Kommentar
Veröffentlichung des Garcia-Reports: Die Fifa agiert im Schützengraben

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
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Die Fifa ist in der Defensive.

Die Fifa ist in der Defensive.

Keystone

Egal, ob ein Spiel in Zukunft 90 oder nur noch 60 Minuten dauern wird, Fussball bleibt auch neben dem Platz ein Dauerbrenner. Dafür sorgt der Weltverband in den letzten Wochen mit höchster Zuverlässigkeit. Und die Fifa agiert dabei vornehmlich aus dem Schützengraben – stets damit beschäftigt, auf Ereignisse zu reagieren.

So auch im jüngsten Fall, dem sogenannten Garcia-Report. Die deutsche Zeitung «Bild» erhält diesen brisanten und drei Jahre unter Verschluss gehaltenen Untersuchungsbericht über die WM-Vergaben 2018 und 2022 zugespielt, die Fifa reagiert mit der sofortigen Veröffentlichung inklusive aller Namen und Details. Der Fussballverband verhält sich dabei nicht zum ersten Mal ziemlich stümperhaft. Im Communique tritt die Fifa unnötig gegen die abgewählten Ethikwächter Borbély und Eckert nach und tut so, als wäre dieser Report ohne dieses Duo schon längst öffentlich. Das ist weder souverän noch stimmt es.

Es ist das letzte Beispiel einer Reihe von Reaktionen, die letztlich nicht zu einem der Transparenz und Aufgeschlossenheit verpflichteten Unternehmen passen. Dass die Fifa vor wenigen Tagen – ebenfalls nach einem Zeitungsbericht – die Untersuchung gegen dopingverdächtige russische Fussballer bestätigte, geschah reichlich spät. Verschiedene Sportverbände vermeldeten ihre Fälle bereits im letzten Dezember. Sie erhielten die Unterlagen der Weltantidopingagentur gleichzeitig wie die Fifa.

Auch die Informationen bei der Nicht-Berücksichtigung von Borbély und Eckert beim Kongress sowie der Reinwaschung von Präsident Gianni Infantino von allen Ethikuntersuchungen vor wenigen Tagen kamen – gelinde gesagt – ziemlich holprig daher und helfen nicht, Vertrauen aufzubauen. Wandel sieht nun mal anders aus, gerade auch in Sachen Kommunikation.

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