U21-Europameisterschaft
Was für ein Ausrufezeichen: Schweiz schlägt zum Start Titelfavorit England

Die Schweizer U21-Nationalmannschaft schlägt zum Start der Europameisterschaft England mit 1:0. Der Auftritt macht Lust auf mehr.

Raphael Gutzwiller
Drucken
Grosser Jubel bei der Schweiz: Sieg gegen England.

Grosser Jubel bei der Schweiz: Sieg gegen England.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Ein bisschen Glück ist mit dabei bei der entscheidenden Aktion des Spiels. Dan Ndoye rutscht bei seinem Abschluss aus, der Ball klatscht an sein Standbein und fliegt von dort in hohem Bogen über England-Keeper Ramsdale hinweg in die Maschen. Es ist der goldene Treffer der Schweiz, der zum 1:0-Sieg gegen England führt. So glücklich der Treffer ist, so verdient ist der Erfolg für die beeindruckend auftretenden Schweizer.

Dan Ndoye (vorne) jubelt über seinen Siegtreffer.

Dan Ndoye (vorne) jubelt über seinen Siegtreffer.

Marko Lukunic / PIXSELL/freshfocus

Zehn Jahre ist es her, seit die Schweiz letztmals an einer U21-Europameisterschaft mit dabei war. Damals hatte die Generation um Shaqiri, Xhaka und Sommer den EM-Final erreicht. Dass ähnliches auch mit der neuen Generation möglich ist, zeigt sie beim ersten Auftritt an dieser Endrunde. Der Sieg gegen England, das vor dem Turnier noch als Topfavorit auf den Titel gehandelt wurde, ist die erste Überraschung dieser Equipe, deren Teamgeist in allen Aktionen zu spüren ist. «Dass wir eine solche Solidarität auf dem Platz zeigen können, ist grossartig», sagt U21-Nationaltrainer Mauro Lustrinelli.

Der Teamgeist zeichnet die Schweizer U21 aus.

Der Teamgeist zeichnet die Schweizer U21 aus.

Marko Lukunic / PIXSELL/freshfocus

Tatsächlich ist es eine solidarische und beeindruckende Teamleistung, die zum Sieg gegen England führt, das vor dem Turnier noch als Topfavorit auf den Titel galt. Der Schweiz reicht zum Erfolg ein konzentrierter und fokussierter Auftritt. Es ist kein Offensivfeuerwerk, welches das U21-Nationalteam an diesem Nachmittag zündet. Andere Qualitäten sind gegen England gefragt. Gegen die Equipe mit den hochgelobten Talenten wie Hudson-Odoi von Chelsea oder Nketiah von Arsenal geniesst die Defensive Priorität. Zuweilen steht die Schweiz tief in der eigenen Hälfte, um bei einer Balleroberung durch vertikale Zuspiele den kürzesten Weg zum Tor zu finden.

35 Prozent Ballbesitz, aber die besseren Chancen

Und so hat die Schweiz, obwohl sie nur auf 35 Prozent Ballbesitz kommt, die besseren Torchancen. Als Andi Zeqiri in der Start-Viertelstunde alleine vor dem Tor an England-Goalie Ramsdale scheitert und nach der Pause Bastien Toma den Pfosten trifft, könnte man denken, dass sich das rächen wird. Nicht so die Schweizer. «Wir haben gewusst, dass wir dieses Spiel gewinnen können», sagt Lustrinelli. «Unsere Mentalität war entscheidend.»

Die überraschende, aber richtige Wahl von Trainer Lustrinelli

Einer der Besten bei der Schweizer: Alexandre Jankewitz (rechts).

Einer der Besten bei der Schweizer: Alexandre Jankewitz (rechts).

Marko Lukunic / PIXSELL/freshfocus

Sinnbildlich für die starke Mentalität der Schweizer steht Alexandre Jankewitz. Der 19-Jährige, der bei Southampton spielt, ist das ideale Pendant der physisch starken Engländer. Er erobert viele Bälle und trifft meist die richtige Entscheidung. Die hat auch Lustrinelli getroffen, als er sich überraschend für Jankewitz entschieden hat in der Startelf. Auf Jankewitz angesprochen, lächelt Lustrinelli und sagt: «Ich will keine einzelnen Spieler loben. Alle haben super gespielt.»

Die Schweizer U21 hat sich mit dem Startsieg im slowenischen Koper ein tolle Ausgangslage geschaffen, in der Hammergruppe mit England, Portugal und Kroatien zu bestehen. Der Erfolg macht viel Lust auf mehr.

Telegramm

England – Schweiz 0:1 (0:0)

Tor: 77. Ndoye 0:1

England: Ramsdale; Aarons, Godfrey, Guehi, Kelly; Davies (66. Jones), Skipp; Hudson-Odoi, Smith-Rowe (66. Eze), McNeil (76. Ryan Sessegnon); Nketiah (76. Brewster).

Schweiz: Racioppi; Lotomba, Bamert, Zesiger, Muheim; Toma (85. Rüegg), Domgjoni, Jankewitz, Ndoye (79. Mambimi); Guillemenot (65. Imeri), Zeqiri.

Bemerkungen: 50. Pfostenschuss Toma.

Gelbe Karten: 60. Guehi (Foul). 63. Bamert (Foul). 83. Hudson-Odoi (unangemeldet zurück auf den Platz). 84. Jankewitz (Ballwegschlagen). Skipp (Foul).

Aktuelle Nachrichten