French-Open-Halbfinal
Vor Duell mit Rafael Nadal: Roger Federer und sein Linkshänder-Irrtum

Im Halbfinal von Roland Garros nimmt Roger Federer den sechsten Anlauf, den elffachen Sieger Rafael Nadal erstmals auch in Paris zu bezwingen. Gegen einen Linkshänder fühle sich das Spiel für ihn nie natürlich an. Doch die Statistik straft den Baselbieter Lügen.

Simon Häring
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Roger Federer hat gegen Linkshänder eine bessere Bilanz als gegen Rechtshänder. Wenn Rafael Nadal nicht wäre.

Roger Federer hat gegen Linkshänder eine bessere Bilanz als gegen Rechtshänder. Wenn Rafael Nadal nicht wäre.

KEYSTONE

Fünf Spiele, fünf Siege, alle gegen Rechtshänder. Roger Federer steht damit bei seiner Rückkehr nach Roland Garros bereits in den Halbfinals. Doch dort erwartet ihn eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Sein Gegner: der Spanier Rafael Nadal, elffacher Sieger, der Sandkönig, der auf Pariser Erde überhaupt erst zwei Spiele verloren hat. Fünf Mal besiegte er bei den French Open auch Roger Federer - 2005 in den Halbfinals, 2006 bis 2008 und 2011 im Final.

Obwohl er die letzten fünf Duelle, die allesamt auf Hartbelag stattgefunden haben, gewonnen und letztmals im Halbfinal der Australian Open 2014 (!), also vor über fünf Jahren, gegen Rafael Nadal verloren hat, steht Federers Bilanz noch immer bei 15:23 Siegen. Allerdings: Nicht weniger als 13 dieser Niederlagen erlitt der Schweizer auf Nadals bevorzugter Unterlage Sand - bei zwei Siegen: 2007 in Hamburg und vor über zehn Jahren im Madrid-Final.

Die bisherigen Grand-Slam Duelle zwischen Federer und Nadal in Bildern:

Die bisherigen Grand-Slam Duelle
8 Bilder
Federer steht zum vierten Mal in Folge im Final, für Nadal, der einen Monat zuvor zum dritten Mal in Folge die French Open gewinnt, zum ersten Mal mit einem Finalsieg gegen Federer, ist es eine Premiere. Mit einem 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3 verteidigt der Schweizer an der Church Road seinen vierten Titel in Folge und wehrt Nadals Angriff ein erstes Mal ab.
Nur die «Coupe des Mousquetaires» fehlt Federer in seiner Trophäensammlung noch. Zwei Wochen zuvor bezwingt er Nadal im Hamburg-Final erstmals auf Sand und beendet dessen Rekordserie von 81 Siegen in Folge auf dessen Lieblingsbelag. Doch in Roland Garros geht er im dritten Jahr in Folge gegen Nadal als Verlierer vom Platz – 3:6, 6:4, 3:6, 4:6.
Zwei Wochen darauf treffen sich Federer und Nadal erneut im Final, diesmal in Wimbledon. Mit seinem fünften Titel in Folge egalisiert Federer die Bestmarken von Björn Borg und Pete Sampras. Er setzt sich mit 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (6:3), 2:6, 6:2 durch und sagt danach ehrfürchtig: «Rafa wird immer besser. Ich nehme jeden Titel, den ich noch bekomme.»
Die Finalqualifikation Federers, geschwächt von den Nachwehen des Pfeifferschen Drüsenfiebers, ist eine Überraschung. Zum dritten Mal in Folge unterliegt er dort Rafael Nadal, der ihm bei seinem 6:1, 6:3, 6:0-Sieg in 1:48 Stunden nur vier Games überlässt. Bis heute ist es Federers brutalste Niederlage. «Er war besser, viel besser», sagt Nadal, der sich sogar entschuldigt.
Der 6:4, 6:4, 6:7 (5:7). 6:7 (6:8), 9:7-Erfolg geht als bestes Spiel in die Geschichte ein. Erst um 21.15 Uhr verwandelt Nadal den Matchball, beendet Federers Traum vom sechsten Sieg in Folge und gewinnt erstmals in London. Das 4:48-Stunden-Epos wird später verfilmt. Federer sagt heute, die Niederlage sei Folge des Paris-Debakels im Monat zuvor gewesen.
«Oh, Gott, das bringt mich um», versagt Federer nach der 7:5, 3:6, 7:6 (7:3), 2:6, 2:6-Niederlage bei der Siegerehrung die Stimme. Nadal legt ihm den Arm um die Schulter. Er hatte zwei Tage zuvor im Halbfinal gegen Landsmann Fernando Verdasco fünf Sätze, fünf Stunden und 53 Minuten benötigt. Nadal gewinnt als erster Spanier überhaupt in Melbourne.
Im Halbfinal bezwingt Roger Federer Novak Djokovic, der zu diesem Zeitpunkt 2011 noch unbesiegt ist und 42 Siege in Folge hatte feiern können. Im Final verliert Federer den Startsatz nach 5:2-Führung und das Spiel mit 5:7, 6:7 (3:7), 7:5, 1:6. Zum vierten Mal trennt ihn nur ein Finalerfolg gegen Nadal vom Titel bei den French Open. Für Nadal ist es der sechste Paris-Titel.

