Europameisterschaft
Vor dem U21-Spiel Schweiz-England: Hudson-Odoi, Baku, Moukoko, Trincão und Zeqiri – das sind die Stars von morgen

An der U21-Europameisterschaft präsentieren sich die künftigen Fussballstars im Schaufenster. Erstmals seit zehn Jahren sind auch die Schweizer mit dabei. Diese Namen sollten Sie sich merken. Beim Spiel Schweiz-England am Donnerstag könnte auch ein Schweizer brillieren.

Raphael Gutzwiller
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Callum Hudson-Odoi (England, Chelsea)

Callum Hudson-Odoi strahlt vor der U21-Europameisterschaft.

Callum Hudson-Odoi strahlt vor der U21-Europameisterschaft.

Bild: Mike Egerton/ Imago

Callum Hudson-Odoi bringt alles mit für einen modernen Offensivspieler: pfeilschnell, dribbelstark, abschlussstark. Sein Potenzial ist schnell sichtbar, mit 17 debütiert er für Chelsea, mit 18 für das A-Nationalteam.
Vermehrt sorgt er abseits des Platzes für Schlagzeilen. Zunächst wegen Wechselforderungen, später wegen zweier Verstösse gegen die Coronaregeln.

Doch seit Thomas Tuchel Chelsea-Trainer ist, zeigt der 20-Jährige, wie gut er kicken kann. Er spielt meist, überzeugt mit guten Auftritten. Darum träumte Hodson-Odoi eigentlich vom A-Nationalteam. Weitere Toptalente wie Jude Bellingham, Phil Foden oder Jadon Sancho könnten für die K.-o.-Spiele, die in einer zweiten Tranche ab Ende Mai stattfinden, nominiert werden.

Trincão (Portugal, Barcelona)

Technisch stark: Barcelonas Supertalent Trincão.

Technisch stark: Barcelonas Supertalent Trincão.

Bild: Joel Marklund/ Imago

Bester Spieler einer Junioren-EM war Trincão schon mal. Der wirblige Rechtsaussen wurde 2018 an der U19-EM Torschützenkönig und war der entscheidende Spieler auf dem Weg der Portugiesen zum Titel. Auch bei der U21 will der hochtalentierte Offensivspieler wieder auf sich aufmerksam machen.

Nach sechs Partien für das A-Nationalteam kehrt er wieder zur U21-Equipe zurück. Dort soll er mit seiner Schnelligkeit, einer überragenden Technik und Torgefährlichkeit brillieren. So richtig zeigen konnte er diese Fähigkeiten beim FC Barcelona noch nicht, nachdem er im letzten Sommer fix von Braga nach Katalonien gewechselt ist. Sein Trainer Ronald Koeman sagt trotzdem über ihn: «Er steht für die Zukunft von Barcelona.»

Portugal muss derweil auf ein weiteres Talent verzichten: Sturmjuwel Rafael Leão von Milan musste verletzt absagen.

Ridle Baku (Deutschland, Wolfsburg)

Bei Wolfsburg und in der U21-Nationalmannschaft gesetzt: Ridle Baku.

Bei Wolfsburg und in der U21-Nationalmannschaft gesetzt: Ridle Baku.

Bild: Darius Simka / Imago

Eigentlich ist Ridle Baku Rechtsverteidiger. Doch plötzlich verzückt er als Flügelspieler. Bei Wolfsburg, das derzeit auf dem dritten Rang der Bundesliga steht, ist er seit seinem Wechsel im Sommer von Mainz klarer Stammspieler, hat fünf Tore geschossen und gleich viele vorbereitet. Sein U21-Trainer Stefan Kunz sagt: «Seine grosse Stärke liegt in der Offensive.»

Beim U21-Team der Deutschen wird er gleichwohl eher als Rechtsverteidiger einrücken. Er ist der einzige Spieler des Teams, der schon Erfahrungen im A-Nationalteam sammeln konnte.

