Am Ende durften diejenigen unter den 2837 Zuschauern im Kleinholz, die bis ganz am Schluss ausgeharrt hatten, doch noch jubeln. Der EHC Olten krönte ein unwahrscheinliches Comeback mit einem 5:4-Sieg nach Verlängerung.

Captain Cédric Schneuwly sicherte seiner Mannschaft doch noch zwei Punkte in einem Spiel, welches die Oltner eigentlich schon verloren hatten. Dass es überhaupt zur Verlängerung gekommen war, war Tim Stapletons Ausgleichstreffer 2,2 (!) Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit geschuldet.

Der US-Amerikaner rettete den EHCO damit vor einer blamablen Niederlage. Und bestrafte damit diejenigen Zuschauer, die sich schon einige Minuten vor der Schlusssirene (nicht zu Unrecht) mit Grausen vom Geschehen im Kleinholz verabschiedet hatten.

Der EHC Olten gewinnt gegen Zug Academy mit 5:4 nach Verlängerung

Der EHC Olten gewinnt gegen Zug Academy mit 5:4 nach Verlängerung

Auch Vesce und Hirt out

Es wäre ein Leichtes, den trotz des Siegs über weite Strecken schwachen Auftritt des EHC Olten mit einem Blick auf die Krankenakte zu entschuldigen. Schon vor dem Anpfiff der Partie gegen die EVZ Academy fehlten mit Devin Muller, Stan Horansky, Marco Truttmann, Chris Bagnoud, Simon Lüthi, Helder Duarte und neu Tim Bucher sieben Spieler verletzungsbedingt. Und es wurde während der Partie noch schlimmer.

Im Verlauf des zweiten Drittels schieden mit Ryan Vesce (nach einem Check gegen den Kopf mit Verdacht auf Gehirnerschütterung) und Remo Hirt (Unterkörper) zwei weitere Stammkräfte aus.

Mit dem Resultat, dass EHCO-Headcoach Bengt-Ake Gustafsson nur noch drei wild zusammengewürfelte Sturmlinien laufen lassen konnte. Dass dies alles der Harmonie und Homogenität des Oltner Spiels nicht zuträglich war, bezweifelt niemand.

Trotzdem war der Auftritt der Mannschaft gegen die Zuger über weite Strecken schwach und erinnerte bisweilen an die Tiefpunkte der letzten Saison, die man ja so schnell wie möglich aus der kollektiven Erinnerung verbannen wollte. Zu dem Zeitpunkt, als die Oltner noch komplett waren, da stand es nämlich schon 3:0 zugunsten der EVZ-Nachwuchsauswahl, die den äusserst pomadigen und lustlosen Auftritt der Powermäuse gnadenlos ausnutzten.

Die Gustafsson-Crew liess besonders in der ersten Spielhälfte so ziemlich alle Tugenden vermissen, die es im Eishockey grundsätzlich braucht, um erfolgreich sein zu können: Kampfgeist, Leidenschaft, Konzentration. Im Spielaufbau wurde immer wieder bös geschnitzert, vorne fehlte dafür jegliche Zielstrebigkeit.

Einer der kleinsten Spieler setzt ein grosses Zeichen

Erst nach Vesces Ausfall und der folgenden «Racheaktion» von Tim Stapleton gegen Übeltäter Cyril Oehen erwachten die Oltner aus ihrer Lethargie. «Dass mit Tim ausgerechnet einer der kleinsten Spieler ein Zeichen setzte, hat die ganze Mannschaft aufgerüttelt», fand Captain Schneuwly lobende Worte für die Aktion Stapletons, der mit zwei Treffern dann auch noch massgeblich an der Aufholjagd beteiligt war.

Schneuwly wollte den «Chnorz» der Oltner nicht beschönigen, unterstrich jedoch auch, dass «wir am Ende Charakter gezeigt haben und das Spiel noch gewinnen konnten.»

Am kommenden Sonntag erwartet man in Olten den NLA-Vertreter und alten Rivalen EHC Biel zum Cup-Duell im Kleinholz. Durfte man sich zum Zeitpunkt der Auslosung vor gut drei Wochen noch leise Hoffnungen auf eine Überraschung machen, umso ernüchternder ist die momentane Realität.

Im aktuellen personellen Zustand gehören die Oltner nicht einmal mehr zu den besten NLB-Teams. Und vorher steht am Freitag noch die heikle Prüfung bei den Ticino Rockets auf dem Programm.

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