Die bisherigen Grand-Slam Duelle

Keystone

Federer: «Es fühlt sich nie natürlich an»

Federer begründet das auch damit, dass Nadal als Linkshänder gegen ihn einen Vorteil habe. Für ihn stehe es an der Tagesordnung, gegen Rechtshänder zu spielen. «Für mich hingegen fühlt es sich niemals natürlich an. Es ist ein ganz anderes Spiel. Das grösste Problem ist der Return, weil der Ball zur anderen Seite wegspringt. Es ist eine grosse Umstellung für mich», sagte Federer. Es gelte nun, in der Vorbereitung auf das Spiel keine Zeit zu verlieren.

Doch es greift zu kurz, Federers negative Bilanz gegen Nadal alleine damit erklären zu wollen, dass dieser mit links spielt. Ein Blick in die Statistik zeigt: Federer sitzt einem Irrtum auf:

Federer und der Linkshänder-Irrtum

Federers Siegquote gegen Linkshänder ist nur geringfügig schlechter als gegen Rechtshänder - um vier Prozentpunkte. Zieht man die 25 Niederlagen gegen Nadal ab, schnellt die Quote auf 90 Prozent hoch. Federer hat in seiner Karriere nur 36 von 137 Spielen gegen Linkshänder verloren. Für fast zwei Drittel dieser Niederlagen ist also Rafael Nadal verantwortlich. Das zeigt: Federers schlechte Bilanz gegen Nadal hat in erster Linie mit dessen Klasse zu tun.

Letzte Niederlage gegen Nadal 2014

Roger Federers letzte Niederlage gegen einen Linkshänder datiert vom Oktober 2015, als er in Shanghai dem Spanier Albert Ramos unterlag. Seither hat er 21 Spiele in Folge gewonnen. Die Serie startete am 26. Oktober 2016 im Final der Swiss Indoors Basel. Und zwar ausgerechnet gegen Rafael Nadal. Gleichwohl gibt sich Federer nur verhalten optimistisch. «Er ist der Beste auf Sand, das hat er oft bewiesen. Es ist eher in seinem Schläger, das ist klar.»

Am Donnerstag trainierte er mit dem französischen Linkshänder Corentin Moutet. «Früher hasste ich das, heute liebe ich es, mich dieser Herausforderung zu stellen.» Er glaube an seine Chance und freue sich auf das Duell. «Als ich mich dazu entschied, auf Sand zu spielen, hoffte ich, dass es dazu kommt. Denn wenn du auf Sand etwas erreichen willst, musst du früher oder später gegen Nadal gewinnen.» Vielleicht gelingt ihm das 2019 auch erstmals in Paris.

Das sind alle 101 Turniersiege von Roger Federer:

