ATP Montreal

Nadal floppt gegen Teenager – die grosse Chance für Federer auf die Nummer 1

Sensation am Masters-1000-Turnier in Montreal: Rafael Nadal verliert gegen den kanadischen Teenager Denis Shapovalov und wird am Montag nicht die neue Nummer 1. Das eröffnet Roger Federer grosse Möglichkeiten. Der Maestro hat den Viertelfinaleinzug geschafft.

Nadal hätte mindestens den Halbfinal erreichen müssen, um Andy Murray an der Spitze der Weltrangliste abzulösen. Der 18-jährige Shapovalov, letztes Jahr Juniorensieger in Wimbledon und aktuell die Nummer 143 der Welt, gewann einen Krimi in zweidreiviertel Stunden 3:6, 6:4, 7:6 (7:4).

Denis Shapovalov schockt Rafa Nadal.

Denis Shapovalov schockt Rafa Nadal.

Nun winkt Roger Federer die grosse Chance, sich mit dem Turniersieg in Montreal in eine ausgezeichnete Position zu bringen, um in einer Woche seinerseits wieder die Nummer 1 zu werden. Er spielt seinen Viertelfinal heute Freitag gegen Roberto Bautista Agut gegen 20.30 Uhr Schweizer Zeit. Mit Federer und Alexander Zverev erreichten nur zwei Top-Ten-Spieler die Viertelfinals.

Federer qualifizierte sich nach schwachem Start in drei Sätzen für die Viertelfinals. Er gewann in knapp zwei Stunden 4:6, 6:4, 6:2 gegen David Ferrer.

Fehleranfälliger Federer

Federer agierte ungewohnt fehlerhaft und zeigte seine Unzufriedenheit immer wieder deutlich. Am Ende rang er den zähen Spanier aber nieder. Mit zunehmender Dauer fand der Schweizer besser zu seinem Spiel. Im dritten Satz gelang ihm gleich im ersten Game das Break, von dem sich der ehemalige Top-5-Spieler Ferrer nicht mehr erholte. Letztlich gewann der Spanier im 17. Duell mit Federer lediglich seinen sechsten Satz, nicht aber erstmals den Match.

So viel Mühe wie am Donnerstagabend bekundete Federer aber noch selten. Erst zum zweiten Mal überhaupt entschied der Spanier den ersten Satz für sich - und er tat dies mit viel Hilfe des Schweizers. Ferrer, der einer von nur vier aktiven Spielern (neben Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic) mit mehr als 700 Siegen auf ATP-Level ist, führte nach einem Break zum 3:1 mit 5:2, ehe Federer nochmals herankam. Bei eigenem Aufschlag gab der 36-jährige Basler den Satz mit einem Vorhand-Fehler aber dennoch ab.

Auch im zweiten Satz blieb er fehlerhaft und gab ein erstes Break mit einem von vier Doppelfehlern gleich wieder aus der Hand. Der ein Jahr jüngere Ferrer, der nach Verletzungen nur noch die Nummer 33 der Welt ist, konnte davon aber nicht profitieren. Federer gelang zum 3:2 erneut ein Break, das er bis zum Ende verteidigte. Deutliches Zeichen der nicht optimalen Tagesform: Als er bei 5:4 zum Satz servierte, musste Federer nochmals zwei Breakchancen abwehren. Er tat dies mit zwei Aufschlagpunkten aber sehr souverän.

Mit 47 unerzwungenen Fehlern - fast gleichmässig auf Vor- und Rückhand verteilt - gelang Federer für einmal keine Gala , obwohl die Bedingungen ideal waren. "Ich hatte Mühe, von der Grundlinie einen Rhythmus zu finden", erklärte er. "Und David konnte mir auf meinen zweiten Aufschlag weh tun." Man fühle sich nicht an jedem Tag gleich gut, stellte Federer nach seinem 33. Sieg im 35. Spiel in diesem Jahr fest. Am Ende sei ein solcher Erfolg nach einem Rückstand aber auch sehr befriedigend.

Nadal floppt im dritten Satz

In seiner Partie zeigte Rafael Nadal im dritten Satz überraschend Nerven. Er verpasste sämtliche sechs Breakmöglichkeiten, während der in Israel geborene Shapovalov zu keiner einzigen Chance kam. Im Tiebreak führte der 13 Jahre ältere Spanier 3:0, gewann dann aber nur noch einen der letzten acht Punkte. Beim Matchball brillierte der Kanadier, wie Nadal Linkshänder, mit einem seiner vielen Vorhand-Winner. Insgesamt schlug der 49 direkte Gewinnpunkte, gegenüber 18 seines Gegners.

Der hochtalentierte Shapovalov, dessen Eltern in den Grossraum Toronto auswanderten, als er weniger als ein Jahr alt war, verblüffte auch mit seiner Hartnäckigkeit. Nachdem er bis zum 3:3 im ersten Satz gut mitgehalten hatte, schien alles seinen erwarteten Lauf zu nehmen, als Nadal innert weniger Minuten auf 6:3 davonzog. Der junge Kanadier liess sich jedoch nicht abschütteln und verdiente sich letztlich den Sieg, weil er mutiger spielte als der zu passive Spanier.

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