Tennis
Wawrinka: «Es gibt viele verletzende Äusserungen - auch für meine Frau»

Tennis-Star Stanislas Wawrinka geriet in die Schlagzeilen, als er sich von seiner Frau trennte. Darüber sprechen mag der Davis-Cup-Spieler nicht wirklich.

Michael Wehrle, Paris
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Stanislas Wawrinka redet gerne, aber nur über seinen Beruf. Andy Mueller/freshfocus

Stanislas Wawrinka redet gerne, aber nur über seinen Beruf. Andy Mueller/freshfocus

Stanislas Wawrinka, Sie wollten vor dem French Open wegen der Setzliste mindestens die Nummer 16 der Welt sein, nun sind Sie die 15. Zufrieden?

Stanislas Wawrinka: Ja, grundsätzlich bin ich mit meiner bisherigen Saison sehr zufrieden. Der Start im Januar war hervorragend. Bis Indian Wells habe ich ganz stark gespielt. Ich hatte dann ein kleines Tief mit Miami und den ersten zwei Sandturnieren. Doch ich habe den Eindruck, dass ich sehr gut trainiert habe, besonders auf Sand. Und dann habe ich ja zuletzt in Rom wieder ein gutes Turnier gespielt. Ich fühle mich in Form, das Selbstvertrauen ist zurück.

Was trauen Sie sich beim French Open zu?

Wawrinka: Die Resultate stimmen wieder, Roland Garros ist ein wichtiges Turnier, ein Grand Slam. Und ich weiss, dass die ersten Runden immer sehr schwierig sind. Wenn ich die überstehe, kann ich für jeden ein gefährlicher Gegner werden. Ich sage nicht, ich kann gewinnen. Aber ich kann ein sehr gutes Turnier spielen.

Warum hatten Sie ein Tief? War die klare Pleite in Indian Wells gegen Roger Federer schuld?

Wawrinka: Nein, das wars nicht. Es ist schwierig zu erklären. Es ist fast normal, ich hatte viel gespielt. In Miami war ich wirklich schlecht, in München und Madrid habe ich jeweils in drei Sätzen verloren. Das sind so Matches, da entscheiden Kleinigkeiten und die wirken sich dann aufs ganze Turnier aus. In Indian Wells habe ich mich gegen Nicolai Dawidenko durchgekämpft, dann lief es. Die ersten Runden sind immer wichtig.

Haben Sie ein Problem gegen Roger? Auch in Melbourne liefs nicht.

Wawrinka: Eigentlich nicht. Aber er spielt gegen mich immer sehr gut. Tennismässig hat er die Waffen, um mich zu schlagen. Er ändert laufend den Rhythmus, bringt mich aus dem Spiel. Wir kennen uns gut, er hat den Vorteil der Erfahrung. Es sind viele Sachen, die den Unterschied machen.

Sind Sie gegen ihn nervöser, als gegen andere?

Wawrinka: Je nachdem. Das ist bei jedem Match verschieden, egal gegen wen.

Sind Sie gegen ihn etwas blockiert?

Wawrinka: Vielleicht, das ist möglich. Das sind so die kleinen Sachen, doch eigentlich nicht entscheidend. Aber ich kann nicht ausblenden, dass mir ein Mann gegenübersteht, zu dem ich eine besondere Beziehung habe.

Sie haben beim US Open Andy Murray rausgeworfen, hat das etwas verändert?

Wawrinka: Ja, dieser Sieg hat mir viel geholfen. Das war wie ein Schlüsselmatch, einen Spieler der Top vier zu schlagen, der als Favorit auf den Titel galt und sehr gut in Form war. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Das hat mich befreit.

Sie arbeiten nun fast ein Jahr mit Peter Lundgren als Trainer. Was hat das gebracht?

Wawrinka: Er hat viel Erfahrung eingebracht, er ist schon lange dabei. Wir arbeiten immer noch am Aufschlag und an der Vorhand. Dazu kommen viele kleine Details. Es läuft sehr gut, die Fortschritte sind sichtbar.

Sie sind solider geworden, liegt es an Lundgren?

Wawrinka: Nicht unbedingt. Eine Karriere ist wie ein Puzzle. Alles muss zusammenpassen. Und ein Stück kommt zum anderen. Die Basis habe ich vor der Arbeit mit Peter gelegt, mit Dimitri Zavialoff.

Sie sagten mal, Sie hätten kein Talent, wie kann so jemand eine solche Rückhand spielen, wohl die beste auf der Tour?

Wawrinka: Nun, was ich damit sagen wollte, war, dass ich immer dafür arbeiten musste. Es flog mir nicht einfach zu, wie anderen, den Elf-, Zwölfjährigen, die ich heute sehe, die drauflos spielen, ohne etwas tun zu müssen. Wenn ich die Chance bekomme, an etwas zu arbeiten, mache ich auch schnell Fortschritte. Aber das heisst für mich: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Diese Beharrlichkeit ist mein Talent.