103. Titel, Basel 2019 Alex De Minaur 6:2, 6:2
103 Bilder
102. Titel, Halle 2019 David Goffin 7:6, 6:1
101. Titel, Miami 2019 John Isner, 6:1, 6:4
100. Titel, Dubai 2019 Stefanos Tsitsipas. 6:4, 6:4
99. Titel, Basel 2018 Marius Copil, 7:6, 6:4
98. Titel, Stuttgart 2018 Milos Raonic, 6:4, 7:6
97. Titel, Rotterdam 2018 Grigor Dimitrov, 6:2, 6:2
96. Titel, Australian Open 2018 Marin Čilić, 6:2, 6:7, 6:3, 3:6, 6:1
95. Titel, Basel 2018 Juan Martín del Potro, 6:7, 6:4, 6:3
94. Titel, Shanghai 2017 Rafael Nadal, 6:4, 6:3.
93. Titel, Wimbledon 2017 Marin Cilic, 6:3, 6:1, 6:4
92. Titel, Halle 2017 Alexander Zverev, 6:1, 6:3
91. Titel, Miami 2017 Rafael Nadal, 6:3, 6:4
90. Titel, Indian Wells 2017 Stan Wawrinka, 6:4, 7:5.
89. Titel, Australian Open 2017 Rafael Nadal, 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3.
88. Titel, Basel 2015 Rafael Nadal, 6:3, 5:7, 6:3.
87. Titel, Cincinnati 2015 Novak Djokovic, 7:6 (7:1), 6:3.
86. Titel, Halle 2015 Andreas Seppi, 7:6 (7:1), 6:4
85. Titel, Istanbul 2015 Pablo Cuevas, 6:3, 7:6 (13:11)
84. Titel, Dubai 2015 Novak Djokovic, 6:3, 7:5.
83. Titel, Brisbane 2015 Milos Raonic, 6:4, 7:6, 6:4. - Es war Federers 1000. ATP-Karriere-Sieg.
82. Titel, Basel 2014 David Goffin, 6:2, 6:2.
81. Titel, Schanghai 2014 Gilles Simon, 7:6 (8:6), 7:6 (7:2)
80. Titel, Cincinnati 2014 David Ferrer, 6:3, 1:6, 6:2.
79. Titel, Halle 2014 Alejandro Falla, 7:6, 7:6
78. Titel, Dubai 2014 Tomas Berdych, 3:6, 6:4, 6:3.
77. Titel, Halle 2013 Michail Juschni, 6:7 (5:7), 6:3, 6:4.
76. Titel, Cincinnati 2012 Novak Djokovic, 6:0, 7:6 (9:7)
75. Titel, Wimbledon 2012 Andy Murray 4:6, 7:5, 6:3, 6:4
74. Titel, Madrid 2012 Tomas Berdych 3:6, 7:5, 7:5.
73. Titel, Indian Wells 2012 John Isner, 7:6, 6:3.
72. Titel, Dubai 2012 Andy Murray, 7:5 6:4.
71. Titel, Rotterdam 2012 Juan Martin Del Potro, 6:1, 6:4.
Federer feiert 2011 an den ATP World Tour Finals in London den 70. Titel im 100. Final Jo-Wilfried Tsonga, 6:3, 6:7, 6:3
69. Titel in Paris-Bercy Jo-Wilfried Tsonga, 6:1, 7:6
68. Titel in Basel 2011 Kei Nishikori, 6:1, 6:3
67. Titel in Doha 2011 Nikolay Davydenko, 6:3, 6:4
66. Titel an den World Tour Finals in London 2010 Rafael Nadal, 6:3, 3:6, 6:1
65. Titel in Basel 2010 Novak Djokovic, 6:4, 3:6, 6:1
64. Titel in Stockholm 2010 Florian Mayer, 6:4, 6:3
63. Titel in Cincinnati 2010 Mardy Fish, 6:7, 7:6, 6:4
62. Titel: Federer gewinnt die Australian Open 2010 Andy Murray, 6:3, 6:4, 7:6
61. Titel in Cincinnati 2009 Novak Djokovic, 6:1, 7:5
60. Titel: Wimbledon 2010 Andy Roddick, 5:7, 7:6, 7:6, 3:6, 16:14
59. Titel: Ein emotionaler Titel! Federer gewinnt 2009 endlich die French Open in Paris Robin Söderling, 6:1, 7:6, 6:4
58. Final in Madrid 2009 Rafael Nadal, 6:4, 6:4
57. Final in Basel 2008 David Nalbandian, 6:3, 6:4
56. Titel: Federer gewinnt die US Open 2008 Andy Murray, 6:2, 7:5, 6:2
55. Titel in Halle 2008 Halle. Philipp Kohlschreiber, 6:3, 6:4
54. Titel in Estoril 2008 Nikolay Davydenk0, 7:6, 1:2 (w.o.)
53. Titel in Schanghai 2007 David Ferrer, 6:2, 6:3, 6:2
52. Titel in Basel 2007 Jarkko Nieminen, 6:3, 6:4
51. Titel: US Open-Sieg 2007 Novak Djokovic, 7:6, 7:6, 6:4
