Noch nie im Leben sei er so weit gereist, sagt Luke Wiedmann. Der 16-Jährige aus Bellach hat sich bereits in seinem ersten Jahr bei den U19-Junioren für die WM qualifiziert. Dies dank einem starken fünften Rang beim Weltcupauftakt in Albstadt und Platz acht an der EM. Der angehende Velomechaniker, der sein zweites Lehrjahr in Angriff nimmt, darf als Belohnung erstmals ein Rennen auf einem anderen Kontinent bestreiten.

Schon vor dem Höhepunkt hat die Saison Wiedmanns Vorstellungen übertroffen. Angetreten, um sich mit dem Gewinn von möglichst vielen UCI-Punkten überhaupt einmal einen Startplatz in den internationalen Rennen zu sichern, fährt er bei diesen regelmässig ganz vorne mit. Dies trotz eines Handgelenkbruchs im Januar und trotz annähernd 100 Konkurrenten in der hart umkämpften Nachwuchskategorie. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich im ersten U19-Jahr schon so weit komme», sagt er.

Fürs WM-Rennen in Mont Sainte-Anne hat er sich kein konkretes Rangziel gesetzt. Es sei für ihn schon eine riesige Ehre, überhaupt starten zu dürfen. Es gehe auch darum, Erfahrungen zu sammeln. Aber aufgepasst, Wiedmann ist ein Spezialist für wichtige Rennen. Im vergangenen Jahr holte er an der Jugend-EM die Silbermedaille. «Ich kann gut mit Druck umgehen und die Lockerheit auch vor wichtigen Rennen behalten», sagt Luke Wiedmann. Das ist doch schon mal etwas.

WM-Strecke kommt dem Exil-Bündner entgegen

Der zweite Solothurner WM-Fahrer sagt in breitem Urner Dialekt hallo. Reto Indergand hat 2015 die regional bekannte Mountainbikerin Jennifer Sägesser geheiratet und ist in die Heimat seiner Frau gezügelt. Das Paar hat zwei Kinder.

An der WM kommt dem Elite-Fahrer aber seine Herkunft zugute. Eine Strecke, auf der es entweder steil rauf- oder steil runtergeht, erinnert ans Urner Reusstal, wo es für Reto Indergand beim jahrelangen Training in der Regel genau diese beiden Optionen gab. Deshalb gefällt ihm der WM-Kurs und er hat dort auch schon starke Rennen gezeigt.

In diesem Jahr holte der 27-Jährige sein wertvollstes Resultat gleich zu Beginn der Saison. Beim Weltcupstart im deutschen Albstadt fuhr er auf den achten Rang. Aus verschiedenen Gründen konnte er diese Leistung nicht mehr bestätigen. Zweimal bremste ihn ein Platten entscheidend.

Weil Indergand in der Weltrangliste relativ weit hinten platziert ist (Platz 37), kommt im WM-Rennen im Vergleich zu seinen prominenten Schweizer Teamkollegen Schurter, Flückiger, Vogel und Co. ein weiteres Handicap dazu. «Gut ist, wenn man gleich nach dem Start schnell nach vorne kommt. Andererseits braucht es auf der ersten Runde auch Geduld, denn da können alle noch schnell fahren», sagt der Schönenwerder zur Taktik.

Reto Indergand geht mit gesundem Selbstvertrauen und einem guten Gefühl nach Kanada. Ein Platz in den Top 10 ist sein Ziel. Ein hohes Ziel. «Dafür muss alles stimmen. Ich brauche einen guten Tag und auch ein wenig Glück», sagt der Hausmann.