erfüllt. Im Gegensatz zum 28:25-Sieg in Leuven kam es in der gestrigen Reprise zu keinem vorübergehenden Bruch im Schweizer Spiel.

Schöne Aktionen und begeisterte Fans

Lediglich die Startphase war umstritten gewesen, 7:7 stand es nach 16 Minuten, ehe Suter ein Timeout nahm und die erfolgbringenden Anpassungen vornahm. Die Abwehr wechselte kurzzeitig in ein 5:1-System und im Angriff wurde nun konsequent der Torhüter durch einen siebten Feldspieler ersetzt.

Die Schweiz, die bis zu diesem Zeitpunkt praktisch nur von den Offensivaktionen ihres Ausnahmekönners Andy Schmid gelebt hatte, trat nun homogener auf, verteilte die Verantwortung auf mehrere Schultern und vermochte die Fans von Minute zu Minute mehr zu begeistern.

Extraklasse war beispielsweise der Zauberpass von Nicolas Raemy hinter seinem Rücken an den Flügel, sehenswert waren auch die Kreisanspiele zu Alen Milosevic. In der 25. Minute führten die Gastgeber bereits 13:8, zur Pause 16:11. «Jetzt sind wir im Spiel», sagte Lier im Halbzeitinterview, kurz davor war erstmals die La-Ola-Welle durchs weite Rund geschwappt.

Chancenlose Belgier

Nach dem Seitenwechsel setzte die SHV-Auswahl ihrem Auftritt dann das «Sahnehäubchen» auf, wie Suter später anmerken sollte. Schmid wurde vorübergehend zwar in Manndeckung genommen, doch kein Problem: Für den unbestrittenen Schweizer Ausnahmekönner und Bundesliga-Söldner sprang nun halt Nicolas Raemy in die Bresche.

Furchtlos übernahm er die Spielmacherrolle und setzte seine Teamkollegen derart effektiv in Szene, dass die Belgier nach 40 Minuten und beim Stand von 26:16 die persönliche Bewachung von Schmid bereits wieder auflösten.

Zu ganz grosser Form liefen auch der Aargauer Marvin Lier am linken Flügel (neun Tore) und der Berner Nikola Portner (12 Paraden) im Tor auf. «Wir wollen grösser werden und hoffen, es den Schweizern schwer zu machen», hatte Belgiens Trainer Arnaud Calbry vor der Begegnung noch gesagt.

Seine Auswahl war an diesem Nachmittag gegen entfesselte Schweizer aber absolut chancenlos. «Wir finden eine gute Mischung aus Spass und Arbeit. Es macht Freude, miteinander Handball zu spielen», hielt Raemy nach der Partie fest.

«Nichts ist unmöglich»

Die Schweizer Protagonisten ordneten die Situation trotz der Euphorie aber auch nüchtern ein. «Qualifiziert», so wusste Raemy, «sind wir noch nicht.» Den dritten Rang in der Gruppe zwei haben die Schweizer jetzt zwar auf sicher, doch nur die Hälfte der Gruppendritten wird an der Endrunde in Österreich, Norwegen und Schweden dabei sein. Für die sichere Teilnahme ist mindestens Platz zwei nötig und den kann sich die Schweiz in den beiden abschliessenden Spielen im Juni sichern.

Den ersten Matchball für die erstmalige EM-Qualifikation seit 2006 hat die Schweiz am 12. Juni in der Zuger Bossard Arena gegen Favorit Kroatien. Auch vor diesem Weltklasseteam werden sich die Schweizer nicht verstecken. Oder wie sagte gestern Andy Schmid noch vor seinem Abstecher ins «Sportpanorama» des Schweizer Fernsehens: «Nichts ist unmöglich.»

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