50. Titel in Cincinnati 2007 James Blake, 6:1, 6:4
49. Titel: Skpektakulärer Wimbledon-Triumph 2007 Rafael Nadal, 7:6, 4:6, 7:6, 2:6, 6:2
48. Titel in Hamburg 2007 Rafael Nadal, 2:6, 6:2, 6:0
47. Titel in Dubai 2007 Mikhail Juschni, 6:4, 6:3
46. Titel: Federers Sieg an den Australian Open 2007 Fernando Gonzalez, 7:6, 6:4, 6:4
45. Titel in Schanghai 2006 James Blake, 6:0, 6:3, 6:4
44. Titel in Basel 2006 Fernando Gonzalez, 6:3, 6:2, 7:6.
43. Titel in Madrid 2006 Fernando Gonzalez, 7:5, 6:1, 6:0
42. Titel in Tokio 2006 Tim Henman, 6:3, 6:3
41. Titel: Federer gewinnt 2006 auch die US Open Andy Roddick, 6:2, 4:6, 7:5, 6:1
40. Titel in Toronto 2006 Richard Gasquet, 2:6, 6:3, 6:2
39. Titel, Federer gewinnt 2006 Wimbledon Rafael Nadal, 6:0, 7:6, 6:7, 6:3
38. Titel in Hamburg 2006 Tomas Berdych, 6:0, 6:7, 6:2
37. Titel in Miami 2006 Ivan Ljubicic, 7:6, 7:6, 7:6
36. Titel in Indian Wells 2006 James Blake, 7:5, 6:3, 6:0
35. Titel: Ein emotionaler Titel: Federer gewinnt 2006 die Australian Open Marcos Baghdatis, 5:7, 7:5, 6:0, 6:2
34. Titel in Doha 2006 Gaël Monfils, 6:3, 7:5
33. Titel in Bangkok 2005 Andy Murray, 6:3, 7:5
32. Titel: Federer gewinnt 2005 die US Open Andre Agassi, 6:3, 2:6, 7:6, 6:1
31. Titel in Cincinnati 2005 Andy Roddick, 6:3, 7:5
Federer gewinnt Wimbledon 2005, sein 30. Titel Andy Roddick, 6:2, 7:6, 6:4
29. Titel in Halle 2005 Marat Safin, 6:4, 6:7, 6:4
28. Titel in Hamburg 2005 Richard Gasquet, 6:3, 7:5, 7:6
27. Titel in Miami 2005 Rafael Nadal, 2:6, 6:7, 7:6, 6:3, 6:1
26. Titel in Indian Wells 2005 Lleyton Hewitt, 6:2, 6:4, 6:4
25. Titel in Dubai 2005 Ivan Ljubicic, 6:1, 6:7, 6:3
24. Titel in Rotterdam 2005 Ivan Ljubicic, 5:7, 7:5, 7:6
23. Titel in Doha 2005 Ivan Ljubicic, 6:3, 6:1
22. Titel in Houston 2004 Lleyton Hewitt, 6:3, 6:2
21. Titel in Bangkok 2004 Andy Roddick, 6:4, 6:0
Federer gewinnt zum ersten Mal die US Open, sein insgesamt 20. Titel Lleyton Hewitt, 6:0, 7:6, 6:0
19. Titel in Toronto 2004 Andy Roddick, 7:5, 6:3
18. Titel in Gstaad 2004 Igor Andrejev, 6:2, 6:3, 5:7, 6:3
Der zweite Wimbledon-Titel 2004: Sein insgesamt 17. Titel Andy Roddick, 4:6, 7:5, 7:6, 6:4
16. Titel in Halle 2004 Mardy Fish, 6:0, 6:3
15. Titel in Hamburg 2004 Guillermo Coria, 4:6, 6:4, 6:2, 6:3
14. Titel in Indian Wells 2004 Tim Henman, 6:3, 6:3
13. Titel in Dubai 2004 Feliciano Lopez, 4:6, 6:1, 6:2
Der erste Autralian Open-Sieg: Jahr 2004, sein 12. Titel Marat Safin, 7:6, 6:4, 6:2
11. Titel in Houston 2003 Andre Agassi, 6:3, 6:0, 6:4
10. Titel in Wien 2003 Carlos Moya, 6:3, 6:3, 6:3
Federers erster Grand Slam-Sieg: Wimbledon 2003 Mark Philippoussis, 7:6, 6:2, 7:6
8. Titel in Halle 2003 Nicolas Kiefer, 6:1, 6:3
7. Titel in München 2003 Jarkko Nieminen, 6:1, 6:4
6. Titel in Dubai 2003 Jiri Novak, 6:1, 7:6
5. Titel in Marseille 2003 Jonas Bjorkman, 6:2, 7:6
4. Titel in Wien 2002 Jiri Novak, 6:4, 6:1, 3:6, 6:4
3. Titel in Hamburg 2002 Marat Safin, 6:1, 6:3, 6:4
2. Titel in Sydney 2002 Juan Ignacio Chela, 6:3, 6:3
Roger Federers erster Titel auf der ATP-Tour, Mailand 2001 Julien Boutter, 6:4, 6:7, 6:4

103. Titel, Basel 2019 Alex De Minaur 6:2, 6:2

Keystone

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