Super League
Chronologie des Schreckens: Was beim FC Basel in den letzten vier Jahren alles passiert ist

Im Sommer 2017 war die Welt noch in Ordnung. Der FCB gewann das Double und schien für die Konkurrenz auf Jahre uneinholbar. Doch dann kam der Besitzerwechsel und die bis heute ungebremste Talfahrt des Klubs begann. Gefangen in der Abwärtsspirale.

Esteban Waid, Jakob Weber und Céline Feller
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2017: «Fischer-Abgang, Delgado-Rücktritt, Champions-League-Erfolge»

7. April 2017: Das neue Konzept des FC Basel wird vorgestellt

Massimo Ceccaroni, Bernhard Burgener, Marco Streller und Alex Frei bilden die neue Führung beim FC Basel.

Massimo Ceccaroni, Bernhard Burgener, Marco Streller und Alex Frei bilden die neue Führung beim FC Basel.

Keystone

In einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung wird die neue Führung des FCB gewählt, die ab Sommer ihre Arbeit aufnehmen soll. Das Konzept des neuen Präsidenten Bernhard Burgener lautet: «Für immer Rot-Blau.» Dabei soll auf junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs gesetzt werden. Marco Streller, der Sportdirektor in spe, sagt an der Pressekonferenz nach der Versammlung, einen Satz, der ihn noch heute verfolgt: «Im Moment ist der Abstand zu den Young Boys so gross, dass man dieses Risiko mit jungen Spielern eingehen kann.» Er sollte sich damit gewaltig täuschen.

Sommer 2017: Die Trennung von Urs Fischer

Wenige Tage nach der Bekanntgabe, dass der Vertrag nicht verlängert wird, stehen Urs Fischer und der FC Basel als Schweizer Meister fest. Später gewinnt der FCB auch noch den Cup. Das Double und der zweite Stern für den 20. Meistertitel werden mit einem Cortège in der Stadt gefeiert.

Wenige Tage nach der Bekanntgabe, dass der Vertrag nicht verlängert wird, stehen Urs Fischer und der FC Basel als Schweizer Meister fest. Später gewinnt der FCB auch noch den Cup. Das Double und der zweite Stern für den 20. Meistertitel werden mit einem Cortège in der Stadt gefeiert.

Philipp Schmidli

Der FC Basel ist auf dem besten Wege, die achte Meisterschaft in Folge zu gewinnen. Im Cup steht der Klub im Finale. Trotzdem gibt der Verein frühzeitig bekannt, dass der erfolgreiche aber nie wirklich geliebte Trainer Urs Fischer seinen Posten im Sommer räumen muss.

Dieser Personalentscheid ist Teil des Komplett-Umbruchs. Die neue sportliche Führung um Präsident Bernhard Burgener und Sportdirektor Marco Streller will einen Neuanfang. «Die Verantwortlichen sind zum Schluss gekommen, dass sie für die Umsetzung ihres Konzepts <Für immer Rot-Blau> im Rahmen des anstehenden Umbruchs auch Akzente auf der wichtigen Position des Trainers setzen wollen», so der FCB in seiner Mitteilung. Wenige Wochen später gibt der Klub bekannt, dass U21-Trainer Raphael Wicky den Cheftrainer-Posten übernehmen wird. Später kommt heraus, dass Patrick Rahmen zuvor bereits eine mündliche Zusage erhalten hatte und dann doch nicht genommen wurde.

Juli 2017: Der plötzliche Rücktritt von Matías Delgado

Unter Tränen erklärt Matías Delgado bei einer Pressekonferenz seinen Rücktritt.

Unter Tränen erklärt Matías Delgado bei einer Pressekonferenz seinen Rücktritt.

Keystone

Es ist ein Schock für die Basler Fans. Erst steht Kapitän Matías Delgado gegen Luzern nicht im Kader. Aus persönlichen Gründen, heisst es von Vereinsseite. Nach dem Spiel dann die Nachricht: Delgado tritt per sofort zurück. «Der FC Basel ist ein Klub, den ich liebe, den ich respektiere, aber ich fühle mich nicht mehr zu 100 Prozent in Topform, um den FCB weiterzubringen», so Delgado an der folgenden Pressekonferenz.

Dezember 2017: Die beste Champions-League-Kampagne der Geschichte

Michael Lang und Blas Riveros bejubeln das fünfte Tor gegen Benfica Lissabon beim legendären 5:0-Heimsieg. Im Achtelfinale scheidet Basel gegen Manchester City aus, gewinnt aber das Rückspiel.

Michael Lang und Blas Riveros bejubeln das fünfte Tor gegen Benfica Lissabon beim legendären 5:0-Heimsieg. Im Achtelfinale scheidet Basel gegen Manchester City aus, gewinnt aber das Rückspiel.

