Olympia-Serie

Streicheleinheiten für die Psyche: Die Curlerin Marlene Albrecht kann beim Yoga entspannen

2014 absolvierte Marlene Albrecht auf Hawaii die Ausbildung zur Yoga-Lehrerin. Seither gibt die Curlerin einmal pro Woche Yoga-Lektionen in Zürich.

2014 absolvierte Marlene Albrecht auf Hawaii die Ausbildung zur Yoga-Lehrerin. Seither gibt die Curlerin einmal pro Woche Yoga-Lektionen in Zürich.

Die 29-jährige Curlerin Marlene Albrecht vom Team Aarau Tirinzoni lehrt als Yoga-Lehrerin andere und lernt dadurch auch viel über sich selbst. Um selbst unterrichten zu können reiste sie sogar einen Monat nach Hawaii.

Ob es tatsächlich kein Bier gibt auf Hawaii, ist so nicht überliefert. Dass dort aber Yoga hoch im Kurs steht, kann Marlene Albrecht bestätigen. Die 29-jährige Curlerin des CC Aarau hat sich vor vier Jahren im exotischen US-Bundesstaat zur Lehrerin dieser fernöstlichen Sportart – oder sollte man Lebensphilosophie sagen? – ausbilden lassen und gibt seither selber Unterricht in Zürich.

Albrecht ist eine Sportlerin, die sich gerne mit anderen misst. Nicht nur, wenn es in wenigen Tagen in Pyeongchang darum geht, für die Schweiz eine Olympiamedaille im Curling zu erobern. «Sobald ich sportlich aktiv bin, suche ich den Vergleich», sagt die Zürcherin.

Das Olympiateam (von links): Silvana Tirinzoni, Manuela Siegrist, Nationaltrainerin Manuela Netzer-Kormann, Esther Neuenschwander und Marlene Albrecht.

Das Olympiateam (von links): Silvana Tirinzoni, Manuela Siegrist, Nationaltrainerin Manuela Netzer-Kormann, Esther Neuenschwander und Marlene Albrecht.

Gerade deshalb blieb sie vor acht Jahren, als sie bei ihren regelmässigen Trainings im Fitnesscenter auf der Suche nach etwas Neuem war, beim Yoga hängen. «Ich habe schnell gemerkt, dass mich Yoga anders herausfordert und dass es ein guter Ausgleich für den sportlichen Wettkampf ist», blickt Albrecht zurück. «Es ist eine der wenigen sportlichen Betätigungen, bei denen man sich tatsächlich nicht messen kann.»

Fokus auf sich selber

Anstatt des Konkurrenzblicks auf die anderen, erlebt die Weltklasse-Curlerin beim Yoga den totalen Fokus auf sich selber, auf die Atmung und den Körper. Und sie spürt die mentale und emotionale Wirkung. «Ich schalte andere Gedanken komplett aus», sagt Albrecht. Es sind letztlich Streicheleinheiten für die Psyche.

Und sie profitiert auch beim Curling: «Ich fühle mich dadurch auch auf dem Eis ausgeglichener. Die Atemtechnik hilft mir besonders bei heiklen Situationen. Und ich weiss, wie ich mich mobilisieren kann, wenn ich Verspannungen habe.»

Für die Ausbildung nach Hawaii

Marlene Albrecht findet nicht nur Gefallen am Yoga, sie ist auch fasziniert von der ganzen Philosophie, die dahintersteckt. Sie entschliesst sich dazu, die 200 Stunden Ausbildung zur Yoga-Lehrerin zu machen. Dafür reist sie 2014 für knapp einen Monat zu einer renommierten Ausbildnerin nach Hawaii.

Die Buchhalterin in einem Treuhandbüro lernt dort Neues dazu: Wie man unterrichtet. Wie man die Übungen beschreibt, ohne sie vorzeigen zu müssen. Welche Geschichte sich hinter der Yoga-Philosophie verbirgt. Was man über die Anatomie des Körpers wissen muss.

Nervosität beim Curling und Yoga

Seither unterrichtet Marlene Albrecht selber zusammen mit einer Kollegin. Einmal pro Woche in Zürich mit ganz spezifischen Themen für jede Stunde und an speziellen Orten – im Sommer zum Beispiel auf verschiedenen Dachterrassen. Sie sei noch immer vor jeder Stunde nervös.

Aber anders als bei einem wichtigen Curlingspiel. «Auf dem Eis geht es um die Erwartungen gegenüber sich selber. Beim Yoga stellt sich für mich die Frage, wie es bei den Teilnehmern ankommt.» Wobei es vorwiegend Frauen sind, die bei Albrecht die Lektionen besuchen. «Für Männer scheint der Einstieg schwieriger zu sein», sagt die 29-Jährige, freut sich aber über die steigende Tendenz in ihrer Gruppe.

Und ihre Teamkolleginnen? 

Eine Privatlektion gab es übrigens auch schon für das eigene Team. Mit unterschiedlichem Erfolg. Während Mannschaftskollegin Esther Neuenschwander nun regelmässig in die Trainingsstunden kommt, blieb es für Skip Silvana Tirinzoni beim einen Mal.

Tirinzoni sitzt während des Gesprächs mit Marlene Albrecht am gleichen Tisch und meint diplomatisch: «Eigentlich war es super, aber man muss der Typ dafür sein.» Ihre Teamkollegin lächelt entspannt.

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