Vor dem Playoffstart
Nur eine Serie ist klar: Zug gewinnt gegen Bern – acht Fragen und Antworten zu den acht Playoff-Teilnehmern

Vor dem Playoffstart dreht sich alles um den Viertelfinal zwischen Qualifikationssieger Zug und Meister Bern. Doch wie präsentiert sich die Ausgangslage bei den anderen Teams?

Klaus Zaugg
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Es werden umkämpfte Spiele erwartet: Der Zuger Carl Klingberg (Mitte) in der Qualifikationspartie gegen Biel.

Es werden umkämpfte Spiele erwartet: Der Zuger Carl Klingberg (Mitte) in der Qualifikationspartie gegen Biel.

Urs Flüeler/Keystone

Am Dienstagabend beginnen im Schweizer Eishockey die Playoffs. Acht Fragen und Antworten zu den acht Teilnehmern.

Zug (1.): Haben die Zuger einen Bern-Komplex?

Nein. Die Zuger waren 2017 und 2019 im Final gegen Bern chancenlos. Diese Vergangenheit ist etwas für SCB-Romantiker und SCB-Nostalgiker. Zugs Trainer Dan Tangnes und die Spieler interessiert sie hingegen nicht. Nie zuvor war Bern in einer Playoffserie ein so krasser Aussenseiter – und nie zuvor war Rekord-Qualifikationssieger Zug in einem Viertelfinal so klarer Favorit.

Berns Trainer Mario Kogler

Berns Trainer Mario Kogler

Martin Meienberger/Freshfocus

Bern (8.): Mario Kogler wie Lars Leuenberger?

Nein. 2016 holt Lars Leuenberger, den ausserhalb von Bern als Trainer niemand ernst nimmt, vom achten Platz aus mit dem SCB den Titel – und muss trotzdem gehen.

Mario Kogler, den ausserhalb von Bern als Trainer niemand ernst nimmt, startet ebenfalls vom achten Platz aus in die Playoffs und auch er muss Ende Saison gehen. Er ist so gut wie Lars Leuenberger. Aber der SC Bern ist 2021 drei Nummern kleiner als 2016.

Lugano (2.): Käme Lugano ein Scheitern gelegen?

Ja. Das mag eine ungeheuerliche These sein. Aber wenn Trainer Serge Pelletier mit seinem Team den Halbfinal oder gar den Final erreicht, dann wird es schwierig zu erklären, warum sein Vertrag nicht verlängert wird. Bei einem Scheitern gegen Rapperswil-Jona wäre es hingegen kein Problem, die Zusammenarbeit mit dem eingebürgerten Kanadier zu beenden – und Chris McSorley als neuen Cheftrainer willkommen zu heissen.

Melvin Nyffeler, Torhüter von Rapperswil-Jona

Melvin Nyffeler, Torhüter von Rapperswil-Jona

Claudio De Capitani/Freshfocus

Rapperswil (7.): Erstmals seit 2006 im Halbfinal?

Ja. Erst ein Mal hat Rapperswil-Jona den Viertelfinal überstanden: 2006 kippten die St.Galler Zug aus dem Wettbewerb (4:3) und verloren den Halbfinal gegen Davos (1:4). Nun ist es Zeit für den zweiten Halbfinal. Lugano ist eigentlich Favorit. Aber diese Serie werden die Goalies entscheiden. Ist Melvin Nyffeler so heiss wie in den Pre-Playoffs gegen Biel, dann ist Rapperswil im Halbfinal.

Fribourg (3.): Ist DiDomenico ein meisterlicher Leitwolf?

Nein. Mit Chris DiDomenico erreichte Langnau 2019 auf Platz sechs den Viertelfinal. Nun landeten die Langnauer ohne DiDomenico auf dem letzten Platz. Dafür hat sich Fribourg mit dem Kanadier vom siebten auf den dritten Platz verbessert. Ist er gar ein meisterlicher Leitwolf? Nein. Wenn es mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow nicht gereicht hat, dann reicht es auch mit DiDomenico nicht zum Titel.

Servette (6.): Das beste Servette aller Zeiten?

Ja. Servette hat zwar schon zweimal (2008 gegen die ZSC Lions und 2010 gegen Bern) den Final verloren. Aber 2021 spielt Servette spektakulär wie nie und hat mit Gauthier Descloux den besten frankophonen Torhüter seit Olivier Anken. Anken war Meister mit Biel. Gauthier Meister mit Servette? Das sind Träumereien. Wir wissen noch nicht einmal, ob es gegen Gottéron reicht.

Craig MacTavish, Lausanne-Trainer

Craig MacTavish, Lausanne-Trainer

Patrick Straub/Freshfocus

Lausanne (4.): Muss MacTavish schon im Viertelfinal gehen?

Ja. Die Geschichte ist verbürgt: General Manager Petr Svoboda hat John Fust, den Assistenten von Craig MacTavish, ins Büro bestellt und angewiesen, sich für eine Übernahme bereitzumachen. Spätestens nach der zweiten Niederlage gegen die ZSC Lions wird Trainer MacTavish gefeuert und durch Fust ersetzt. Aber in diesem Falle würde auch ein Trainerwechsel nichts mehr nützen.

ZSC Lions (5.): Scheitert der ZSC am Goalie-Problem?

Nein. Lukas Flüeler ist inzwischen zwar kein Meistergoalie mehr und Ludovic Waeber ist noch kein Meistergoalie. Aber das Team ist so ausgeglichen besetzt, defensiv so gut organisiert, wird so vortrefflich gecoacht und Sven Andrighetto ist ein so charismatischer Leitwolf, dass der Viertelfinal gegen Lausanne auch mit durchschnittlichen Torhüterleistungen gewonnen werden kann. Aber der Halbfinal nicht mehr.