Freshfocus

5:0 gegen Benfica Lissabon, 1:0 zu Hause gegen Manchester United. Der FC Basel liefert in der Champions League mehrere Glanzleistungen ab. Am Ende ist im Achtelfinale zwar gegen Manchester City Schluss. Es bleibt aber der beste internationale Auftritt der Klubgeschichte mit denkwürdigen Sternen-Nächten.

Die Highlights des 5:0-Erfolgs gegen Benfica Lissabon.

Youtube

2018: «Erste Proteste, Wicky-Entlassung, Spieler-Aufstand»

Februar 2018: Die Fanproteste gegen E-Sports

Die Muttenzerkurve protestiert mit Banner und Rauchbomben gegen das E-Sport-Projekt beim FCB.

Die Muttenzerkurve protestiert mit Banner und Rauchbomben gegen das E-Sport-Projekt beim FCB.

Keystone (04.02.2018)

2017 beschliesst der FCB, auch im E-Sport aktiv zu werden. Immer wieder protestieren Fans mit Bannern und auch Tennisbälle finden im Protest ihren Weg aufs Spielfeld. Die Fans befürchten, dass durch dieses Engagement neben dem Platz der Fussball auf dem richtigen Grün leiden könnte und protestieren unter dem Motto: «Esports dr Stegger zieh.» Der Protest geht bis heute weiter, denn der FCB beschäftigt immer noch mehrere E-Sportler.

Juni 2018: CEO Jean-Paul Brigger tritt zurück

Nach nicht einmal einem Jahr legt Jean-Paul Brigger seinen Posten nieder.

Nach nicht einmal einem Jahr legt Jean-Paul Brigger seinen Posten nieder.

Freshfocus

Der Walliser Jean-Paul Briger war Teil der neuen Führungsriege beim FCB, die im Sommer 2017 ihre Arbeit aufnahm. Schon an seiner ersten GV kam es zum Eklat, als Brigger von den Vereinsmitgliedern nicht wie von Bernhard Burgener vorgeschlagen in den Vorstand gewählt wurde.

Trotzdem wurde Brigger CEO und Verwaltungsrat der AG. Doch seine genaue Rolle im Klub war nie wirklich klar. Was macht eigentlich Brigger?, fragte sich irgendwann ganz Basel. So war es wenig überraschend, dass der Ex-Fifa-Mann nach nicht einmal einem Jahr seine Ämter niederlegte. Die Entscheidung kam auf eigenen Wunsch, die genauen Gründe blieben unbekannt.

Juli 2018: Die Entlassung von Raphael Wicky

Bei der Saisonvorschau sitzen die drei Verantwortlichen noch gemeinsam da. Wenige Wochen später muss Raphael Wicky seinen Posten räumen.

Bei der Saisonvorschau sitzen die drei Verantwortlichen noch gemeinsam da. Wenige Wochen später muss Raphael Wicky seinen Posten räumen.

Keystone (18.07.2018)

Der Neuanfang ist gehörig gescheitert. Der entthronte Serienmeister FC Basel muss sich im Sommer anschauen, wie die Berner Young Boys den Meisterpokal in die Höhe strecken. Erst stellt sich die Klubführung hinter Trainer Raphael Wicky. Der Saisonstart geht aber in die Hose. Niederlagen in der Saisonvorbereitung, eine 1:2-Heimniederlage gegen St.Gallen zum Saisonauftakt und eine Pleite gegen PAOK Saloniki in der Champions-League-Quali bedeuten das Aus für Wicky.

U18-Trainer Alex Frei ist die Interimslösung, später übernimmt Marcel Koller den heissen Stuhl beim FC Basel. Es ist auch die Abkehr vom Konzept, auf junge, regionale Spieler zu setzen.

September 2018: Das historische Debakel in Bern

Was die Anzeigetafel im Stade de Suisse anzeigt, ist ein Schock für jeden FCB-Fan.

Was die Anzeigetafel im Stade de Suisse anzeigt, ist ein Schock für jeden FCB-Fan.

Keystone (23.09.2018)

Sportlich geht die Talfahrt des FC Basel weiter. Nach der Niederlage in der Champions-League-Qualifikation verliert der FCB auch in den Europa-League-Playoffs gegen Apollon Limassol. Nach 14 Jahren nimmt Rot-Blau erstmals nicht an einer internationalen Gruppenphase teil. Der vorläufige Tiefpunkt der sportlichen Talfahrt ist eine 1:7-Klatsche gegen den amtierenden Meister YB, das die Basler im Stade de Suisse regelrecht demütigt.

Dezember 2018: Spieler-Aufstand gegen Koller

Via Blick erfuhr die Öffentlichkeit vom «Spieleraufstand» gegen Marcel Koller.

