Super League
Neuer Trainer, alte Stärke: Der FC Basel spielt plötzlich dominant wie lange nicht mehr

Der FC Basel besiegt den Tabellenzweiten Servette Genf gleich mit 5:0, klaut dessen Rang und zeigt eindrücklich, dass die Arbeit des neuen Trainers Patrick Rahmen fruchtet.

Jakob Weber
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Nachdem er seinen Penalty oben rechts versenkt hat, bejubelt Fabian Frei die frühe Führung.

Nachdem er seinen Penalty oben rechts versenkt hat, bejubelt Fabian Frei die frühe Führung.

Freshfocus

Fabian Frei hätte die Champagnerflasche eigentlich gleich öffnen und bereitstellen sollen. Doch nachdem er das Präsent für seine 400 FCB-Spiele von FCB-Eigentümer Bernhard Burgener kurz vor Anpfiff entgegengenommen und für ein Erinnerungsfoto posiert hatte, stellt er den Champagner erst einmal weg. Schliesslich soll das 401. Spiel von Frei für den FCB gegen Servette gewonnen werden und das geht bekanntlich nüchtern besser als angetüdelt.

Hier hat Fabian Frei den Champagner noch in der linken Hand.

Hier hat Fabian Frei den Champagner noch in der linken Hand.

Andy Mueller / Freshfocus

Acht Minuten später wäre Champagner aber durchaus angebracht. Denn es steht bereits 3:0 für Rotblau. «Genf war vielleicht etwas müde und wir waren über-parat», erklärt Frei. Ausgerechnet der Jubilar ist es, der den Torreigen in der dritten Minute mit einem souveränen Penalty eröffnet. Dass Schiedsrichter Sandro Schärer vorher den VAR benötigt, um zur erkennen, dass Nicolas Vouilloz Darian Males klar die Beine wegzieht, ist schnell verziehen. Denn kaum ist der Ball wieder freigegeben, schiebt Pajtim Kasami nach einem Abpraller überlegt zum 2:0 ein. Und als dann auch noch Servette-Goalie Jeremy Frick sich selbst ein verspätetes Osterei legt und Cabral-Ersatz Ricky van Wolfswinkel ihm nach einem Rückpass den Ball mit dem Fuss zwischen den Beinen wegspitzeln kann, steht es, als Servette in der neunten Minute zum dritten Mal anstösst, bereits 3:0.

Schnellstes 3:0 der jüngeren Vergangenheit

Nach dem schnellsten Drei-Tore-Vorsprung seit Einführung der ausführlichen Datenerfassung in der Super League 2007 nimmt der FCB das horrende Anfangstempo raus. Die Genfer, die vor dem Spieltag von Platz 2 grüssten und zuletzt gegen Basel oft das bessere Ende für sich beanspruchten, schwächen sich in der 35. Minute zusätzlich. Antony Sauthier grätscht mit offener Sohle in Richtung Achillessehne von Males und sieht dafür direkt Rot. Damit ist klar, dass der FCB erst zum dritten Mal in dieser Saison und zum ersten Mal in diesem Jahr wieder zwei Spiele in Folge gewinnt.

Der eingewechselte Afimico Pululu sorgt mit einem späten Doppelpack für den 5:0-Endstand. Dass der FCB nicht noch höher gewinnt, liegt daran, dass Rotblau beim Stand von 3:0 gleich sieben Hochkaräter auslässt. «Verdammte Egoisten», entfährt es Abwehrchef Timm Klose, als seine Offensivkollegen innert weniger Minuten mehrfach im Abschluss sündigen. «Wir müssen mindestens sechs Tore machen», erklärt auch Ricky van Wolfswinkel und meint damit nur die zweite Halbzeit. Doch viel wichtiger als der Ärger über den Chancenwucher ist die Erkenntnis, dass der FCB wieder Spiele dominieren und souverän gewinnen kann. Das gab es in dieser Saison eigentlich nur beim 2:0 im Dezember in Vaduz. Aber woran liegt das? Nur am Trainerwechsel? «In den letzten beiden Spielen haben wir wichtige Schritte gemacht», sagt van Wolfswinkel.

«Patrick Rahmen hat zwei bis drei grundlegende Dinge verändert»

, sagt Frei. Ins Detail will er aber nicht gehen, flüchtet sich auf Nachfrage in Allgemeines: «taktisch und mental». Doch mehr braucht es offenbar gar nicht, um das Potenzial aus dieser Mannschaft zu kitzeln.

