Interview

Tina Weirather zieht nach ihrem Rücktritt Bilanz: «Meine Karriere war fast wie ein Märchen»

Lächeln nach einem der vielen guten Läufe: Tina Weirather

Lächeln nach einem der vielen guten Läufe: Tina Weirather

Tina Weirather tritt 30-jährig überraschend vom Skirennsport zurück. Die Liechtensteinerin über die Beweggründe und ihr neues Leben.

Weshalb treten Sie zurück?

Tina Weirather: Ich bin 30 Jahre alt und hatte eigentlich nie vor, länger zu fahren. Schlussendlich ging es darum, ob ich für etwas Neues bereit bin. Letztes Jahr war das nicht der Fall. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich damals im letzten Super-G nicht ausgeschieden wäre, sondern die kleine Kristallkugel geholt hätte. Aber danach war ich nochmals richtig hungrig.

Und jetzt sind Sie bereit für etwas Neues?

Ja. Ich habe jetzt 15 Jahre alles für diesen Sport gegeben und konnte mein Potenzial voll ausschöpfen. Und jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich nichts bereue. Ich denke nicht, vielleicht hätte ich dies oder jenes besser machen sollen, sondern ich habe diesen Sport intensiv gelebt und mir meine Kindheitsträume erfüllt. Darum reicht es für mich jetzt auch.

Wussten Sie schon länger, dass sie nach dieser Saison zurücktreten?

Wie gesagt, es hat sich vergangenes Jahr abgezeichnet und ich habe mich dann auf diese Saison vorbereitet, als wenn es die letzte sein könnte. Ich denke aber, es ist immer gut, wenn man sich eine Türe offen lässt. Definitiv beschlossen habe ich es erst in den letzten Tagen.

Von aussen betrachtet ist der Zeitpunkt ungewohnt. 2021 steht eine WM an, 2022 sind die Olympischen Spiele.

Warum sollte ich auf einen Kalender schauen und nicht auf das, was ich spüre? Es hätte auch nächstes Jahr Olympia sein können und ich wäre trotzdem zurückgetreten. Es ist sowieso immer irgendetwas und darum war das für mich nicht relevant.

Also war Weitermachen gar kein Thema mehr?

Als das Saisonfinale in Cortina abgesagt wurde, war das schon sehr bitter für mich. Da habe ich relativ lange überlegt, ob ich trotzdem noch ein Jahr anhänge, auch weil ich das Gefühl hatte, in dieser Saison etwas unter Wert geschlagen worden zu sein. Schlussendlich musste ich aber sagen, dass ich eine so schöne Karriere hatte. Es war fast wie ein Märchen und nur, weil das Ende nicht perfekt ist, wäre es falsch, weiterzufahren.

Nach 15 Jahren geht Ihre Karriere zu Ende. Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Sehr viel. Für mich war das eine extrem gute Schule. Der Sport lässt schnell erwachsen werden und macht auch sehr bescheiden. Solange man gesund ist und das machen kann, was man will, sollte man dies schätzen.

Nun beginnt für Sie ein neues Kapitel. Was sind Ihre Zukunftspläne?

Ich habe mir schon Gedanken über die Zukunft gemacht, aber solange ich noch Ski gefahren bin, wollte ich mich voll darauf konzentrieren. Ich habe jetzt noch keine fixen Pläne. Ich will mir auch Zeit nehmen, um alles zu verarbeiten. Denn es war ein intensiver Job, den ich 15 Jahre lang gemacht habe.

Was würde Sie denn reizen?

Ich habe viele Interessen und möchte das Netzwerk, welches ich aufgebaut habe, aufrechterhalten und nutzen. Ich will in Zukunft auch Vorträge halten und dafür bilde ich mich weiter, damit ich mich wohler fühle, vor Menschen zu sprechen.

Bleiben Sie auch dem Liechtensteiner Skisport erhalten?

Ich hoffe schon. Ich denke, dass ich schon etwas gelernt habe und es wäre schade, wenn dieses Wissen verloren geht. Aber ich könnte mir jetzt nicht vorstellen, in zwei Monaten oder so direkt als Trainerin anzufangen. Es ist mir jedoch sicher ein Anliegen, dass ich alles, was ich gelernt habe, in irgendeiner Form irgendwann weiterzugeben.

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