Real droht gegen Gladbach historische Blamage
Was die Wichtigkeit von Sergio Ramos über die Krise von Real Madrid aussagt

Gegen Borussia Mönchengladbach will Real Madrid eine historische Blamage abwenden. Dafür sorgen einmal mehr die Routiniers.

Raphael Gutzwiller
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Ist der wichtigste Mann von Real Madrid: Captain Sergio Ramos.

Ist der wichtigste Mann von Real Madrid: Captain Sergio Ramos.

Bernat Armangue/AP (Madrid, 3. November 2020

Ein kurzes Lächeln huscht über das Gesicht von Sergio Ramos. Er jongliert den Ball dreimal, nimmt ihn aus der Luft hinunter und spielt dann einen Pass. Ramos ist gut drauf. Er ist von seiner Oberschenkelverletzung genesen und bereit. Bereit, seinem Team wieder jene Stabilität zu geben, die in den letzten Wochen gefehlt hat. Vom riesigen Druck, der auf den Spielern von Real Madrid lastet, ist im Abschlusstraining vor dem Duell in der Champions League gegen Borussia Mönchengladbach nichts zu sehen.

Dabei geht es für Real Madrid darum, eine historische Blamage zu verhindern. Siegt Real gegen das deutsche Überraschungsteam nicht, scheiden die Königlichen zum ersten Mal überhaupt in den Gruppenspielen der Königsklasse aus. Für Gladbach wäre das Weiterkommen derweil ein Novum.

Die unheimliche Bilanz von Sergio Ramos

Die Rückkehr des 34-jährigen Captains Ramos kommt für Real Madrid zum richtigen Zeitpunkt. Real mit Ramos kann königlich sein, ohne ihn fehlt aber einiges.

Wie wichtig der Abwehrchef für die Madrilenen ist, zeigt die Statistik: Von den letzten zehn Partien in der Königsklasse ohne Ramos gab es acht Niederlagen. In den letzten zehn CL-Spielen mit Ramos nur eine einzige. Sein Mitspieler Casemiro sagt an der Medienkonferenz voller Ehrfurcht: «Ramos ist unser Leader, unser Captain. Es ist für uns sehr wichtig, dass Ramos zurück ist.»

Die Wichtigkeit des 34-Jährigen sagt viel über Real Madrid unter Trainer Zinedine Zidane aus. Der Franzose, früher selbst einer der genialsten Fussballer des Planeten, war es gewesen, der Real Madrid von 2016 bis 2018 zum Titel-Hattrick geführt hatte. Als Real nach Zidanes überraschendem Rücktritt und dem Abgang von Cristiano Ronaldo kriselte, kehrte der Startrainer neun Monate später zurück. Tatsächlich führte Zidane Real im vergangenen Sommer zur spanischen Meisterschaft, vor allem dank einer starken Defensive.

Und doch sind die Probleme von damals jene von heute. Noch immer ist Ronaldo nicht ersetzt, sein teurer Nachfolger Eden Hazard ist häufiger verletzt, als er Tore schiesst. Und auch sonst hat es Zidane verpasst, seiner Mannschaft ein neues Gesicht zu verpassen. Noch immer bilden die Hattrick-Helden von damals die Achse: Sergio Ramos hinten, Luka Modric und Toni Kroos in der Mitte und Karim Benzema vorne. Alle vier sind über 30 Jahre alt. Neben den Altstars stellt Zidane sehr junge Talente auf. Eine verwirrende Mischung.

In der Liga nur auf dem vierten Rang

Die Situation ist nicht nur in der Champions League, sondern auch in der Liga angespannt. Real steht auf Rang vier, obwohl der grosse Konkurrent Barcelona ebenfalls kriselt. Letztes Wochenende siegte Madrid zwar gegen Sevilla 1:0, noch viel wichtiger sind in dieser Woche aber die Partien gegen Gladbach und am Samstag im Derby gegen Leader Atlético. Siegt Real nicht zweimal, ist selbst Zidane nicht mehr unantastbar.

Ist nicht mehr unantastbar: Zinedine Zidane.

Ist nicht mehr unantastbar: Zinedine Zidane.

Bernat Armangue / AP

«Real hat immer bewiesen, dass es zur Stelle ist, wenn es gewinnen muss», sagt Luka Modric. Tatsächlich siegte Real zuletzt in den grossen Spielen. Gegen Barcelona oder zweimal gegen Inter Mailand. Dafür folgten unnötige Niederlagen gegen Fussballzwerge. Gegen Cádiz, Deportivo Alavés und zweimal gegen Schachtjor Donezk.

Ramos trifft auf Penaltyheld Sommer

Hält zweimal gegen Sergio Ramos: Yann Sommer.

Hält zweimal gegen Sergio Ramos: Yann Sommer.

Marc Schumacher / freshfocus

Sergio Ramos wurde gegen Sevilla noch geschont. Jetzt trifft er ausgerechnet auf jenen Mann, der vor kurzem zwei Penaltys in einem Spiel gegen ihn pariert hat: Yann Sommer. Der Nationalgoalie wurde vor drei Wochen beim 1:1 der Schweiz gegen Spanien zum Helden.

In der Champions League stachen derweil für Gladbach andere hinaus: der geniale Mittelfeldstratege Florian Neuhaus, der unberechenbare Torjäger Alassane Pléa und der ewige Spielmacher Lars Stindl. Sie alle wollen für Gladbach Geschichte schreiben. Ein Remis würde dazu reichen. Doch der Schweizer Denis Zakaria begnügt sich damit nicht: «Wir wollen gegen Real Madrid gewinnen.» Die Angst vor den Königlichen ist schon grösser gewesen. Ob mit oder ohne Ramos.

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