Via Blick erfuhr die Öffentlichkeit vom «Spieleraufstand» gegen Marcel Koller.

Screenshot/Blick

Erst das 1:7 gegen YB, dann geht auch noch das Rückspiel mit 1:3 verloren. Die Berner enteilen dem FC Basel in der Tabelle. Derweil beschwert sich die Mannschaft bei Bernhard Burgener über die distanzierte Art von Marcel Koller. Aber es bringt nichts: Marcel Koller bleibt weiter Trainer beim FCB, weil er sein Endspiel gegen den FCZ gewinnt und die Probleme zwischen Mannschaft und Trainer ausgeräumt werden.

2019: «Indien, Cup-Sieg und Sommer-Theater»

Februar 2019: Der Einstieg bei Chennai City

Das Protestbanner am Joggeli. Eine Form des Widerstands, an der sich die Fans noch öfter bedienen werden.

Das Protestbanner am Joggeli. Eine Form des Widerstands, an der sich die Fans noch öfter bedienen werden.

jaw

Am 6. Februar 2019 bestätigt der FC Basel Medienberichte, dass die FC Basel Holding AG beim indischen Klub Chennai City FC einsteigen wird. Die AG von Präsident Bernhard Burgener beteiligt sich für knapp eine Million Franken mit 26 Prozent an dem vermeintlichen Traditionsklub mit dem Ziel der gemeinsamen Ausbildung von Talenten und eines Scoutings. Bei den Fans sorgt das für Unmut. Sie sehen die ideellen Ziele des Klubs verfehlt und beobachten ein weiteres Abweichen vom sportlichen Kerngeschäft. Die Kurve bleibt aus Protest eine Halbzeit lang leer.

19. Mai 2019: Der FCB gewinnt den Cup

Valentin Stocker stemmt den Pokal in den Berner Nachmittags-Himmel.

Valentin Stocker stemmt den Pokal in den Berner Nachmittags-Himmel.

Keystone (19.05.2019)

Es läuft nicht alles schlecht in der Koller-Ära. Der FC Basel gewinnt den Cupfinal gegen den FC Thun mit 2:1. Albian Ajeti und Fabian Frei schiessen Rot-Blau zum 13. Cupsieg der Vereinsgeschichte. Ein Titel, der die sportliche Talfahrt in der Folge zu lange kaschiert.

Juni 2019: Das Sommer-Theater mit Streller, Koller und Rahmen

Erst steht Marcel Koller vor dem Abflug, am Ende ist es aber Marco Streller, der den Hut nimmt.

Erst steht Marcel Koller vor dem Abflug, am Ende ist es aber Marco Streller, der den Hut nimmt.

Keystone

Der FCB versinkt im Juni 2019 völlig im Chaos. Erst heisst es, der FCB verhandle mit Patrick Rahmen vom FC Aarau über die Nachfolge Marcel Kollers. Später wird der Sportchef Marco Streller aber von Bernhard Burgener und Roland Heri übergangen und Marcel Koller bleibt doch.

Der desavouierte Streller zieht die Konsequenzen und tritt zurück. Um das Chaos perfekt zu machen, vollführt Bernhard Burgener einen Alleingang, indem er im «Sonntags-Blick» bekanntgibt, warum Marcel Koller bleibt, obwohl der Verein darüber in einer später angesetzten Medienkonferenz informieren wollte.

September 2019: David Degen kauft sich beim FCB ein

Vom ehemaligen Spieler zum Anteilseigner: David Degen kauft sich für zwei Millionen beim FC Basel ein.

Vom ehemaligen Spieler zum Anteilseigner: David Degen kauft sich für zwei Millionen beim FC Basel ein.

Keystone (20.03.2016)

Für zwei Millionen kauft sich David Degen beim FC Basel ein und erhält dafür einen Aktienanteil von 10 Prozent an der FC Basel Holding AG. 82 Prozent der Anteile gehören immer noch Burgener, der Rest gehört kleinen Anlegern. Mit dem Einstieg gibt der ehemalige FCB-Spieler und Bundesligaprofi seine Tätigkeit als Spielerberater auf. In der anschliessenden Medienrunde wird der gerne aufbrausende Degen von CEO Roland Heri begleitet, der immer wieder einschreitet, wenn sich Degen auf heikles Terrain begibt.

2020: «Lohnstreit, EL-Finalturnier, GV-Trubel und Sforza-Missverständnis»

März 2020: Ein Glanzlicht in der Europa League

Im leeren Frankfurter Stadion bejubelt der FC Basel am Ende einen 3:0-Sieg. Wenig später steht der Fussball in Europa still.

Im leeren Frankfurter Stadion bejubelt der FC Basel am Ende einen 3:0-Sieg. Wenig später steht der Fussball in Europa still.

