Super League
FC Zürich reitet auf der Erfolgswelle: Der Wandel einer Wohlfühloase

Der FC Zürich gewinnt auch das dritte Saisonspiel. Vom angekündigten schwierigen Umbruch ist wenig zu sehen.

Raphael Gutzwiller
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Der FC Zürich kann derzeit viel jubeln.

Der FC Zürich kann derzeit viel jubeln.

Christian Merz / KEYSTONE

Eigentlich hätte André Breitenreiter allen Grund zum Strahlen. Drei Spiele, drei Siege: der Saisonstart des FC Zürich ist mehr als geglückt. Auch im Auswärtsspiel in Luzern zeigt Breitenreiters Team eine gute Leistung, dreht einen 0:1-Rückstand in einen letztlich verdienten und überzeugenden 3:1-Erfolg. Doch der Trainer des Zürcher Fussballklubs blickt ernst, als er in die Mikrofone sagt: «Wir sind sehr glücklich mit drei Siegen zum Start, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns.»

Der neue FCZ-Trainer André Breitenreiter will von einer Euphorie noch nichts wissen.

Der neue FCZ-Trainer André Breitenreiter will von einer Euphorie noch nichts wissen.

Christian Merz / KEYSTONE

Breitenreiter ist gekommen, um die Wohlfühloase des Vereins zu durchbrechen. Seit Jahren sieht Präsident Ancillo Canepa den FCZ als Spitzenklub, stattdessen steckten die Zürcher jeweils im Abstiegskampf fest. Breitenreiter, der erfahrene Mann aus der Bundesliga sollte diese Oase im Sommer aufbrechen. Dazu passt, dass viele langjährige Akteure den Verein verlassen haben, zum Teil mussten. Identifikationsfigur Marco Schönbächler musste gehen, nur wegen Sentimentalitäten sollte er keinen Vertrag mehr erhalten. Beim Präsidenten schien ein Umdenken einzusetzen. Ungewohnt demütig sprach Canepa im Vorfeld von einer Übergangssaison. Der neue Trainer Breitenreiter soll Zeit erhalten, etwas Neues aufzubauen.

Zahnrädchen, die schon greifen

Doch es scheint, dass in frühem Stadium der Saison bereits unerwartet viele Zahnrädchen ineinander greifen. Die Handschrift Breitenreiters ist zu erkennen. Sein 3-5-2-System ist darauf ausgelegt, den Gegner früh durch ein hartnäckiges Pressing unter Druck zu setzen. Die beiden Aussenspieler, die Neuzugänge Adrián Guerrero und Nikola Boranijasevic, sorgen dabei für hohes Tempo über die Flügel, schalten sich immer wieder in Angriffe mit ein. Guerrero steht nach den drei Partien schon bei vier direkten Torvorlagen und einem Treffer. Dazu baut Breitenreiter auf ein spielstarkes und ballsicheres Zentrum, in dem neben Antonio Marchesano mit Bledian Krasniqi ein 20-Jähriger überrascht, der in der letzten Saison noch bei Wil gespielt hatte. Defensiv sorgt Neuzugang Fidan Aliti für Stabilisierung. Und: Die Personalplanung ist noch immer nicht abgeschlossen.

Beim 3:1-Erfolg in Luzern zeigen die Zürcher derweil eine neue Stärke. Alle drei Treffer erzielten sie nach Standardsituationen. Es ist kein Zufall. Im Training habe er dies üben lassen, erzählt Breitenreiter. «Wir haben gesehen, dass uns Luzern etwas anbietet. Das wollten wir ausnützen.»

Hat zum 1:1-Ausgleich eingeköpfelt: Mirlind Kryeziu.

Hat zum 1:1-Ausgleich eingeköpfelt: Mirlind Kryeziu.

Christian Merz / KEYSTONE

Dies gelang auch dank Mirlind Kryeziu, der per Kopf nach einem kurz ausgeführten Eckball und einer zielgenauen Flanke von Guerrero den Ausgleich erzielte. Der grossgewachsene Verteidiger erklärte später, dass Breitenreiter schon früh in der Vorbereitung dem Team seine klare Spielphilosophie eingetrichtert habe. «Das hat er nicht nur im Theorieraum präsentiert, sondern auch auf dem Platz und mit Videos. Dadurch wurde es noch viel klarer. Und vieles passt sicher schon gut bei uns. Doch es gibt noch Dinge, die wir verbessern müssen», sagt Kryeziu. Breitenreiter sieht es ähnlich, beklagte sich darüber, dass sein Team phasenweise zu passiv agiert habe. Zudem hätte man schon viel früher das Spiel für sich entscheiden sollen.

Auch wenn es läuft, beim FCZ steht noch viel Arbeit bevor. Hier kämpft Blaz Kramer (links) gegen Marco Burch.

Auch wenn es läuft, beim FCZ steht noch viel Arbeit bevor. Hier kämpft Blaz Kramer (links) gegen Marco Burch.

Martin Meienberger / freshfocus

Die Resultate aber, die passen für den FCZ. Nach drei Partien stehen die Zürcher nur wegen der Tordifferenz hinter dem FC Basel, der bei Servette gleich mit 5:1 siegte. Für die Zürcher bedeutet dies der beste Saisonstart seit sieben Jahren. Im Sommer 2014 gelang ein solcher Saisonstart letztmals. Am Ende stand der FCZ zum bisher letzten Mal in der Super League unter den besten 3.

Im 125. Vereinsjahr soll Ähnliches wiederholt werden. Doch Breitenreiter will von einer aufflammenden Euphorie in Zürich nichts wissen: «Es interessiert Ende Saison niemanden mehr, wie es nach drei Spieltagen stand. Und zudem gibt es genug Ansatzpunkte, um keine Zufriedenheit aufkommen zu lassen.» Es ist spürbar: Breitenreiter ist gekommen, um die Wohlfühloase aufzubrechen. Bisher gelingt es.

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