ATP Antwerpen

Der neue Andy Murray macht einen weiteren Schritt vorwärts

Andy Murray wird von seinen Emotionen übermannt

Andy Murray wird von seinen Emotionen übermannt

Andy Murray verblüfft in Antwerpen mit seinem ersten Turniersieg mit künstlicher Hüfte. Es ist der bisherige Höhepunkt eines rasanten Comebacks.

Nach dem gewonnenen Matchball liessen sich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Andy Murray war kurze Zeit von seinen Emotionen überwältigt, verbarg sein Gesicht in den Händen und liess womöglich in der beschränkten Intimität die letzten Monate Revue passieren, den beeindruckenden Weg von seinem Beinahe-Rücktritt bis in diesen Final von Antwerpen gegen den ebenfalls lange Zeit verletzungsgeplagten Stan Wawrinka.

"Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel. Die letzten Jahre waren extrem schwierig", sagte Murray. Vom Sommer 2017 bis Anfang 2019 machte ihm seine Hüfte das Leben schwer. Die Verletzung hatte nicht nur Auswirkungen auf sein Spiel, sondern auch auf seinen Alltag. Das Laufen fiel ihm schwer, das Autofahren war mit Schmerzen verbunden. Eine erste Operation brachte keine Besserung. 2018 bestritt er nur zwölf Partien.

Als der Schotte im letzten Januar nach Melbourne reiste, glich das Ganze einer Abschieds-Vorstellung. Nach seinem Erstrunden-Out beim Australian Open wurde auf dem Grossbildschirm des Stadions ein Abschiedsvideo mit liebevollen Nachrichten von Kollegen eingespielt. Noch im selben Monat wurde Murray eine künstliche Hüfte eingesetzt. Das war vor weniger als neun Monaten.

Das Comeback, das niemand so wirklich erwartet hatte, kam nicht nur zustande, es verlief auch noch rasant. Zwei Monate nach seiner Operation schlug er daheim in Oxshott, rund eine Autostunde von London entfernt, wieder Bälle gegen eine Wand. Weitere drei Monate später bestritt und gewann er mit Feliciano Lopez das Doppelturnier beim Rasenturnier von Queen's. Mitte August kehrte der Schotte in Cincinnati gegen Richard Gasquet auch im Einzel auf die Tour zurück. 15 Partien später kam er zum Turniersieg in Antwerpen.

"Viel optimistischer als zuvor"

"Es ist einer meiner grössten Siege", urteilte Murray, der in den letzten knapp 15 Jahren zweimal Olympia-Gold und 46 Titel auf der ATP-Tour gewonnen hat, darunter zweimal Wimbledon und einmal das US Open. 41 Wochen lang war der 32-Jährige die Nummer 1 der Welt, am Montag ist er im ATP-Ranking auf Platz 127 vorgestossen. Dank dem ersten Turniersieg seit März 2017 in Dubai machte er 116 Ränge gut.

"Ich werde nun etwas mehr über meine Zukunft reden müssen", blickte Murray voraus. "Ich bin sicherlich viel optimistischer als zuvor. In den letzten Wochen hatte ich mir zum Ziel gesetzt, von den anderen nicht demontiert zu werden." Von Turniersiegen sei nie die Rede gewesen.

Das Tennisjahr ist für Murray fast vorbei, nur die Finalwoche im Davis Cup dürfte er noch bestreiten. Dafür wartet daheim Arbeit. Seine Ehefrau Kim ist schwanger. "Wir bekommen ein drittes Baby, was drei Kinder unter 4 Jahren macht", erzählte der Brite. "Während ich in den letzten zwei Jahren vom Tennis weg war, ist meine Familie grösser geworden." Es sei vielleicht an der Zeit, wieder mehr unterwegs zu sein. Im nächsten Jahr ist die erste Station Australien mit dem ATP Cup und dem Australian Open.

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