Armando Babani / EPA

Auch unter Marcel Koller zeigt der FCB gute Leistungen auf der internationalen Bühne. In Frankfurt gewinnt der FCB das Achtelfinal-Hinspiel mit 3:0. Fünf Monate und einen Lockdown später gewinnt Rot-Blau auch das Rückspiel mit 1:0. Der FCB ist unter den besten Acht der Europa League und reist zum Finalturnier nach Deutschland. Im Viertelfinale ist dann aber gegen Schachtar Donezk Schluss.

April 2020: Der Streit um den Gehaltsverzicht

Wie Fabian Frei äussert sich die gesamte Mannschaft des FC Basel über ihre sozialen Kanäle.

Wie Fabian Frei äussert sich die gesamte Mannschaft des FC Basel über ihre sozialen Kanäle.

Instagram/@fabianfrei20

Die Coronapandemie grassiert in Europa und der Fussball steht still. Weil das finanziell für viele Vereine zu einer Herkulesaufgabe wird, wird auch beim FCB ein Lohnverzicht der Spieler diskutiert. In einem spätabendlichen E-Mail wirft die Klubführung den Spielern plötzlich vor, dazu nicht bereit zu sein. «Der 1. Mannschaft wurde vorgeschlagen, vorläufig auf 17,5% des Jahreslohnes zu verzichten. Dies entspricht in den Monaten April, Mai und Juni 2020, in denen der Spielbetrieb voraussichtlich nicht oder nicht in gewohntem Masse durchgeführt werden kann, einem Lohnverzicht von 70%. Der Vorschlag der Geschäftsleitung wurde in einer ersten Stellungnahme abgelehnt», heisst er darin.

Auf diesen Alleingang reagieren die Spieler mit einem Alleingang, indem sie sich über die sozialen Medien an die Öffentlichkeit wenden und die Vorwürfe entschieden zurückweisen. Die Kommunikationshoheit hat der Klub vollständig verloren.

April 2020: Percy van Lierop und die gekündigten Jugendtrainer

Percy van Lierop ist seit Januar 2020 der Nachwuchschef der FCB.

Percy van Lierop ist seit Januar 2020 der Nachwuchschef der FCB.

Kenneth Nars

Der FC Basel trennt sich von sechs Jugendtrainern. Fünf von ihnen werden entlassen, einem wird der Vertrag nicht weiter verlängert. Auch hier verpasst es der FCB, den nachvollziehbaren Entscheid gut zu kommunizieren. So wenden sich zuerst die enttäuschten Trainer an die Medien und lassen ihrem Unmut freien Lauf, ehe sich der FCB den nachvollziehbaren Entscheid erklären kann.

Die Nachrichten kommen mit dem Lohnverzichtsstreit und den durch die Pandemie ausgelösten Finanzproblemen zu einer Unzeit. Hinzu kommt die Verwirrung um van Lierops Amstantritt. Erst im Januar wurde der Nachwuchschef beim FCB vorgestellt, angestellt ist er aber schon seit Sommer 2019.

Juni 2020: Der FCB macht knapp 20 Millionen Verlust

Bernhard Burgeners FCB macht im Jahr 2019 fast 20 Millionen Verlust.

Bernhard Burgeners FCB macht im Jahr 2019 fast 20 Millionen Verlust.

Keystone

Der Verlust für das Geschäftsjahr 2019 ist enorm. Fast 20 Millionen verliert der FCB. Und auch die 60 Millionen Franken Reserve, die Bernhard Burgener von seinem Vorgänger Heusler übernommen hatte, sind fast aufgebraucht. Der FC Basel erklärt die Zahlen mit dem Risiko, das man eingegangen sei, indem man gute Spieler im Sinne des sportlichen Erfolgs im Winter behalten habe. Doch es steht auch fest: Noch so ein Jahr kann sich der FCB nicht leisten.

Juli 2020: Erste Berichte um den Einstieg von Centricus

Der Fanprotest geht weiter, der Graben zwischen den Anhängern und der Klubführung wird grösser.

Der Fanprotest geht weiter, der Graben zwischen den Anhängern und der Klubführung wird grösser.

Nicole Nars-Zimmer

Wie mehrere Medien im Juli 2020 berichten, hat Präsident Burgener vor, 30 Prozent der Anteile am FC Basel an den britischen Investor Centricus zu verkaufen. Die Fans sehen sich zu weiteren Protestaktionen gezwungen, weil Bernhard Burgener das Versprechen «Für immer Rot-Blau» nicht einhält. Gleichzeitig initiiert er damit auch einen Konflikt mit Mitaktionär David Degen. Zwischen Burgener und Degen, der von Burgener als Ziehsohn in die AG geholt wurde, herrscht bereits Eiszeit.

August 2020: Spieler verlassen den Verein vor Saisonende

Zahlreiche Gerüchte ranken sich um den Abgang Jonas Omlins.

