«Ich weiss, dass es von mir in diesen Playoffs noch mehr braucht.» Die Worte stammen von Timo Meier, dem Herisauer NHL-Stürmer der San Jose Sharks. Ausgesprochen hat er sie am Tag vor dem Start des Finals der Western Conference. Es sollte keine leere Floskel bleiben:

Meier erzielte im ersten Finalspiel zwei Tore, bereitete einen weiteren Treffer vor und führte sein Team zum 6:3-Sieg gegen die St. Louis Blues. Auch in der zweiten Begegnung in der Nacht auf Dienstag lässt sich Meier einen Assist gutschreiben. Seine Mannschaft geht aber beim 2:4 trotzdem als Verlierer vom Eis.

Dass die San Jose Sharks überhaupt im Conference-Final stehen, verdanken sie ihrer Nervenstärke. In den beiden Playoff-Runden zuvor entschieden Meier und seine Teamkollegen jeweils die entscheidende siebte Partie in der Verlängerung zu ihren Gunsten – zuerst gegen Las Vegas, dann gegen Colorado. Er selbst blieb gelassen: «Wenn ich als Zuschauer eine Verlängerung sehe, bin ich nervöser», so Meier. «Natürlich steigt der Druck, aber letztlich ist es ein Eishockeyspiel, in dem ich mein Bestes gebe.»

Schwierige Stunden nach Entscheidungsspiel

Den Grund für die starken Nerven der Kalifornier sieht Meier in der Ausgeglichenheit des Kaders. «Wir sind nicht auf eine Linie angewiesen, die das Spiel für uns entscheiden muss. Je länger eine Partie oder eine Serie dauert, desto mehr Vorteile haben wir, weil keine Linie überforciert wird», sagt der Ostschweizer.

Schwierig sind gemäss Meier die Stunden nach einem Sieg im Entscheidungsspiel. «Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt: Du fährst hoch – und am nächsten Tag stehen wir allein in der Eishalle und müssen uns auf die nächste Aufgabe konzentrieren», sagt der 22-Jährige. «Da fühlst du dich etwas leer. Man muss die Balance finden zwischen Emotionen mitnehmen und nicht abheben.»

Zweimal im siebten Spiel durch

Während die San Jose Sharks in der ersten Playoff-Runde gegen Las Vegas einen 1:3-Rückstand in der Best-of-7-Serie drehten, lagen sie gegen Colorado dreimal in Führung, mussten aber jeweils den Ausgleich hinnehmen. Meier: «Das zeigt, wie schwierig es ist, eine Serie zu entscheiden. Bist du in Rückstand, wirfst du alles rein, was du hast. Bist du vorne, musst du den nötigen Hunger und Willen haben, um dagegenzuhalten.»

Bislang haben die San Jose Sharks das bessere Ende stets für sich behalten. Vor der Saison bereits zu den Mitfavoriten gezählt, haben sie diesen Status durch ihre Auftritte untermauert. Vor allem die Art und Weise, das Abrufen der Höchstleistung im entscheidenden Moment, imponiert. «Am Ende gewinnt jenes Team, das sich in diesen Spielen nochmals steigern kann», so Meier.

Nochmal eine Spur härter

Die Partien gegen St. Louis werden für das favorisierte San Jose kein Selbstläufer. Das hat die zweite Begegnung eindrücklich gezeigt. Mit dem Team aus dem US-Bundesstaat Missouri haben es die Kalifornier mit einem Gegner zu tun, der sich in guter Verfassung befindet. «St. Louis hat in den vergangenen Wochen richtig Feuer gefangen. Es ist eine physisch starke Mannschaft, die Spiele werden nochmals eine Spur härter», sagt Meier.

Dass eine so lange Saison nicht spurlos an einem vorbeigeht, bestätigt der Stürmer: «Der Körper fängt an zu schmerzen. Du musst dir die Energie irgendwie anders holen, zum Beispiel über Adrenalin.» Von kleinen Blessuren lässt sich in den Playoffs aber kein NHL-Spieler aufhalten – vor allem nicht so kurz vor dem Finaleinzug um den Stanley Cup. «Es ist hart, aber dafür arbeiten wir die ganze Saison.

In der Regular Season haben wir unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt sind wir bereit für die ganz grossen Tests», sagt Meier, der in diesem Jahr auf die Eishockey-WM verzichten muss. Einerseits ist er eben in den NHL-Playoffs engagiert. Andererseits besitzt er noch keinen Vertrag für die kommende Saison. Klar ist: Sein Marktwert nimmt mit jedem starken Auftritt zu.