Der FC Basel hat wieder eine erkennbare Taktik

Rahmen präsentiert nach dem Spiel mit einem Lächeln den funktionierenden Matchplan. «Defensiv wollten wir die beiden Servette-Sechser gut zu machen. Und offensiv zwischen den Linien anspielbar sein und immer wieder tiefe Laufwege suchen, sodass sich der Gegner nie sicher sein kann, ob quer oder in die Spitze gespielt wird.» Eine Taktik, die offensichtlich funktioniert.

Böse Zungen würden sagen, die Spieler sind froh, endlich wieder einen konkreten Matchplan mitzubekommen. «Scheinbar kommt das an», sagt auch Rahmen, der sein Team für dessen Einsatz lobt: «Im Moment gibt jeder Vollgas.» In der Kombination führt das dazu, dass der FCB wieder Selbstvertrauen hat. Auf die Frage, ob jetzt in Vaduz am Mittwoch der dritte Sieg in Serie folgt, antwortet van Wolfswinkel: «Ganz sicher.» Und der Champagner? Den will Fabian Frei immer noch nicht öffnen. «Diese spezielle Flasche mache ich nach so einer Saison sicherlich nicht auf. Da warte ich auf einen speziellen Moment.»

Die Bilder vom Spiel:

Gute Stimmung im Team: Heinz Lindner und Patrick Rahmen plaudern nach dem 5:0-Kantersieg.
16 Bilder
Afimico Pululu erzielt das vierte Tor per Penalty.
Das Bild täuscht: Patrick Rahmen schreit bei Weitem nicht so viel wie Vorgänger Ciriaco Sforza.
Darian Males stochert sich gegen die weisse Wand durch.
Die rote Karte: Sauthier grätscht Males von hinten um.
Der Basler fällt, schreit, kann aber weiter spielen.
Die definitive Entscheidung: Servette muss 60 Minuten mit einem Mann weniger agieren.
Ein Bild mit Seltenheitswert in der ersten Hälfte. Für einmal trifft der FCB das Tor nicht.
Der FCB jubelt vor der Pause gleich drei Mal.
Bei drei Toren in neun Minuten lässt es sich gut lachen.
Hatte auch schon schwierigere Aufgaben: Ricky van Wolfswinkel drescht den Ball ins verwaiste Tor.
Auch Pajtim Kasami steht ganz allein und versenkt zum 2:0.
Der FCB jubelt über den besten Start in der Super League der Geschichte.
Pajtim Kasami führt nach seinem Treffer eine kleine Rechnungsaufgabe vor.
Ein Start nach Mass: Fabian Frei jubelt über das frühe 1:0.
Der Mittelfeldmann versenkt den Penalty locker und präzise.

Gute Stimmung im Team: Heinz Lindner und Patrick Rahmen plaudern nach dem 5:0-Kantersieg.

Andy Mueller / freshfocus

Das Telegramm:

Basel - Servette 5:0 (3:0)

St. Jakob-Park. – Keine Zuschauer. – SR Sandro Schärer. – Tore: 3. Frei 1:0 (Foulpenalty). 6. Kasami 2:0 (Zhegrova). 9. van Wolfswinkel 3:0 (Stocker). 86. Pululu 4:0 (Foulpenalty). 87. Pululu 5:0 (Palacios).


Basel: Lindner; Abrashi (91. van der Werff), Cömert, Klose, Petretta; Frei, Kasami (91. Zuffi); Zhegrova (46. Kalulu), Males (67. Pululu), Stocker (79. Palacios); van Wolfswinkel.
Servette: Frick; Sauthier, Vouilloz, Sasso, Diallo (57. Alves); Ondua; Imeri, Valls; Schalk (69. Kone), Kyei (69. Pedat), Fofana (79. Cognat).

Bemerkungen: Basel ohne Cabral, Widmer (beide gesperrt), Chiappetta, Jorge, Padula, Xhaka (alle verletzt), Marchand, Bunjaku, Hajdari, Sene (alle kein Aufgebot). Servette ohne Severin (gesperrt), Antunes und Henchoz (beide verletzt). – rote Karte: 35. Sauthier (Foul). Verwarnungen: 26. Diallo (Foul). 42. Zhegrova (Foul).