Zahlreiche Gerüchte ranken sich um den Abgang Jonas Omlins.

Freshfocus

Nach dem Restart verliert der FCB mit Jonas Omlin und Kevin Bua gleich zwei Stammspieler. Dazu wird auch der Vertrag von Zdravko Kuzmanovic nicht verlängert. Pikant: Bua und Omlin verzichten auf Einsätze mit dem FCB, weil sie sich lieber nicht verletzen wollen, damit sie bei ihren neuen Klubs topfit auflaufen können. Im Nachhinein ist zu hören, dass die Spieler auch von der Klub-Führung enttäuscht waren und keine Lust mehr hatten, für den FCB zu spielen.

August 2020: Ruedi Zbinden und Alex Frei treten zurück

Ruedi Zbinden ist der vorerst letzte Sportchef beim FC Basel.

Ruedi Zbinden ist der vorerst letzte Sportchef beim FC Basel.

Keystone

Der Vertrag von Trainer Marcel Koller läuft aus. Nach einer monatelangen Hängepartie entscheiden sich Klub und Koller dazu, den Vertrag nicht zu verlängern. Eigentlich sollte U21-Trainer Alex Frei Koller beerben, Sportchef Ruedi Zbinden hatte ihm den Vertrag bereits vorgelegt. Doch wieder gibt es ein Veto von Bernhard Burgener. Die Folge ist, dass sowohl Zbinden als auch Frei hinschmeissen. Letzter bemängelt in seinem öffentlichen Kündigungsschreiben den mangelnden Respekt sowie die beim FC Basel verloren gegangenen Werte.

26. August 2020: Sforzas Parkplatz-Interview

Ciriaco Sforza wird neuer Trainer beim FC Basel und verkündigt das gleich selbst.

Ciriaco Sforza wird neuer Trainer beim FC Basel und verkündigt das gleich selbst.

Screenshot/blick.ch

Noch bevor Ciriaco Sforza nach Basel geht, um beim FCB zu unterschreiben, gibt er auf einem Wiler Parkplatz nach einem Testspiel seines Ex-Klubs ein Interview, in dem er den Wechsel vermeldet. Inklusive Versprecher am Ende: «Ich gebe alles für mich.»

August 2020: Eine Antritts-PK, die ihresgleichen sucht

Der aktuelle Trainer Ciriaco Sforza übernimmt und steht von Beginn an in einem kritischen Licht.

Der aktuelle Trainer Ciriaco Sforza übernimmt und steht von Beginn an in einem kritischen Licht.

Freshfocus

Noch vor dem Cupfinal gegen YB unterschreibt Ciriaco Sforza offiziell beim FC Basel. Sein Vorgänger Marcel Koller kritisiert das mit den Worten: «Damit hätte man auch noch warten können.» In seiner letzten PK vor einem FCB Spiel wird Koller emotional. Er spricht von einem Orden, den man ihm und seinem Team hätte verleihen müssen, für das, was sie alles erdulden mussten. Der Cupfinal geht 1:2 verloren. Es gibt kein sportliches Happy End für Koller.

Die Antritts-PK von Sforza verkommt dann zu einer Fragerunde an Bernhard Burgener. Weil sich der Eigentümer selten der Öffentlichkeit stellt, konzentriert sich die Aufmerksamkeit in der einstündigen Medienrunde auf Burgener, der auf heile Welt macht. Sforza sitzt meist nur schweigend daneben.

August 2020: Das Vertragschaos mit Ricky van Wolfswinkel

Ricky van Wolfswinkel verabschiedet sich mit seinem Sohn auf dem Arm.

Ricky van Wolfswinkel verabschiedet sich mit seinem Sohn auf dem Arm.

Freshfocus (30.08.2020)

Ricky van Wolfswinkel verabschiedet sich nach dem Cupfinal in einem leeren Stadion, denn eigentlich ist seine Zeit beim FCB abgelaufen. Sein Vertrag soll nicht verlängert werden. Hinzu kommt, dass Bernhard Burgener und Roland Heri zu einem Treffen, an dem sie ihm dies mitteilen wollten, schlicht nicht erschienen sind. Van Wolfswinkel hatte die Schnauze voll. Ein paar Tage später teilt der FCB in einer skurrilen Pressemitteilung mit, dass es Geschichten gibt, die nur der Fussball schreibt und van Wolfswinkel seinen Vertrag in Basel doch verlängert. Auch das soll ein Alleingang von Burgener gewesen sein.

August 2020: Die fehlende Miete fürs Joggeli

Der FCB hat seit fünf Monaten keine Miete mehr gezahlt. Damit fehlen in der Kasse der Stadiongenossenschaft knapp 1,6 Millionen Franken.

