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«Spygate 2.0» bei den Patriots? Darum ist der neuste Betrugs-Vorwurf wahrscheinlich nur heisse Luft

Bill Belichick zu den Vorwürfen: «Ich habe mit den TV-Produktionen überhaupt nichts zu tun.»

Bill Belichick zu den Vorwürfen: «Ich habe mit den TV-Produktionen überhaupt nichts zu tun.»

Vor zwölf Jahren sorgten die New England Patriots mit dem «Spygate» für einen Skandal in der NFL. Nun droht der Organisation wegen Videoaufnahmen beim Gegner erneut Ärger. Allerdings ergibt in diesem Fall die Anschuldigung keinen Sinn.

Neuer Monat, neuer Skandal? In der NFL geht es derzeit mal wieder rund. Seit der Schlägerei zwischen den Pittsburgh Steelers und den Cleveland Browns ist es fast vier Wochen ruhig geblieben, nun sorgt einmal mehr der Super-Bowl-Champions New England Patriots für Schlagzeilen. 

Es soll sich dabei um den «Spygate 2.0» handeln. Am vergangenen Wochenende wurde ein Produktionsteam der Patriots beim Filmen während der Partie zwischen den Cinncinati Bengals und den Cleveland Browns erwischt. Besonders verdächtig: Die Bengals sind nächster Gegner der Patriots. 

Passend zu den neuen Vorwürfen: So könnte das Patriots-Logo in Zûkunft aussehen.

Kommt dazu, dass die erfolgreichste NFL-Franchise der letzten Jahre für Betrügereien bekannt ist. Bereits 2007 hatte die Organisation verbotenerweise Anweisungen der New-York-Jets-Trainer während einem Spiel aufgenommen. Der «Spygate» führte dazu, dass Erfolgstrainer Bill Belichick eine Strafe von 500'000 Dollar bezahlen musste. Ausserdem verloren die Patriots einen Erstrunden-Pick.

2015 folgte der «Deflategate»: Beim «AFC Championship Game» gegen die Indianapolis Colts soll Quarterback Tom Brady angeblich gewusst haben, dass 11 Bälle mit weniger Luftdruck versehrt wurden, damit diese bei der regnerischen Partie besser gefangen werden konnten. Die Strafe: Brady wurde für vier Spiele gesperrt. 

«Meine Scouts wissen, was sie tun dürfen und was nicht»

Klar, wer eine solche Vorgeschichte hat, der muss sich nicht über Anschuldigungen wundern, wenn ein eigenes Kamerateam in einem gegnerischen Stadion Aufnahmen macht. Doch schaut man sich die Fakten etwas genauer an, dann kommen Zweifel auf, ob da wirklich was dran ist an den Vorwürfen. 

Zum einen wär da mal die Erklärung des Vereins: «Wir haben von den Cleveland Browns eine Genehmigung für die Videocrew beantragt und erhalten, es aber versehentlich versäumt, die Bengals und die Liga zu informieren», teilten die Patriots in einer Stellungnahme mit. «Wir übernehmen die volle Verantwortung für das Vorgehen des Produktionsteams. Das Verhalten sei unangemessen gewesen.»

Das Statement der Patriots.

Angeblich wurden die Aufnahmen für eine Episode der eigenen Serie «Do Your Job» gemacht, es sollte die Arbeit eines Scouts dokumentiert werden. 

Trainer Bill Belichik zeigt sich zudem von den Vorwürfen unbeeindruckt: «Meine Scouts wissen zu 100 Prozent, was sie tun dürfen und was nicht. Ausserdem habe ich mit den Produktionen überhaupt nichts zu tun.»

Betrug ergibt keinen Sinn 

Auf der anderen Seite ist da der Fakt, dass sich der «Spygate 2.0» überhaupt nicht mit den anderen beiden Vorfällen vergleichen lässt. Während es beim ersten «Spygate» wohl noch darum ging, sich einen Vorteil gegenüber einem schweren Gegner aus der Division zu verschaffen (die Jets waren zu dieser Zeit noch eine starke Konkurrenz), ging es beim «Deflategate» für die Patriots gar um den Einzug in den Super Bowl. 

Nun ist die Ausgangslage komplett anders. Die Patriots befinden sich zwar aktuell nach zwei Niederlagen in Serie in einer kleinen Krise, doch dass der aktuelle Super-Bowl-Sieger ausgerechnet gegen die Cinncinati Bengals – mit 12 Niederlagen das schlechteste Team der NFL – einen Betrug nötig hätte, ergibt keinen Sinn. Eigentlich schon fast unvorstellbar, dass sich eine Franchise ausgerechnet beim einfachsten Spiel der Saison auf ein solches Risiko einlässt. 

Kommt dazu, dass die Patriots die Tabelle in der «AFC East»-Division mit einem Record von 10-3 anführen und ein einfaches Restprogramm haben. Zwar erwartet die «Pats» noch ein Spiel gegen Verfolger Buffalo Bills (9-4 Record), doch auch hier gehen Tom Brady und Co. als klarer Favorit ins Spiel. Nicht zuletzt, weil die Partie im heimischen Gillette Stadium stattfinden wird und man die Bills in dieser Saison bereits bezwingen konnte. 

Bis die NFL das Ergebnis der Untersuchung (die Liga hat das Video-Material konfisziert) bekannt gibt, wird von Fans und Medien noch sehr viel über einen möglichen Betrug spekuliert werden, obwohl der Vorwurf wahrscheinlich nur heisse Luft ist. Dass sich die Patriots dennoch dem Wind entgegenstellen müssen, haben sie sich aufgrund ihrer Vergangenheit allerdings selbst zuzuschreiben. 

Autor

Nik Dömer

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