Es war zweifelsfrei eine der besten Leistungen, die je ein Schweizer Tennisspieler überhaupt zeigte. Wawrinka spielte gegen den Mann, der drei der letzten vier grossen Turniere, die er bestritten hatte, gewann (Olympia 2012, US Open 2012, Wimbledon 2013) und dominierte ihn. Andy Murray, der das Vereinigte Köngreich aus dem Dornröschenschlaf wachküsste, war nicht gerade Statist, aber praktisch chancenlos.

Wawrinka überzeugte mit harten Schlägen, Rhythmuswechseln, mehrheitlich ideal getimten Netzangriffen und Spielintelligenz. Alles Qualitäten, die vorhanden waren, aber noch selten so zusammenpassten wie an diesem windigen Donnerstag Nachmittag im grössten Tennisstadion der Welt.

Murray überfordert

Den ersten Satz gewann der Romand nach 57 Minuten mit dem sechsten Break- und Satzball in diesem Game und verstand es, Murrays Schwächen an diesem Tag auszunützen. Im zweiten Durchgang gelang ihm das Break zum 4:2 und er blieb ungefährdet. Murray, der Mann mit einer besten Hand-Augen-Koordination im Spiel und einem normalerweise hervorragenden Returnspiel, war unter den Augen seines Edelfans Sean Connery immer wieder überfordert. "Roger, is that you?", stellte eine kanadische Journalistin ungläubig jene Frage, welche wohl manchem im weiten Rund im Kopf herumschwirrte.

Es war natürlich nicht Roger Federer, aber Stanislas Wawrinka und das ist in diesem Jahr erstmals nicht weniger gut. Die statistischen Werte nach dem 135 Minuten dauernden Monolog liessen keine Fragen offen: 11 Breakchancen erspielt, 4 genutzt, keinen Breakball zugestanden. 45 Winner gegenüber 37 unerzwungenen Fehlern (Murray 15/30). "Ich bin unglaublich glücklich. Dass ich den Titelverteidiger in drei Sätzen bezwingen konnte, ist unglaublich", so Wawrinka, der auch im letzten Game noch einmal einen 0:30-Rückstand wettmachte. Während der Romand das Platzinterview mit Brad Gilbert absolvierte, gab der frustrierte Andy Murray schon in der Pressekonferenz Auskunft über die bittere Niederlage.

Halbfinal gegen Djokovic

Wawrinka setzt damit seinem besten Jahr die vorläufige Krone auf. Er ist erst der dritte Schweizer überhaupt, der bei einem Grand-Slam-Turnier die Halbfinals erreicht. Vor ihm hatten das nur Marc Rosset (French Open 1996) und Roger Federer (bisher 33 mal) geschafft.

Am Samstag könnte sich nun im Halbfinal ein Kreis schliessen, falls es zum Duell mit Novak Djokovic kommt, der in der Nacht auf heute gegen Michail Juschni spielte. Gegen den Serben hatte er zum Jahresbeginn beim Australian Open nach einer absolut epischen Partie mit 10:12 im fünften Satz verloren, sich dabei aber den Respekt der gesamten Weltelite gesichert und zusätzliches Vertrauen in seine eigenen Mittel gewonnen.