Der FCB hat seit fünf Monaten keine Miete mehr gezahlt. Damit fehlen in der Kasse der Stadiongenossenschaft knapp 1,6 Millionen Franken.

Keystone

Seit fünf Monaten ist der FCB der Stadiongenossenschaft die Miete schuldig. Bei 315'000 Franken im Monat fehlen der Genossenschaft damit fast 1,6 Millionen Franken. Die ersten drei Monate hatte die Genossenschaft wegen der Pandemie noch gestundet. Der Klub meint, dass man mehrmals nachgefragt habe, wie es weiter geht und lässt über Sprecher Simon Walter verlauten: «Dies steht in keinem Zusammenhang mit der Liquidität des Klubs.»

September 2020: Die Bewegung «Yystoo für e FCB» formiert sich

Unter dem Namen «Yystoo für e FCB» formiert sich eine neue Protestbewegung gegen die Führung des Klubs.

Unter dem Namen «Yystoo für e FCB» formiert sich eine neue Protestbewegung gegen die Führung des Klubs.

yystoo.ch

Die unruhigen Zeiten beim FC Basel machen sich mittlerweile in der ganzen Region bemerkbar. Immer wieder sind mehr oder weniger kreative Protestbanner in der Stadt zu sehen. Der Widerstand macht sich schliesslich auch in der Form einer Bewegung bemerkbar. «Yystoo für e FCB» nennt sich die Bewegung und bezeichnet sich selbst als «Zusammenschluss von Fans aus dem Joggeli». Langfristig soll daraus eine Plattform werden, um die Interessen der Fans zu bündeln. Um auch aktiv mitgestalten zu können, bewirbt sich Yystoo mit einem Fünferticket für den Vereinsvorstand.

18. Oktober 2020: Die erste Quarantäne trifft den FC Basel

Der Klassiker gegen den FCZ wird nur wenige Stunden vor Anpfiff abgesagt, weil am Abend zuvor ein FCB-Spieler positiv getestet wurde. Die Mannschaft muss in Quarantäne und ist damit die erste Schweizer Mannschaft, die dieses Schicksal ereilt.

November 2020: Die skurrile GV und ihre Ergebnisse

Bereits vor der GV steht fest: Bernhard Burgener ist nicht mehr der Präsident des Vereins.

Bereits vor der GV steht fest: Bernhard Burgener ist nicht mehr der Präsident des Vereins.

Freshfocus

Es ist wohl die skurrilste Generalversammlung in der Geschichte des FC Basel. Erst wird sie immer wieder nach hinten verschoben. Dann müssen die Mitglieder wegen der Pandemie per Post ihre Stimme abgeben. Vor der GV tritt dann auch noch Bernhard Burgener als Vereinspräsident zurück und lässt sich nicht zur Wahl aufstellen. Damit kommt er seiner Abwahl zu vor, denn die Zustimmungswerte für Burgener werden immer kleiner.

In einem Video gibt Burgener dann am 16. November bekannt, dass der Ex-Spieler und langjährige Vorstand Reto Baumgartner per Glanzresultat zum neuen Präsident des Vereins gewählt wurde. Die genauen Zahlen werden erst einen Tag später veröffentlicht.

Das Misstrauen der Mitglieder manifestiert sich darin, in dem sie Burgener (39 Prozent) und Heri (26 Prozent) das Vertrauen entziehen. Diese ignorieren aber die Meinung der Basis und bleiben im Verwaltungsrat, ohne das Wahlergebnis zu kommentieren. Überraschend wird auch keiner der fünf Yystoo-Kandidaten in den Vorstand des Vereins gewählt und auch die Totalrevision der Statuten wird von den Mitgliedern abgeschmettert.

2021: «Cup-Blamage, Stocker-Ferien und Degen vs. Burgener»

Der Cup-Horror gegen Winterthur

Winterthur gewinnt als Heimteam im Joggeli gegen den FC Basel mit 6:2. Ein Debakel sondergleichen.

Winterthur gewinnt als Heimteam im Joggeli gegen den FC Basel mit 6:2. Ein Debakel sondergleichen.

Freshfocus

Auch auf dem Platz läuft es weiter nicht gut. So schlecht wie in der Liga stand der FCB seit Einführung der Super League nicht da. Und auch im Cup kommt es zum kompletten Zusammenbruch. Mit 2:6 geht der FCB gegen den Challenge-Ligisten aus Winterthur baden und wird dabei teilweise vorgeführt.

Trainer Ciriaco Sforza und Captain Valentin Stocker stellen sich danach den Medien. Vor allem Letzterer wirkt niedergeschlagen und bittet bei den Fans um Vergebung, die vor dem Stadion die Mannschaft und CEO Roland Heri zur Rede stellen. Die Klubführung meldet sich erst am Tag danach mit einem kurzen schriftlichen Statement, in dem Sforza weiter das Vertrauen ausgesprochen wird.