Justin Kluivert (Niederlande, Leizpig)

Justin Kluivert tritt in die Fussstapfen seines Vaters.

Justin Kluivert tritt in die Fussstapfen seines Vaters.

Bild: Christian Schroedter / Imago

Justin Kluivert tritt in riesige Fussstapfen. Sein Vater Patrick war einst der grösste aller holländischen Topstürmer. Unvergesslich, wie er im EM-Viertelfinal 2000 mit drei Toren Jugoslawien im Alleingang abschoss.

Schiesst drei Tore im EM-Viertelfinal 2000: Patrick Kluivert.

Schiesst drei Tore im EM-Viertelfinal 2000: Patrick Kluivert.

Bild: Thomas Kienzle/AP (25. Juni 2000)

Und sein Sohn? Der macht seine Sache gut, ist aber ein ganz anderer Spielertyp als der Vater. Patrick Kluivert hat in 79 Länderspielen 40 Mal getroffen, war auch bei seinen Vereinen stets der Torjäger. Justin dagegen spielt beim Bundesliga-Topteam Leipzig meist als Flügel. Er hat auch schon für das A-Nationalteam debütiert, gilt jetzt aber als Hoffnungsträger des Nachwuchsteams.

Tipps für das Turnier holt sich Justin Kluivert übrigens beim Vater. Gegenüber «Ran» sagte er: «Er wird mir sicher noch einige Informationen geben, wie man in einem solchen Turnier am erfolgreichsten ist.» Die Fussstapfen sind gross.

Andi Zeqiri (Schweiz, Brighton)

Andi Zeqiri von Brighton ist die Schweizer Offensivhoffnung.

Andi Zeqiri von Brighton ist die Schweizer Offensivhoffnung.

Bild: Paul Terry / Imago

Vom Schweizer Team kann man in der Offensive insbesondere auf Andi Zeqiri gespannt sein. In der Qualifikation hat er bei acht Einsätzen neun Mal getroffen und ist damit mitentscheidend für die beeindruckende und souveräne Qualifikation der Schweizer für die Europameisterschaft. Umso wichtiger für die Nati der Zukunft, dass er den Abwerbungsversuchen des Kosovos widerstand und weiterhin für das Schweizer Nationalteam auf Torjagd geht.

Bei Brighton braucht Zeqiri Geduld. Erst Ende Dezember debütiert er in der Liga, zuletzt wurde er immerhin vermehrt eingewechselt. Die U21-Europameisterschaft kommt für Zeqiri zum richtigen Moment: Er will mit starken Leistungen auf sich aufmerksam machen. Gerade im Startspiel gegen England.

Für ihn wird bereits das erste Duell mit England am Donnerstag speziell. Er trifft auf jenes Land, in dem er mittlerweile lebt. Nach einer beeindruckenden Saison mit dem Aufstieg in die Super League mit Stammklub Lausanne ist er zu Brighton in die grosse Premier League gewechselt. Schon als Junior hatte er einst eine Saison bei Juventus im Nachwuchs trainiert.

Youssoufa Moukoko (Deutschland, Dortmund)

Mit 16 schon Shootingstar bei Dortmund und U21-Nationalspieler: Youssoufa Moukoko.

Mit 16 schon Shootingstar bei Dortmund und U21-Nationalspieler: Youssoufa Moukoko.

Bild: Marius Becker / DPA

Superlativen gibt es für dieses Supertalent kaum eines mehr: Youssoufa Moukoko. 16 Jahre alt ist der Stürmer, er spielt schon bei Dortmund eine Rolle und ist jetzt auch der jüngste U21-Nationalspieler Deutschlands der Geschichte.

Er ist bereits der jüngste Spieler und der jüngste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Zudem ist er der jüngste je in der Champions League eingesetzte Spieler in der Champions League. Kein Wunder ist er auch an der U21-EM hauptsächlich auf der Suche nach Rekorden.

