Fussball

Tabubruch für das Fairplay: Im Aargau gibt es weltweit erstmals Werbung auf Schiedsrichtertrikots

Weltneuheit inklusive: Regierungsrat Alex Hürzeler eröffnet die 2. Liga-Saison feierlich.

Weltneuheit inklusive: Regierungsrat Alex Hürzeler eröffnet die 2. Liga-Saison feierlich.

Der AFV präsentiert in Frick eine Weltneuheit: Zum ersten Mal auf der Welt trägt ein Schiedsrichter Werbung in grösserem Umfang auf dem Trikot. Doch der Grund ist nicht Raffgier: Damit soll das Budget für die Fairplay-Prämien für die Vereine erhöht werden.

Der Aargauische Fussballverband (AFV) hat sich Mühe gegeben. Auf der Sportanlage Ebnet in Frick findet eigentlich nur ein normaler Saisonstart der regionalen 2. Liga statt. Doch dieses Mal ist es anders. Spanholz-Tische, in weisses Kleid gehüllt, wenn auch dieses aus Plastik und mit Werbung bedruckt ist, stehen neben dem Platz. Den Kneipen-Stehtischen daneben wurde ein blaues Stofftuch verpasst, darauf stehen Frischkäse-Schnittchen. Um die Tische herum versammeln sich die Vereinspräsidenten der Aargauer Fussballvereine. Auf dem Platz wärmen sich die Amateure des FC Frick und des FC Mutschellen auf, daneben wird professionelles Videoequipment vor einer Sponsorenwand in Stellung gebracht.

Der AFV bereitet sich auf den Promi-Empfang vor.

Der AFV bereitet sich auf den Promi-Empfang vor.

Ganz viel Tamtam für ein Fussballspiel der sechsthöchsten Liga. In der Medieneinladung wurden eine «Weltneuheit» und Prominenz versprochen. Ein VIP trifft dann auch ein: Als Einziger im Anzug ist Regierungsrat und Sportminister Alex Hürzeler zu Gast. Auch er muss sich aber zunächst gedulden, bevor Argovia-Sportreporter und Stadionspeaker ad interim Roland Kündig das Geheimnis um die Weltneuheit lüftet: Der Schiedsrichterverantwortliche und Vizepräsident des AFV, Luigi Ponte, zieht langsam ein rotes Schiedsrichtertrikot aus einer Tasche. Auf dem Bauch: Europcar-Werbung. Zum ersten Mal wird ein Schiedsrichter im Fussball mit Trikotwerbung auflaufen, die grösser ist, als ein kleines Emblem, wie es zum Beispiel Bundesliga-Schiedsrichter tragen.

Luigi Ponte (rechts) und Roland Kündig präsentieren das neue Trikot.

Luigi Ponte (rechts) und Roland Kündig präsentieren das neue Trikot.

Niemand weiss von nichts

Was bisher weder der Fifa, noch einem nationalen Fussballverband in den Sinn kam, tut der kleine Regionalverband aus dem Aargau. Für den Tabubruch erhält der Verband rund 20 000 Franken, wie Geschäftsführer Hannes Hurter sagt. Doch der AFV ist nicht auf das Geld aus. Die Aktion dient einem hehren Zweck und ist Teil der Fairplay-Initiative «spielt fair» des Verbandes. Dabei werden schon seit einigen Jahren Vereine finanziell belohnt, die sich wenige Platzverweise und Gelbe Karten leisten. Deshalb kommt auch der FC Frick zur Ehre, das erste Saisonspiel austragen zu dürfen. Der Verein hat in der letzten Saison 2000 Franken erhalten, weil er der fairste im Aargau war. Künftig werden sich dieser und andere Fairplay-Beiträge verdoppeln. So fliessen die gesamten Werbeeinnahmen in die Vereine.

«Wir wollen hier etwas Revolutionäres machen. In anderen Sportarten ist diese Werbung bereits normal.», sagt Hurter. «Wir brechen jetzt hier ein Tabu und schauen, wie es ankommt.» Die Aktion dürfte Wellen schlagen. Sicherheitshalber haben die Aargauer weder den Schweizer Fussballverband noch die Fifa um Erlaubnis gefragt, wie Luigi Ponte sagt. Der frühere Fifa-Linienrichter ist der Vater des Projekts. Seit Jahren macht er mit Innovationen im Schiedsrichter-Bereich von sich reden. «Vor zwei Jahren hatte ich die Idee und ging auf Sponsorensuche», erzählt Ponte. «Die Fifa sagt eigentlich Nein zu Werbung auf Schiedsrichter-Trikots, aber etwas Offizielles oder Schriftliches gibt es nicht. Sie haben gedacht, dass das sowieso keiner macht.» Manchmal müsse man einfach den Mut zu unkonventionellen Aktionen haben. Ponte sagt: «Ich bin gespannt, wie der SFV reagiert.» Der Verband könne es verbieten, aber dann müsste er das Verbot auch begründen. Doch: «In der Schweiz ist alles möglich.»

Regierungsrat Alex Hürzeler (rechts) im Gespräch.

Regierungsrat Alex Hürzeler (rechts) im Gespräch.

Hürzeler als Befürworter

Sportminister Alex Hürzeler, der die Saison mit einem symbolischen Anstoss eröffnete, findet lobende Worte für die Aktion. «Ich finde das Fairplay-Thema sehr stark. Der Fussball hat eben auch Nebenerscheinungen, die unschön sind. Deshalb ist es gut, dass sie die Themen Respekt und Fairplay aufnehmen. Die Werbung auf den Trikots hilft schlussendlich dem Fussball.»

Benjamin Eisenring, 22 Jahre alt, trug als erster Schiedsrichter die Werbung auf dem Trikot. «Wenn mehr Fairplay herrscht, hilft das uns als Schiedsrichtern. Deshalb finde ich die Aktion positiv», sagt er. Doch am ersten Abend brachte die neue Fairplay-Initiative wenig überraschend noch nicht den erhofften Effekt. Das Spiel, das Frick schliesslich mit 4:3 gewann, war emotionsgeladen. Unter den Augen des höchsten Aargauer Schiedsrichters entfuhr es einem Zuschauer: «Huere Sauerei!»

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