Ironman Hawaii

Daneila Ryf: «Ich werde pedalen ohne Rücksicht auf Verluste»

Entspannt nach Zürich: Daniela Ryf krönt ihr Sportjahr mit der Teilnahme an den Sport Awards.

Entspannt nach Zürich: Daniela Ryf krönt ihr Sportjahr mit der Teilnahme an den Sport Awards.

Nach einer Saison mit lauter Siegen winkt der Solothurnerin Daniela Ryf beim Ironman Hawaii eine ungewöhnliche Möglichkeit zur Krönung. Die 27-Jährige hat 2014 bisher fünf von fünf Triathlons auf höchstem Niveau gewonnen.

«8 weeks of craziness» (Acht verrückte Wochen) – so umschreibt Daniela Ryf den vergangenen Sommer. Zwischen Mitte Juli und Mitte September gewann sie EM-Gold in der 5150-Serie, triumphierte am Folgetag beim Ironman Switzerland ebenfalls in Zürich, verteidigte ihren 70,3-Europameistertitel über die Halbironman-Distanz in Wiesbaden (D), setzte sich auch bei ihrem zweiten Rennen über die Originaldistanz am Ironman Kopenhagen (Dä) durch und gewann schliesslich den 70.3-Weltmeistertitel in Mont Tremblant (Ca). Fünf Siege in fünf Rennen auf höchstem Niveau: In neue Sphären aufgestiegen ist die 27-jährige Solothurnerin mit dieser Erfolgsserie.

Und längst mehr als gelungen ist die Saison, welche sie unter das Motto «Versuche neue Dinge, aber tu es mit Leidenschaft» stellte. Die Zusammenarbeit mit Brett Sutton, dem australischen Erfolgscoach, mit dem schon Olympiasiegerin Nicola Spirig zu Höhenflügen angesetzt hat, trägt Früchte. Letzten Herbst schloss sie sich die einstige U23-Weltmeisterin und Olympia-Siebte von 2008 Sutton an, nachdem sie zuvor arg unten durch hatte gehen müssen und dem Rücktritt nahe gestanden hatte.

«Glaube an meine Siegchance»

Nun hat Daniela Ryf zurück gefunden auf die Erfolgsspur. Und noch ist der Hunger nach weiteren Trophäen nicht gestillt. Vielmehr nimmt sie die Möglichkeit zur Krönung wahr und startet diesen Samstag am Ironman Hawaii, der Weltmeisterschaft. Sie startet also an jenem Rennen, das punkto Ausstrahlung, Anerkennung, Preisgeld alles andere bei weitem überstrahlt und in den Schatten stellt. Und sie stellt sich einer Herausforderung, die für sie bis vor wenigen Monaten kein Thema war.

Und Ryf wird die 3,9 km Schwimmen im Pazifik, die 180 km Velofahren durch die Lavafelder und die 42,195 km Laufen bei Hitze mit Ambitionen in Angriff nehmen. Aufgrund ihres Leistungsausweises und ihres brillanten Ironman-Debüts zählt sie zum engsten Favoritenkreis – als Hawaii-Rookie. Und in dieser Position fühlt sich die Aufsteigerin wohl. Sie sagt: «Ich glaube an meine Siegchance.»

Lange Vorbereitung

Der besonderen Aura des Klassikers hat sich Ryf unüblich kurzfristig zugewandt. Nur 80 Stunden vor dem Start ist sie in Kailua Kona gelandet. Das tat sie ganz bewusst. Mit der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit hatte sie es bereits in Cozumel (Mex) zu tun. Dort weilte sie mit ihrer Trainingsgruppe die letzten vier Wochen.

Gezielt und in Ruhe konnte sie sich auf Hawaii ausrichten und vorbereiten – ohne die Wettkampfvornervosität, die sich vor Ort zuspitzt. «Ich fühle mich relaxed und sehe es als Vorteil, ohne Hawaii-Erfahrung anzutreten», sagt Ryf. Diese Unbekümmertheit will sie ins Rennen mitnehmen. «Ich will alles geben und will meine beste Radleistung des Jahres zeigen.»

Was das heisst? Hohes Risiko? «Ich werde pedalen ohne Rücksicht auf Verluste.» Vor Ort unterstützt wird sie von einem Assistenten Suttons sowie von ihrer Mutter, die sie als Vorbild nennt: «Sie hat mir vorgelebt, dass für grosse Ziele hart zu arbeiten ist.» Und mit ihr findet sie auch jetzt die Musse, an der Strandpromenade von Kailua Kona den Blick aufs Meer schweifen zu lassen und einen Kaffee zu geniessen – «Kaffee, der hier besonders gut schmeckt.»

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