Tennis

Plötzlich machte es klick: Mit Freude in die zweite Karriere

Timea Bacsinszky

Timea Bacsinszky

Timea Bacsinszky steht beim French Open nach dem 6:1, 6:4 gegen Marina Sanewska in der zweiten Runde. Vor einem Jahr wollte sie noch mit Tennisspielen aufhören.

Mit drei Jahren begann Timea Bacsinszky Tennis zu spielen. Mutter Suzanne, eine Zahnärztin, und Vater Igor, ein Tennislehrer, stammen aus Ungarn und fanden in Lausanne eine neue Heimat. Timea war ein Talent, der Vater förderte und forderte. Mit 15 Jahren wurde sie Profi. Als 16-Jährige stürmte sie 2006 in Zürich in die Viertelfinals. Im Oktober 2009 gewann sie in Luxemburg ihren einzigen Titel auf WTA-Stufe. Mitte 2010 war sie die Nummer 37 der Welt.

Ein halbes Jahr später begann ihre Leidenszeit mit einer Knöchelverletzung. 2012 probierte sie es wieder, war aber nicht fit, weitere Verletzungen plagten sie. «2013 suchte ich einen Psychologen auf, weil vieles aus meiner Kindheit hochkam wie: Ist es wirklich mein Traum zu spielen oder nicht? Ich musste viele Dinge verarbeiten oder verstehen», erzählte sie.

Schon 2005 hatte sie den Kontakt zu ihrem Vater abgebrochen. Sie stellte sich Fragen: «Warum komme ich in Turnieren nie über einen gewissen Punkt hinaus? Warum schaffe ich es nicht, jeden Tag Energie ins Tennis zu stecken?»

So habe sie entschieden, die Karriere abzubrechen und die Hotelfachschule zu absolvieren. Während sie sich mit einem Praktikum darauf vorbereitete, kam ein E-Mail aus Paris, sie sei in der Qualifikation fürs French Open dabei. «Ich war wie geschockt, hatte ja lange nicht gespielt, entschied mich aber, nach Paris zu fahren», sagte sie. «Während der Fahrt machte es klick, ich verstand plötzlich alles.» Sie realisierte, nur sie sei für ihr Leben verantwortlich, sie entscheide alleine, niemand anders habe das Recht dazu.

Sie habe Dimitri Zavialoff, den ehemaligen Trainer von Stanislas Wawrinka, angerufen und gefragt, ob er mit ihr arbeiten wolle. «Ja, ich glaube an dich», habe dieser gesagt. Und so stehe sie nun in Paris in der zweiten Runde. Auf Platz 285 startete sie ins Jahr, im nächsten Ranking taucht sie unter den Top 100 auf.

«Tennis macht mir so viel Freude wie noch nie», sagte sie. Die Tennisspielerin und die Privatperson seien nun eins. Kurzfristige Ziele habe sie keine. «Aber meine Karriere ist noch lang, ich werde in zwei Wochen erst 24», sagte sie.

Ohne grosse Arbeit habe sie es bin in die Top 40 gebracht. «Jetzt will ich sehen, was mit Freude und viel Arbeit möglich ist. Ich habe Potenzial», sagte sie. «Mein Spiel, meine Persönlichkeit stehen nun im Vordergrund, bis 15 habe ich mich ja immer nur an Martina Hingis orientiert.»

Sie habe gelernt zu investieren, auch wenn das Geld nicht sofort zurückkomme. Etwas Geld habe sie schon noch aus ihren guten Zeiten, die Mutter helfe ihr sehr.

42 000 Euro hat sie bisher in Paris verdient. Ob es noch mehr wird, ist fraglich, die nächste Hürde ist hoch, die Spanierin Carla Suarez Navarro ist die Weltnummer 15.

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