Captain Valentin Stocker wird beurlaubt

Valentin Stocker wird beurlaubt und «soll mal den Kopf lüften», so Trainer Ciriaco Sforza.

Valentin Stocker wird beurlaubt und «soll mal den Kopf lüften», so Trainer Ciriaco Sforza.

Freshfocus

Ein lauter Kall am Rheinknie: Nach der 1:3 Pleite gegen St.Gallen gibt der Klub in einem dürftigen Statement bekannt, was schon vorher durch Medien publik wurde. Kapitän Valentin Stocker wird beurlaubt. Angeblich soll er bei Teamkameraden gegen den Trainer Stimmung gemacht haben. Die Fans gehen am Abend für ihren Captain spontan auf die Strasse. Rund 1000 Menschen laufen protestierend vom Barfüsserplatz bis zum Landhof. Sie wollen nicht nur der Stocker-Degradierung, sondern auch den Gerüchten um den Einstieg ausländischer Investoren ihren Unmut verleihen, die just an diesem Tag wieder aufflammen.

Die Causa Stocker wird nie wirklich aufgeklärt. Am 11. März wird die Beurlaubung aufgehoben. Doch auch hier verpasst es der Verein, zu erklären, warum er jetzt wieder mit der Mannschaft trainiert. Zumal heraus kommt, dass Stocker zunächst nur Einzeltrainings absolvierte, obwohl in der Mitteilung angekündigt wurde, dass Stocker zurück im Mannschaftstraining sei.

Die Basel Dream & Vision wird publik

David Degen und Bernhard Burgener befinden sich in einem Machtkampf um die FCB-Führung. Das ist das einzige Foto, das die beiden miteinander zeigt.

David Degen und Bernhard Burgener befinden sich in einem Machtkampf um die FCB-Führung. Das ist das einzige Foto, das die beiden miteinander zeigt.

Freshfocus

Die Verkaufspläne beim FCB schreiten weiter voran. Bernhard Burgener stellt Anteilseigner David Degen ein Ultimatum. Burgener will seine Anteile an eine Briefkastenfirma namens Basel Dream & Vision AG verkaufen. So lockt er Degen aus der Reserve, damit dieser von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen muss. Es ist aber fraglich, ob David Degen das nötige Kleingeld dafür aufbringen kann. Die Rede ist von rund 16 Millionen Franken. Allerdings halten sich auch die Gerüchte hartnäckig, dass Centricus rund 200 Millionen via Basel Dream & Vision in den FCB investieren will. Ein Angebot, dass Degen wohl kaum stemmen kann.

Der Höhepunkt der Proteste

Mit Bengalos und Fahnen protestieren beim Heimspiel gegen Luzern 5000 bis 7000 Fans vor dem Joggeli.

Mit Bengalos und Fahnen protestieren beim Heimspiel gegen Luzern 5000 bis 7000 Fans vor dem Joggeli.

Keystone

Die Fanproteste erreichen einen Höhepunkt. Während des Heimspiels gegen den FC Luzern haben sich schätzungsweise über 5000 bis 7000 Fans vor dem St.-Jakob-Park versammelt. Schon Tage vorher wurden in der ganzen Region Flyer und Plakate verteilt. Während die Fans draussen protestieren, kann der FC Basel im Stadion seine Talfahrt bremsen. Nach sieben Spielen ohne einen Sieg kann der FCB endlich mal wieder einen Dreier einfahren und gewinnt mit 4:1. Die Krise ist dadurch aber nicht beendet. Anschliessend entbrennt eine Debatte über Sinn und Unsinn einer solchen Demonstration inmitten einer Pandemie.

David Degen bringt sich wegen GC selbst in Bedrängnis

Die Posse um David Degen bekommt eine neue Wendung.

Die Posse um David Degen bekommt eine neue Wendung.

Chris Iseli / SPO

Neben den Gesprächen um eine Übernahme von David Degen beim FC Basel kommen andere Dinge ans Licht. Degen soll vor seinem Einstieg beim FCB 2019 mit seiner Spielerberaterfirma an einer Teilhabe bei GC interessiert gewesen sein. Zunächst bezeichnet er dies auf Instagram als «grossen Blödsinn». Als die bz dann aber das Dokument mit seiner Unterschrift veröffentlichte, wurde es wieder ruhig um Degen, der offensichtlich gelogen hatte. Trotzdem ist Degen weiterhin der Hoffnungsträger der FCB-Fans, die den Abgang von Bernhard Burgener herbeisehnen.

Der aktuelle Stand bereitet Sorgen

Die Verfassung des FC Basel auf und neben dem Platz ist erschreckend.

Die Verfassung des FC Basel auf und neben dem Platz ist erschreckend.

