Frauenfussball-WM
Vor der WM: Wird Plastik zum Schweizer Vorteil?

Dass die Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada auf Kunstrasen stattfindet, sorgte im Vorfeld für viel Gesprächsstoff. Nationalmannschafts-Stürmerin Ramona Bachmann hingegen sieht darin eine Chance für ihr Team.

Dean Fuss
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Die Nummer 10: Ramona Bachmann ist sowohl in der Schweizer Frauennationalmannschaft als auch bei ihrem Klub FC Rosengard eine Schlüsselfigur.

Die Nummer 10: Ramona Bachmann ist sowohl in der Schweizer Frauennationalmannschaft als auch bei ihrem Klub FC Rosengard eine Schlüsselfigur.

KEYSTONE

Es wurde von einer «diskriminierenden Entscheidung» gesprochen. «Gesundheitsgefährdend, zweitklassig» sei er. Er, das ist der Kunstrasen. Auf ihm wird die am Samstag, 6. Juni, beginnende Fussballweltmeisterschaft der Frauen in Kanada stattfinden. Und das, obwohl eine illustre Gruppe von rund 60 Spielerinnen um die ehemaligen Weltfussballerinnen Nadine Angerer (Deutschlands Torhüterin) und Abby Wambach (US-Stürmerin) sogar mit einer juristischen Klage dagegen gekämpft hatte.

Es gab und gibt aber auch Spielerinnen, die gegen den Strom schwimmen und sich keineswegs an der Plastikunterlage stören. Eine davon ist die Schweizer Stürmerin Ramona Bachmann: «Ich fand es immer gut, dass die WM ausschliesslich auf Kunstrasen stattfinden wird», sagt die 24-Jährige. Sie kennt das Spiel auf Kunstrasen bestens. In der schwedischen Liga, in der sie seit 2007 engagiert ist, wird häufig auf dem künstlichen Grün gespielt. «Ich fühle mich darauf sehr wohl. Gerade technisch starken und schnellen Spielerinnen wie mir kommt das entgegen.» Dasselbe gelte auch für das Schweizer Nationalteam als Gesamtes. Für das Team von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg und seine Spielweise könnte der umstrittene Belag damit sogar zu einem Vorteil werden.

An der Seite der Besten

Bereits im Alter von 16 Jahren zog es Bachmann bereits vor acht Jahren ins Ausland. Die Schweizer Ausnahmekönnerin wurde vom schwedischen Klub Umea IK verpflichtet, wo sie zusammen mit Marta, der fünffachen Weltfussballerin aus Brasilien, sogleich zwei Meistertitel feiern konnte. Nach einem knapp zwölfmonatigen Abstecher in die USA zu Atlanta Beat kehrte Bachmann Ende 2010 nach Umea zurück. Seit Sommer 2011 spielt Bachmann für den FC Rosengard, mit dem sie bereits drei Meistertitel feiern konnte. Seit der vergangenen Saison stürmt sie auch wieder Seite an Seite mit Marta, die ebenfalls zum FC Rosengard gewechselt hat. «Ramona ist eine grossartige Sportlerin. Schon als wir uns bei Umea kennen lernten hat man ihre Qualitäten gesehen. Sie ist jedes Jahr reifer geworden und erlebt zweifellos ihre beste Phase», sagte die Brasilianerin vor ein paar Monaten gegenüber der SRF-Sendung «sportpanorama».

Die Stürmerin Ramona Bachmann.
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Ramona Bachmann (Mitte) im Training der Schweizer Nationalmannschaft.
Ramona Bachmann (2.v.l) im Training der Schweizer Nationalmannschaft.
Ramona Bachmann (Mitte) ist im Schweizer Frauenfussball ein Star.
Ramona Bachmann (am Ball) im Training der Schweizer Nationalmannschaft.

Die Stürmerin Ramona Bachmann.

Keystone

Im Jahr 2013 wurde sie zur Fussballerin des Jahres in der schwedischen Damallsvenskan gewählt – unter den Nominierten war auch Marta. Das unterstreicht, dass die Lobeshymnen, die auf ihre Person geschrieben werden, nicht einfach aus dem Nichts kommen. «Ich kann meinen Kindheitstraum leben. Für nichts auf der Welt würde ich das hergeben», sagt Bachmann, die stets selbstbewusst aber niemals überheblich wirkt.

Im Nationalteam spielt Bachmann seit 2007. Wie im Klub ist sie auch da eine Schlüsselspielerin. Sie hat grossen Anteil daran, dass die Schweiz vor allem für ihre starke Offensivabteilung immer wieder gelobt wird. 33 Tore in 61 Spielen für ihr Land hat die gerade einmal 1,62 Meter grosse Bachmann bisher erzielt. Nicht getroffen hat sie vergangene Woche bei der 1:3-Niederlage im Länderspiel gegen Deutschland. Ausgetragen wurde diese Partie im Badener Stadion Esp – auf einem Kunstrasenplatz. Dass der umstrittene Belag in der Schweizer Equipe gar nicht gross thematisiert wird, zeugt vom neuen Selbstvertrauen. Dieses hat sich das Team seit dem Amtsantritt von Voss-Tecklenburg mit starken Leistungen angeeignet.

Der Sturm hat sich gelegt

Mittlerweile hat sich zähneknirschend auch die rebellierende Gruppe von Spielerinnen mit der WM auf Kunstrasen abgefunden: Angerer, Wambach und Co. haben ihre Klage im Januar «im Sinne des Sports» zurückgezogen. Immerhin: Der grosse Druck, den die Spielerinnen mit ihrem Gang vor den Gerichtshof für Menschenrechte im kanadischen Toronto aufgebaut haben, scheint seine Wirkung auf lange Frist nicht zu verfehlen: Fifa-Generalsekretär Jérome Valcke sicherte zumindest bereits zu, dass die in vier Jahren in Frankreich stattfindende Frauen-WM 2019 in jedem Fall wieder auf echtem Grün gespielt werde. Vorerst dominiert in den kommenden Wochen aber Plastik.

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