Fehlt diese Beharrlichkeit den Schweizer Talenten?

Wawrinka: Das ist wohl so. Im Moment kommt ja niemand nach. Ich bin 26, Roger ist 29, Chiudinelli 30, Bohli 27. Es ist schade, wir haben keine 20-Jährigen, keine 18-Jährigen.

Arbeiten Sie zu wenig?

Wawrinka: Das behaupte ich nicht. Aber die Mentalität in der Schweiz ist nun mal so. Wir haben ein sehr gutes Land, in dem die Eltern normalerweise keine existenziellen Probleme haben. Da führt man einfach ein korrektes Leben, muss sich nicht unbedingt durchbeissen. Ich weiss aber nicht, ob das die Gründe sind. Vielleicht fehlt der Biss, sich als Profi ein besseres Leben zu ermöglichen.

Sie sprechen nie über Ihr Privatleben. Warum?

Wawrinka: Diese Wahl habe ich für mich getroffen. Ich bin als Tennisspieler bekannt, darüber rede ich. Mein Privatleben geht niemanden etwas an.

Es gibt also keine Homestorys?

Wawrinka: Nein, ich spreche gerne über meine Resultate, den Davis-Cup oder ähnliche Dinge, aber nicht über mein Privatleben.

Sie führen zwei Leben: als Tennisprofi und privat?

Wawrinka: Genau. Ich vermische das nie, nicht in Gedanken, nicht in Zeitungen. Ich bin Profi, dazu gehören die Presse und die Fans, das mache ich gerne. Danach aber bin ich Privatmann, nur für mich.

Journalisten schreiben aber auch über Ihr Privatleben, lesen Sie das, über die Trennung von Ihrer Frau?

Wawrinka: Ja, ich kann das ja nicht ausblenden, ich muss das halt erdulden, weil ich nicht darüber rede. Aber es ist erschreckend, was Leute sich für ein Urteil anmassen, die von gewissen Dingen keine Ahnung haben. Da gibt es sehr verletzende Äusserungen, auch für meine Frau Ilham. Es wurde spekuliert, wegen unseres Altersunterschiedes habe sie mir ein Kind angehängt. Das ist totaler Quatsch.

Haben Sie noch Kontakt zu Ilham?

Wawrinka: Ja, der ist sogar sehr gut.

Sehen Sie sich und auch Ihre Tochter Alexia?

Wawrinka: Klar, sehr oft. In dieser Sache läuft alles sehr gut.

Haben Sie nun eine neue Freundin?

Wawrinka: Nein.

Dann stimmt die Geschichte mit der ATP-Angestellten nicht?

Wawrinka: Überhaupt nicht.

Sind die Top Ten wieder ein Ziel?

Wawrinka: Ja klar. Vor der Saison waren es ja die Top 16, nun möchte ich wieder unter die besten zehn. Ich fühle mich physisch, mental und tennismässig in Form, also versuche ich es.

Warum sind die Top Ten so speziell?

Wawrinka: Das ist nun mal die Zahl, von der jeder spricht. Nicht von den Top acht. Als ich diesen Sprung vor drei Jahren zum ersten Mal geschafft habe, dachte ich, das ist ja unglaublich. Und das kann schnell wieder passieren, wenn ich nun ein sehr gutes Turnier spiele.

Sie haben René Stammbach, dem Präsidenten von Swiss Tennis, versprochen, immer Davis-Cup zu spielen. Weshalb?

Wawrinka: Als Kind habe ich den Davis-Cup mit Begeisterung verfolgt. Ich spiele für ein Team, für die Schweiz, das ist toll. Das hat schon etwas Magisches. Dazu kommen die Ambiance, die Fans. Ich habe im Moment die Klasse, da mitzuspielen, also nutze ich sie. Ich verstehe Spieler nicht, die darauf verzichten. Allerdings gilt das nicht für Roger. Der spielt auf einem anderen Niveau, bei den Grand Slams immer bis zum Schluss. Es ist für mich schon schwierig genug mit dem vollen Kalender, bei ihm gehts wohl nicht anders. Aber ich hoffe natürlich, dass er jetzt oft dabei ist.

Können Sie mit ihm den Davis-Cup gewinnen?

Wawrinka: Das ist die alte Frage. Wir sind sicher als Team gefährlich. Doch der Davis-Cup dauert lange, es gibt starke Gegner.

Im Davis-Cup sind die Fans Klasse. Doch fehlt es in der Schweiz nicht ein bisschen an der Anerkennung der Leistungen?

Wawrinka: Die Schweizer sind verwöhnt, durch Spieler wie Martina Hingis und Roger. Sie nehmen Topleistungen sehr gleichgültig auf, die Leute haben das Mass verloren. Und wenn Roger mal verliert, zum Beispiel im Frühjahr 2009 in den USA, reden sie gleich sein Ende herbei. Nachher gewann er Paris und Wimbledon. Aber das ist wohl ein Teil der Schweiz.

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