Sportvereine
Zwischen Strickmaschine und Ikea

«Suche Spieler, biete Job» – Wir zeigen einige Beispiele, wie einige Sportvereine ihre Spieler bei der Stellensuche unterstützen.

Andreas Fretz
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Solothurner Zeitung

Ein Job als Lockmittel für Spieler, funktioniert das? Das Konzept des Zücher Fussballclubs Wettswil-Bonstetten (siehe Box) scheint aufzugehen.

Gerade Amateursportler mit einem geringen Bildungsniveau sind froh um solche Angebote. «Wir bieten den Spielern die Möglichkeit, eine Existenz aufzubauen und eine Familie zu gründen», sagt Claude Wuillemin, der den 2.-Liga-Inter-Fussballern eine Anstellung bei der Post ermöglicht.

Schweden bei Ikea untergebracht

Wie sieht es im Einzugsgebiet dieser Zeitung aus? «Die Spieler aus dem Ausland haben die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten», sagt Sportchef Marcel Siegenthaler von Wiler-Ersigen, «doch gerade bei Legionären bildet die Sprachbarriere oft ein grosses Hindernis.» Im ersten Jahr sei es deshalb fast aussichtslos, etwas Passendes zu finden.

Siegenthaler kann sich noch gut erinnern, wie er Mitte der 1990er-Jahre zwei schwedische Spieler in der neu eröffneten Ikea-Filiale in Kirchberg unterbringen konnte. «Oft ist es Zufall», sagt er.

Ein solcher Zufall spielte auch bei Olle Thorsell eine grosse Rolle. Der Schwede arbeitete in seiner Heimat an einer speziellen Strickmaschine. Und just als er vor sechs Jahren zu WilerErsigen wechselte, legte sich die Firma Werk 5 eine solche Strickmaschine zu.

Da haben sich zwei gefunden. Thorsell kam zwar nicht wegen des Jobs in die Schweiz, doch wer weiss, ob er ohne ihn so lange geblieben wäre.

«Ob man Spielern einen Job vermitteln kann, hängt stark von ihrer Ausbildung ab», sagt Siegenthaler. Doch gerade Unihockey ist eine typische Studenten-Sportart. Die Spieler suchen sich oft einen Club, der in der Nähe ihrer Schule liegt.

Bei Sponsoren anklopfen

Auch der FFC Zuchwil versucht, seine Spielerinnen zu unterstützen. Zuerst suche man im Umfeld der Sponsoren, sagt Trainer Peter Baumann. «Ein gutes Netzwerk ist dabei wichtig.» Für die türkische Natispielerin Nadire Inan und Jasmine Imboden fand man Stellen im KV- und Versicherungsbereich. «Der Job als Lockmittel kann funktionieren», sagt Baumann, «gerade bei Spielerinnen aus dem Osten.»

Einmal habe man eine Spielerin aus Ostdeutschland mit einem Job im Sicherheitsdienst in die Schweiz lotsen können. Auch für Roland Jungi, Pressechef beim FC Langenthal, ist klar: «Wenn wir Spieler verpflichten, versuchen wir sie zu unterstützen.» So konnte David Pallas bei der UBS in Altstetten untergebracht werden. Jungi warnt aber auch: «So ein Beispiel wie jenes in Wettswil-Bonstetten muss durchdacht sein. Was passiert, wenn der Verein absteigt oder wenn die Post plötzlich ihren Standort wechselt?»

Oft dient der Arbeitsvertrag auch bloss als Alibi, damit die Vereine die Gehaltsobergrenze der Amateur-Fussballer umgehen können. So werden aus Amateuren still und heimlich Profis. Gerade im Fussball wird viel gemunkelt.

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