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Warum es richtig ist, wenn Olympia-Boss Bach lieber über Bäume als über Viren redet

«Ich kann Ihnen sagen, dass beim Meeting des IOC-Exekutivkomitees weder das Wort Absage noch das Wort Verschiebung gefallen ist», betont IOC-Präsident Thomas Bach in Lausanne.

«Ich kann Ihnen sagen, dass beim Meeting des IOC-Exekutivkomitees weder das Wort Absage noch das Wort Verschiebung gefallen ist», betont IOC-Präsident Thomas Bach in Lausanne.

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympische Komitee muss Kritik einstecken, weil er nicht über die Auswirkungen des Corona-Virus auf die Olympischen Spiele in Tokio spekulieren will. Dabei ist seine Unaufgeregtheit gerade jetzt eine Wohltat. Ein Kommentar.

Sieht der mächtige IOC-Boss Thomas Bach vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr? Da parliert der Herr der Ringe lieber über ein Klimaprojekt in Afrika anstatt über Viren in Japan. Obwohl die ganze Welt nur eines von ihm wissen will: Sind die Olympischen Spiele in Tokio in Zeiten von Corona nicht ernsthaft in Gefahr?

Selbstverständlich kriegt Bach für seine thematische Ignoranz medial zünftig auf den Deckel. Grobfahrlässig, der Infektionsgefahr derart provokativ gelassen zu trotzen. Die weltbesten Sportler auf dem Buckel des maximalen finanziellen Gewinns quasi ohne Mundschutz und Ethanol direkt ins Verderben zu schicken. Das IOC soll sich ein Beispiel an anderen Sportorganisationen nehmen. Die bedienen viel gekonnter unser Bedürfnis nach Viren-Hysterie, sagen im Stundentakt Wettkämpfe ab und lassen selbst eine Fussball-EM als Patient kurz vor der letzten Ölung erscheinen. Nur der Bayer Bach bleibt pointiert stoisch. Hat der sich überhaupt die Hände gewaschen?

Dabei verdient der viel gescholtene Präsident des Internationalen Olympischen Komitees für seinen Auftritt Lob. Bachs Gelassenheit tut gut in Zeiten, in denen sich die Push-Meldungen zu Corona überschlagen, der politische Aktionismus längst auf Serienfeuer programmiert ist und die erregte Weltwirtschaft vor einem kleinen Erreger in die Knie geht. Der Deutsche sieht die Relationen richtig. Der Klimawandel ist für die Menschheit das ungleich grössere Problem als dieser bierselige Fledermaus-Virus.

Die Olympischen Spiele finden Ende Juli statt. Wieso also heute bereits auf Panik machen. Anstatt nach vorne blicken wir lieber mit Sorgenfalten auf den wärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn zurück. Doch das geht aufgrund des neusten China-Imports völlig unter.

Deshalb ist die Absicht des IOC, die weltgrösste Sportveranstaltung in ein ökologisches Vorzeigeobjekt umzuwandeln, eine wichtige Botschaft. Ob ein Olympischer Wald in der Sahelzone das richtige Zeichen ist, sollen die Experten von WWF und Greenpeace beurteilen. Dass Thomas Bach aber die Weitsicht hat, die Prioritäten anders zu setzen als der Rest der vom Virus paralysierten Welt, dafür muss man ihm ein Kränzchen winden. Zumindest verdient sich Bach als Dankeschön ein «Like» von Greta.

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