Niederlage beim Comeback
Mysterium Novak Djokovic: «Unerklärlich, das ist ein Desaster»

Novak Djokovic verliert bei seinem Comeback nach zweimonatiger Pause in Indian Wells gegen den Japaner Taro Daniel (ATP 109). Sein Formstand gibt weiter Rätsel auf. Auch ihm selber.

Simon Häring
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Novak Djokovic: Ratlos, rastlos, erfolglos.

Novak Djokovic: Ratlos, rastlos, erfolglos.

Keystone

Am Ende, als die desolate Darbietung Geschichte war, ging er wieder zu den grossen Gesten über. Ein Lächeln, eine herzliche Umarmung, ein Klopfen auf die Brust seines Bezwingers. Er hatte sie vermisst, diese Bühne. Doch irgendwie wirkte es befremdlich. Es war kein Final, sein Gegner nicht ein Roger Federer oder Rafael Nadal. Sondern der Japaner Taro Daniel, 25-jährig, die Nummer 109 der Tenniswelt, ein Qualifikant, der in diesem Jahr noch sieglos war.

Nachdem er sich in der Muttenzer Rennbahnklinik einem Eingriff am Ellbogen unterzogen hatte, sollte alles besser werden. Doch es wurde: noch schlimmer. Das Mysterium Novak Djokovic, einst die Nummer eins der Tennis-Welt, 12-facher Grand-Slam-Sieger, wird immer grösser. Im Startsatz verspielte der Serbe eine 5:3-Führung, im zweiten Durchgang fast eine 5:2-Führung. Und im dritten Satz wirkte er nur noch wie ein Schatten seiner selbst.

Ein Gefühl wie beim ersten Mal

«Es fühlte sich an wie der erste Match überhaupt», resümierte Djokovic. Und so sah es bisweilen auch aus. Es war nicht so, dass Daniel diesen einen Tag seines Lebens einzog. Vielmehr profitierte er von einer Darbietung Djokovics, die Fragen aufwirft. 61 unerzwungene Fehler unterliefen ihm. Fünf Mal hatte er in Indian Wells gewonnen. Nun schied er erstmals seit 2006 bei seinem ersten Auftritt aus. «Unerklärlich, das ist ein Desaster» gab er zu.

Taro Daniel feierte seinen grössten Sieg.

Taro Daniel feierte seinen grössten Sieg.

Keystone

Und doch erkannte Djokovic Gründe für Optimismus. Nicht in seinem Spiel, sondern daran, dass er überhaupt habe spielen können. «Vor fünf sechs Wochen hätte ich das nicht erwartet. Ich hatte keinerlei Erwartungen», resümierte er. Doch wer weiss, wie dieser Djokovic, ein Athlet vor dem Herrn, ein verbissener Kämpfer, in seinen besten Tagen spielte, stellt sich unweigerlich die Frage, wie viel Ernst und wie viel Verblendung in dieser Aussage steckte.

Der Ellbogen, der ihm seit Monaten Schmerzen bereitet hatte und ihn im letzten Sommer dazu bewog, die Saison nach Wimbledon zu beenden, mag eine Erklärung sein. Aber der Kern des Übels steckt wohl vielmehr dort, wo ein Tennisspiel entschieden wird: zwischen den Ohren, im Kopf - Djokovic grübelt. «Es ist, wie es ist. Gott stellt einem immer Prüfungen Alles, was im Leben passiert, hat seinen Grund», sinnierte er. Es wirkte so, als tappe er selber im Dunkeln.

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