Matteo Guendouzi (Frankreich, Hertha BSC)

Spielt bei Hertha BSC: Matteo Guendouzi.

Spielt bei Hertha BSC: Matteo Guendouzi.

Bild: Annegret Hilse/DPA

Wer sich eine Partie Frankreichs an der U21-EM anschaut, wird sogleich merken, ob er auf dem Platz steht: Matteo Guendouzi. Der Mittelfeldspieler fordert jeden Ball, bietet sich immer an und versteckt sich nie. Obwohl erst 21 Jahre alt will er manchmal sogar zu viel Verantwortung übernehmen.

Bei Hertha BSC ist er dennoch einer der zentralen Spielern in der Bundesliga. Wenn Guendouzi einen guten Tag hat, dann funktioniert das Hertha-Gebilde. Wenn nicht, weniger. Mit diesem Hintergrund wird es spannend zu sehen sein, wie der Mann mit dem Lockenkopf für die U21-Nationalmannschaft aufläuft. Sein Potenzial ist zweifelslos riesig.

Bei Arsenal bestritt er einst 57 Partien in der Premier League, 17 Mal wurde er in der Europa League eingesetzt. Nach London wird er nach seiner Leihe in Berlin kaum zurückkehren.

Eddie Nketiah (England, Arsenal)

10 Spiele, 12 Tore: Die Bilanz von Eddie Nketiah in der Qualifikation ist überragend. Der Strürmer hat bei seinem Klub Arsenal zwar einen schweren Stand, ist deshalb aber besonders scharf auf die Auftritte mit dem U-Nationalteam.

In der letzten Saison ist Nketiah noch an Leeds ausgeliehen worden und war dort mitbeteiligt am Aufstieg, bei Arsenal muss er eher noch hinten anstehen. Auch er wird versuchen, das Schaufenster der U21-Europameisterschaft für sich zu nutzen.

Ibrahima Konaté (Frankreich, Leipzig)

Ibrahima Konaté im Trikot von RB Leipzig.

Ibrahima Konaté im Trikot von RB Leipzig.

Bild: Ronny Wittek/EPA

Auch für Ibrahima Konaté kommt die U21-Europameisterschaft zum genau richtigen Zeitpunkt. Lange war der hochtalentierte Innenverteidiger bei RB Leipzig gesetzt, zuletzt hatte er es aber schwieriger. Das lag insbesondere an mühsamen Verletzungsgeschichten. Bis zum letzten Sommer fiel er mit einem Muskelfaserriss aus, zuletzt machte ihm eine Sprunggelenksverletzung zu schaffen.

Dennoch ist das Talent des 21-Jährigen, der 2017 von Sochaux nach Leipzig gewechselt ist, unbestritten gross. Er brilliert als mutig spielender Verteidiger mit einer starken Spieleröffnung, ist über zwei Meter gross und enorm zweikampfstark. Trotz eher mässiger Zeit im Verein möchte er deshalb an der U21-EM zeigen, zu was er fähig ist. Konaté soll unter anderem auf dem Einkaufszettel von Real Madrid und Barcelona stehen.

Noa Lang (Niederlande, Brügge)

In der Reihe einer Liste mit Namen, die bei den ganz grossen Klubs in Europa spielen überrascht vielleicht der Name von Noa Lang, der bei Brügge sein Geld verdient. Doch der Niederländer gilt als heisses Eisen für die kommende U21-Europameisterschaft.

In 22 Spielen in der belgischen Liga war er an nicht weniger als an 19 Toren beteiligt. Kein Wunder, dass Brügge bereits die Kaufoption von sechs Millionen Euro gezogen hat. Eigentlich ist Lang bisher von Ajax ausgeliehen, wird aber wohl kaum nach Amsterdam zurückkehren. Die Kaufoption ist ein Schnäppchen: Lang ist inzwischen schon 20 Millionen Wert. Durch eine starke Europameisterschaft könnte dieser Wert weiter steigen.

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