Silvan Kämpfen

Der Fussballweltmeister 2010 wird Brasilien heissen, und die Schweiz wird nach der Vorrunde die Heimreise antreten müssen. Dies ist das wahrscheinlichste Szenario für das Turnier in Südafrika - angenommen, Fussball lässt sich mit Mathematik erklären. Davon ist Roger Kaufmann überzeugt: «Es gibt einen Zusammenhang», sagte er gestern an einem Kolloquium der ETH Zürich, wo er einst selbst studierte.

Für seine Berechnungen bedient sich der 36-Jährige der Fifa-Weltrangliste. Diese berücksichtigt alle Partien der letzten vier Jahre. Weil Spanien zurzeit auf dem 2.Platz klassiert ist und die Schweiz nur auf Rang 24, fallen Kaufmanns Aussichten für das erste Nati-Spiel nicht rosig aus: Die Chancen für die Spanier liegen bei 60Prozent, ein Unentschieden passiert zu 26Prozent, ein Schweizer Sieg ist mit 16Prozent weniger wahrscheinlich. Doch Roger Kaufmann macht Hoffnung: «In einem von zehn Fällen unterschätzt Spanien die Schweiz.»

Tiefe Chancen für Favoriten
Zurück zum Titel-Rennen: Kaufmanns Favoriten heissen Brasilien und Spanien. Mit je 15Prozent liegen deren Chancen aber eher tief. Der Versicherungsangestellte wagt deshalb eine Prognose: «In diesem Jahr oder in einem der nächsten Turniere wird ein Aussenseiter Weltmeister.» Risikofreudigen empfiehlt er eine Wette auf Algerien: Mit einem Einsatz von einem Franken schauen 300Franken heraus. Als afrikanische Mannschaft hätte Algerien dank Heimvorteil keine schlechten Chancen.

Nun sind solche Zahlenspielereien zwar interessant. Kaufmann selbst räumt aber auch ein, dass beim Fussball eben viele andere, subjektive Faktoren eine Rolle spielen. Wie wirkt sich die Verletzung von Marco Streller auf die Schweizer Nati aus? Ist der extravagante Maradona als Trainer für Argentinien ein Handicap? Und wie kommen die Strandfussballer aus Brasilien mit den winterlichen Bedingungen in Südafrika zurecht? Solche Fragen werden weitaus entscheidender sein als statistisches Material.

Zum Glück, ist man als Fan geneigt zu sagen. Und auch wenn der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ebenfalls Mathematiker ist: Es bleibt zu hoffen, dass er sein fussballerisches Fingerspitzengefühl gegenüber den nackten Zahlen vorzieht. Das gilt übrigens auch für all jene, die im Büro an einem WM-Toto mitmachen.