Super League

Sternstunden sind Vergangenheit: Weil die Schweiz nur noch drittklassig ist, geht es in der Liga jetzt um alles

Ernüchterung beim Schweizer Meister: YB hat die Champions League bereits verpasst.

Ernüchterung beim Schweizer Meister: YB hat die Champions League bereits verpasst.

Der Schweizer Klubfussball hat international den Anschluss verpasst. Darum zählt in der an diesem Wochenende beginnenden Meisterschaft nur der Titel.

Es sind magische Nächte. Die Spiele, in denen sich die Schweizer Vertreter auf internationalem Parkett mit den Grossen des europäischen Fussballs messen, sind für alle Beteiligten etwas Besonderes. Das Flutlicht strahlt, das Stadion ist ausverkauft und die Kurve macht vor dem Anpfiff eine gänsehauterregende Choreografie. Nicht selten wuchs der Underdog aus der Schweiz in der Vergangenheit über sich hinaus. Die magischen Nächte wurden zu Sternstunden. Vor allem in Basel denken die Fans gerne an die vielen Siege gegen Manchester United, Bayern München, Chelsea und wie sie alle heissen zurück.

Für den mit Abstand besten Schweizer Vertreter im Europacup gehören europäische Erfolge fast schon zu guten Ton. Kein Wunder, so liegt der FCB immer noch auf Platz 21 der erfolgreichsten Teams Europas der letzten zehn Jahre. YB, der zweite Schweizer Dauergast in Europa, enttäuschte international zwar oft. Doch die eine oder andere Sternstunde, wie beim 2:1-Sieg gegen Juventus Turin in der Champions League 2018, war für die Berner trotzdem dabei. Sogar der FC Sion – die Walliser spielten 2015 0:0 und 1:1 gegen Jürgen Klopps Liverpool – und der FC Zürich – zum Beispiel beim 3:2-Sieg gegen Leverkusen 2018 – kamen in den Genuss von Sternstunden. Doch damit ist jetzt Schluss.

Die Sternstunden werden immer weniger

Weil die Exploits seltener wurden und der Grossteil der Schweizer Vertreter im Normalfall schon in der Qualifikation zur Europa League die Segel streicht, ist die Schweiz seit 2015 kontinuierlich von Rang 11 bis auf Rang 17 der Uefa-Fünfjahreswertung zurückgefallen. Vor allem der FC Luzern, der es in sieben Anläufen in den letzten elf Jahren nie in eine Gruppenphase schaffte, ist als Negativbeispiel zu nennen. Aber auch GC, Servette, Thun und St.Gallen haben sich in den letzten zehn Jahren nicht mit Ruhm bekleckert.

Schon jetzt bedeutet das, dass nur noch der Schweizer Meister theoretische Chancen auf eine Teilnahme an der Champions League hat. Ab der Saison 2021/22, für die es sich ab diesem Wochenende zu qualifizieren gilt, wird die Lage noch prekärer (siehe Grafik unten). In Zukunft ist auch die Europa League nur noch für den Schweizer Meister erreichbar. Für die Champions League muss er drei Quali-Runden überstehen. Für die Europa League darf er sich eine Niederlage erlauben.

© CH Media

Für den Vizemeister, den Dritten und den Cupsieger ist die Party vorbei. Sie haben nur noch die Möglichkeit, sich für die Conference League zu qualifizieren. FCB-Präsident Bernhard Burgener bereitet das Sorgen. Er sagt: «Die Attraktivität der Gegner und die monetären Unterschiede werden einen grossen Einfluss haben. Auch darum wollen wir unbedingt Meister werden.»

Doch wenn das nicht gelingt, heisst es auch für den europäisch verwöhnten FCB: Ab in die Conference League. Dieser drittklassige Wettbewerb wird das Hauptrevier der Schweizer Klubs sein. Wenn überhaupt. Denn auch hier müssen die Vereine drei Quali-Runden überstehen. In der Conference League duellieren sich die Schweizer dann mit den Fünft- und Sechstplatzierten der fünf Topligen und Meistern und Cupsiegern aus unteren Gefilden des Uefa- Rankings. Doch zu diesen unteren Gefilden gehört mittlerweile auch die Schweiz. So ehrlich müssen wir sein.

Woran liegt das? Und wie können wir das ändern? Eigentlich ist es ja absurd, dass mindestens zwei Drittel der Super League eine Saison lang um die vier Europacupplätze kämpfen, sich dann riesig über das Erreichte freuen, um kurz darauf in der Qualifikation sang- und klanglos wieder die Segel zu streichen. Auch in diesem Jahr sind mit YB und Servette zwei Vertreter bereits gescheitert. YB ist immerhin im Auffangbecken Europa-League-Playoffs gelandet, doch für Servette ist die so lange vermisste Europa League nach zwei Spielen bereits wieder vorbei.

Beängstigende Worte aus Bern und Genf

Sowohl aus Genf als auch aus Bern war nach den Niederlagen unter der Woche Bemerkenswertes zu hören. YB-Captain Fabian Lustenberger sagte: «Die Enttäuschung ist gross. Aber wir haben am Samstag bereits ein wichtiges Spiel in der Liga vor der Brust.» Servette-Trainer Alain Geiger sieht es ähnlich: «Für uns ist es hervorragend, auf der internationalen Bühne zu spielen. Trotz Niederlage: Es war eine gute Vorbereitung für die Meisterschaft.»

Die Aussagen und das Gezeigte auf dem Rasen lassen nur eine Interpretation zu: Die Liga ist für beide Klubs offensichtlich wichtiger. Und weil die Qualität mittlerweile nicht mehr ausreicht, um in beiden Wettbewerben erfolgreich zu sein, wird der Europacup unbewusst vernachlässigt. Er ist das leckere Dessert, von dem man die Hälfte stehen lässt, weil man vom Hauptgang schon zu viel gegessen hat.

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