Man stelle sich vor, Roger Federer defiliert am berühmten Karnevalumzug in Rio de Janeiro inmitten leichtbekleideter, mit Federn und Glitzern geschmückten Sambatänzerinnen – oder stülpt sich gleich selber ein Federkostüm über und tanzt im «sambódromo» mit ihnen mit. Davon träumt jedenfalls die Samba-Gruppe «Unidos da Tijuca». Schon im Oktober berichtete die brasilianische Zeitung O Globo, dass die Gruppe Federer für ihre Show gewinnen wolle. Sie hätten auch beim Schweizer Konsulat in Rio um Unterstützung gebeten. Dieses habe Roger Federer dann auch eine offizielle Einladung geschickt.

Seit Samstag befindet sich die Samba-Gruppe nun in der Schweiz, auf Einladung von «Schweiz Tourismus». «‹Unidos da Tijuca› wird das Engadiner Skigebiet Corviglia, die Luzerner und Basler Fasnacht sowie das Zürcher Nachtleben kennenlernen», schreibt «Schweiz Tourismus» in einer Mitteilung. Das Sujet der Samba-Gruppe für den diesjährigen Karneval sei nämlich die Schweiz. Und um diese auch korrekt darstellen zu können, sollte man auch einmal in der Schweiz gewesen sein.

Über das Vorhaben, Roger Federer zu engagieren, fällt in der Mitteilung aber kein Wort. Auf Anfrage bestätigt «Präsenz Schweiz», die Landeskommunikation des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), dass ein Treffen mit Federer in der Schweiz-Tournee der Samba-Gruppe nicht vorgesehen ist. Dennoch schrieb die Journalistin Cleo Guimarães von «O Globo» am Montag voller Begeisterung, die «Unidos da Tijuca» werde am 15. Januar in Basel auftreten, «mit der erhabenen Präsenz des Schweizer Tenisspielers Roger Federer im Publikum».

Federer äusserte den Wunsch, den Karneval kennenzulernen

Auch wenn Federer während einer Promo-Tour in Brasilien im Dezember 2012 seinen Wunsch geäussert hatte, einmal den Karneval in Rio de Janeiro miterleben zu können: Es schaut eher danach aus, als ob dieser Wunsch – zumindest in diesem Jahr – nicht verwirklicht wird. So schreibt auch das brasilianische Online-Newsportal Uol, die Chancen, dass Federer am Karneval auftritt, stünden gleich Null. Der 17-fache Grand-Slam-Gewinner habe nämlich seine Teilnahme am ATP-500-Turnier in Dubai bestätigt. Dieses beginnt am 23. Februar, nur eine Woche nach dem Karneval in Rio.

Damit wird am Karnevalumzug der «Unidos da Tijuca» das Tüpfelchen auf dem «i» fehlen. Im September hatte die Samba-Gruppe beschlossen, am Karneval die Schweiz zu ihrem Thema zu machen. Dies an Gedenken an Clóvis Bornay, der Sohn eines Schweizer Juwelliers war und als schillernde Figur in der brasilianischen Karnevalgeschichte gilt, besonders was die Kreation der Kostüme anbelangt.

«Die Lieder, Kostüme, Fahnen und riesigen Umzugswagen von ‹Unidos da Tijuca› werden ganz im Sujet ‹Suíça› (Schweiz) gestaltet sein», schreibt «Präsenz Schweiz» in der Mitteilung. Sie unterstütze die Samba-Gruppe bei der Gestaltung. Neben Klischees sollen den Brasilianern auch weniger bekannte Aspekte der Schweiz wie etwa der Pilatus-Drachen oder das Genfer Forschungszentrum Cern präsentiert werden. Auffallend ist auch die Anzahl Schweizer Firmen, die die Samba-Schule dieses Jahr sponsern: Nestlé, Novartis, Syngenta, Victorinox und die UBS werden gemäss «Schweiz Tourismus» rund 30 Prozent des Produktions-Budget für das Defilee der «Unidos da Tijuca» decken.

Das Ziel der Investition sei, im strategischen Wachstumsmarkt Brasilien ein positives und modernes Image der Schweiz zu verbreiten und die Brasilianer für Winterferien in der Schweiz anzulocken. «2013 generierten brasilianische Gäste über 200'000 Hotellogiernächte in der Schweiz – doppelt so viele wie 2005», schreibt «Schweiz Tourismus», die noch zusätzliche 100'000 potentielle Wintersportbegeisterte in Brasilien wittert.