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Oprandi: «Ich wollte noch ein einigermassen gutes Leben führen»

Bereit für einen neuen Lebensabschnitt: Romina Oprandi im Sportcenter Thalmatt in Herrenschwanden, das sie neu führen wird

Bereit für einen neuen Lebensabschnitt: Romina Oprandi im Sportcenter Thalmatt in Herrenschwanden, das sie neu führen wird

Mit der 34-jährigen Bernerin Romina Oprandi tritt eine schillernde Persönlichkeit von der grossen Tennisbühne ab. Unzählige Verletzungen und Operationen prägen ihre Karriere.

Die 16. Operation war am Ende eine zu viel. Nachdem sich Romina Oprandi im letzten Oktober nochmals am Handgelenk hatten operieren lassen, fehlte am Ende die Überzeugung für ein erneutes Comeback. "Ich musste mich entscheiden, ob ich in Zukunft noch ein einigermassen gutes Leben führen will oder ob ich, deutsch gesagt, am Arsch bin", erklärt die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA in gewohnt direkten Worten. Stattdessen hat sie mit ihrer Partnerin die Firma oro sport GmbH gegründet, die seit dieser Woche im Handelsregister eingetragen ist und mit der sie die Führung des Sportzentrums Thalmatt in Herrenschwanden bei Bern übernommen hat.

Die Folgen einer langen und immer wieder von Verletzungen unterbrochenen Tenniskarriere begleiten Oprandi auch im Alltag. Die rechte Schulter hat nur noch zehn Prozent der normalen Bewegungsfreiheit. "Es hat angefangen, mich zu stören, dass ich im Alltag extrem aufpassen musste, nichts Falsches zu machen", betont die Bernerin. "Ich musste immer mit der Angst leben, dass etwas schief gehen könnte. Das Vertrauen in den Körper ist einfach nicht mehr da."

Dennoch blickt Oprandi ohne Bitterkeit zurück. "Ich bedaure nicht viel", sagt sie. "Unter diesen Voraussetzungen habe ich das Maximum herausgeholt." Gerne erinnert sie sich an den Sieg im Fed Cup 2006 mit dem italienischen Team, obwohl sie im Final nicht zum Einsatz kam. Oder an den Erfolg 2011 in 's-Hertogenbosch gegen die damalige Weltnummer 2 Kim Clijsters. Überhaupt sagt sie: "Die vielen Reisen und Erfahrungen, die ich machte, sind schöne Erinnerungen."

"Schweiz oder Italien? Bern!"

Zu den schönen Erinnerungen gehört auch der Fed Cup 2013 in Bern, als sie gegen Belgien für die Schweiz debütierte und beide Einzel gewann. Der Entscheid zwischen Italien und der Schweiz fiel dem grossen Fan des HC Davos nie einfach. Auf die Frage, als was sie sich eher fühle, antwortet sie lachend und ohne zu überlegen: "Als Bernerin! Ich fühle mich mit Italien schon sehr verbunden, aber in Bern sind meine Wurzeln."

Lange Jahre hatte sie ein schwieriges Verhältnis zum Schweizer Tennisverband. "Ich spürte nie genug Unterstützung, obwohl ich immer die beste Juniorin meines Jahrgangs war", erinnert sich Oprandi, die allerdings auch nicht immer pflegeleicht war. "Italien hat sich viel mehr um mich bemüht." Umso dankbarer ist sie ihren Eltern und ihrem Bruder, die sie während der ganzen Karriere entscheidend unterstützten.

"Ab und zu hatte ich sicher auch ein wenig Pech", gibt Oprandi zu. Zum Beispiel im Frühjahr 2013, als sie bis auf Platz 32 der Weltrangliste vorstiess. "Da hat mir ein Physiotherapeut vor dem French Open die Bänder in der rechten Schulter abgerissen." Roland Garros brachte der Bernerin, die auf Sandplätzen eigentlich ihr bestes Tennis spielte, nie Glück. Bei fünf Teilnahmen resultierte kein einziger Sieg. Die 3. Runde am Australian Open 2012 war der Höhepunkt ihrer Grand-Slam-Karriere.

Einige Erfahrungen kommen ihr nun zugute: Oprandi kennt harte Arbeit und ist es sich gewohnt, "nie konkrete und fixe Pläne" machen zu können. Das dürfte beim Start ins Berufsleben helfen, wenn das Sportcenter wegen des Coronavirus noch geschlossen bleiben muss. Die administrativen Arbeiten erledigen sie und ihre Partnerin gemeinsam, daneben ist Oprandi als Leiterin der Tennisschule, als diplomierte Personaltrainerin sowie Ernährungsberaterin engagiert. Die Fragen, die sie sich auch stellt: Haben die Leute wieder Freude am Sport? Haben sie noch Geld, um sich das zu leisten? Oprandi bleibt aber "sehr positiv" eingestellt. "Wenn du es gerne machst, ist es auch egal, wenn du viel arbeiten musst", sagt sie. Im Tennis war dies zuletzt nicht mehr der Fall.

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