Freshfocus

Vor dem Sieg gegen Luzern war der FCB sieben Spiele in Folge ohne Sieg, danach verliert er wieder in Lugano. In der Jahrestabelle steht Rot-Blau zeitweise auf dem letzten Platz. Drei Siege, vier Unentschieden, fünf Niederlagen. So die Super-League-Bilanz zu Beginn des Jahres 2021. Dazu das Aus im Cup gegen Winterthur.

Die Kritik von aussen wird immer grösser. Doch Burgener denkt trotz Sforzas Horrorbilanz nicht an einen Trainerwechsel. Der Trainer selber ist aber offensichtlich überfordert. In Interviews macht Sforza selten eine gute Falle und auch die Mannschaft scheint er nicht zu erreichen. Das Verletzungspech und die fragwürdige Personalpolitik des ohne Sportchef agierenden Vereins tun ihr Übriges.

Letzte Charmeoffensiven von Burgener und Degen

Bernhard Burgener bei der Präsentation seiner Geschäftszahlen.

Bernhard Burgener bei der Präsentation seiner Geschäftszahlen.

Freshfocus

Am Wochenende vor dem grossen Showdown nutzen sowohl Bernhard Burgener als auch David Degen nochmals ihre jeweiligen Kommunikations-Möglichkeiten, um ein letztes Bewerbungsschreiben abzugeben. Derweil Burgener am Freitag seine tatsächlich guten Geschäftszahlen aus dem Pandemiejahr 2020 präsentiert inklusive eines Gewinn von 1,4 Millionen Franken, postet Degen am Samstag auf Instagram das Foto eines handgeschriebenen Briefs, den er Burgener gegeben hat und in dem er ihn bittet, das Richtige zu tun.

Der Tag der Abrechnung in Basel - der den FCB zum Gerichtsfall macht

Wem gehört der Klub in Zukunft? Das entscheidet nun ein Gericht.

Wem gehört der Klub in Zukunft? Das entscheidet nun ein Gericht.

Auf diesen Tag hat die ganze Region gewartet, wenn nicht gar die ganze Fussballschweiz: Am Montag, dem 29. März, soll sich an einer Verwaltungsratssitzung der FC Basel Holding AG entscheiden, wem der FC Basel in Zukunft gehört. David Degen oder der Basel Dream & Vision und damit der Scheinfirma von Bernhard Burgener. Doch statt zu einem Entscheid kommt es zum Gerichtsstreit. Denn nachdem sich Degen erst als neuer Mehrheitsaktionär ausruft, widerspricht der Verein im Namen Burgeners. Es könne keine Entscheidung fallen, weil Degen dies mit einer superprovisorischen Verfügung blockiere. Später am Abend reicht Degen eine Erklärung für seinen Gang zum Zivilgericht nach: Nur so habe er verhindern können, dass Burgener den Verein an die Dream & Vision verkauft.

Das Resultat: Die beiden Parteien müssen vor Gericht. Erst dort wird sich klären, wie es mit dem FCB weiter gehen wird. Das Chaos ist perfekt.

Der Kommentar: Übernahme-Chaos beim FC Basel: Der Sport als Leidtragender.

David Degen und der Weg der emotionalen Kommunikation

6. April: 2021: Der FCB und Ciriaco Sforza gehen getrennte Wege

Fast genau acht Monate nach seinem ersten Arbeitstag muss Ciriaco Sforza seinen Posten räumen.

Fast genau acht Monate nach seinem ersten Arbeitstag muss Ciriaco Sforza seinen Posten räumen.

Samuel Golay / KEYSTONE/Ti-PRESS

Das Missverständnis Sforza ist beendet. Knapp eineinhalb Wochen vor dem 27. Spieltag betonte Bernhard Burgener noch, dass das Spiel gegen den FC Vaduz kein Ultimatum für Trainer Ciriaco Sforza sei. Ein Tag nach der 1:2-Niederlage gegen den Aufsteiger sieht das aber anders aus. Die elfte Niederlage nach drei Quartalen ist zu viel, Sforza ist seinen Posten als Cheftrainer los.

Burgener hält die Entscheidung für unumgänglich, wie es im Communiqué des FCB heisst. «Die Sportkommission kam zum Schluss, dass die Leistungen der Mannschaft und die damit verbundenen Resultate der letzten Wochen nicht den Erwartungen entsprachen und deshalb Handlungsbedarf bestand», so der FCB weiter in seiner Mitteilung. Während der eine Assistent Daniel Hasler mit Sforza geht, wird Patrick Rahmen, der zweite Assistent, als Interimslösung präsentiert. Er soll die sportliche Talfahrt der Mannschaft in den letzten neun Spielen stoppen. Für das letzte Saisonviertel liegt der FCB nur noch sieben Punkte vor dem Barrage-Platz.