Schiessen
Zwei junge Solothurner reisen als Medaillen-Hoffnung nach Spanien

Der Kanton Solothurn ist an den Schiesssport-Weltmeisterschaften mit den beiden jungen Schützen Jan Lochbihler und Marina Bösiger stark vertreten. Sie haben sich in den internen Selektionswettkämpfen durchsetzen können.

Michael Schenk
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Jan Lochbihler im Training.ZVG

Jan Lochbihler im Training.ZVG

Bis am 20. September findet in Granada die Weltmeisterschaft der Schützen statt. Dabei sind 41 Vertreter aus dem Land mit dem grössten Schützenfest der Welt – der feldschiessenden Schweiz also. «Fünf bis sechs Medaillen und einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2016 in Rio», gibt Ines Michel als Ziel an. Die 29-jährige Deutsche ist seit gut drei Jahren Leistungssportchefin im helvetischen Schiesssportverband.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es seither für die hiesige Schützenzunft auf internationalem Parkett «obsi» geht. Ein Leistungskriterium, das die Sportwissenschaftlerin aus Bassum eingeführt hat, sind beispielsweise die Trials. Ein knallhartes Qualisystem. Nur die, die bei den fix datierten internen Selektionswettkämpfen bestehen, dürfen das Schweizer Kreuz an der entsprechenden WM, EM oder den Olympischen Spielen vertreten. Egal, was, wer, wie vorher vorzeitlich vollbracht hat. Eine Neuerung, die einigen Arrivierten vorerst nicht fein schmeckte. «Inzwischen aber hat sich das System sehr gut bewährt und ist von den Sportlerinnen und Sportlern auch akzeptiert», sagt Michel.

Vom SM-Podest nach Granada

Einer, der sich erfolgreich durch die interne Quali-Mühle gepulvert hat, ist der 22-jährige Jan Lochbihler aus Holderbank. Der talentierte Solothurner ist praktisch vom Siegerpodest an den Schweizer Meisterschaften in Thun direkt ins südspanische Andalusien geflogen. Insofern stressfrei, als dass der ehemalige Jugend-Europameister (liegend) in Thun den Titel im Dreistellungsmatch bei der Elite mit dem Kleinkaliber-Gewehr souverän verteidigt hat. In der Königsdisziplin also.

Natürlich bestes WM-Doping für den Bodenleger, umso mehr, als dass der Thaler dabei mit 456,3 Punkten einen neuen Finalrekord markierte. «Er hat einmal mehr gezeigt, dass er ganz vorne mitmischen und den Arrivierten tüchtig einheizen kann», sagt Leistungssportchefin Ines Michel. Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass er noch dem Rookie-Kader angehöre und in Granada darum nicht auf so viel Routine bauen könne wie viele seiner Konkurrenten.

Dennoch traut Michel ihrem mitunter verheissungsvollsten Pferd im Stall immer einen Coup zu. Die erwähnten Trials sind auch beste mentale Schule, um exakt dann, wenn es zählt, voll bereit zu sein. Einen Junioren- oder Jugendbonus respektive Senioren- oder Verdienstbonus gibt es dabei nämlich keinen.

Im Team einiges möglich

Auch Lochbihlers Kantonskollegin Marina Bösiger hat in Thun gezeigt, dass ihre WM-Form stimmt. Die 19-jährige Kauffrau aus Derendingen gewann den Liegendmatch hoch überlegen. Kunststück – mit 624,6 Punkten erzielte die Titelverteidigerin einen Schweizer Rekord. Eine Leistung, die an der WM in Spanien durchaus Edelmetall wert sein kann. «Im Juniorinnen-Bereich sind wir stark aufgestellt», sagt Michel. Und: «Das kann an der WM vor allem auch in der Mannschaft ein starkes Ding werden.»

Schliesslich holten sich Tells junge Erbinnen an der EM im letzten Jahr in Moskau die Team-Goldmedaille. Seine letzte WM als Junior bestreitet in Granada ausserdem der 20-jährige Jan Hollenweger aus Kappel. «Als ich die drei kürzlich im Training gesehen habe, waren alle sehr gut drauf», gibt sich Michel zuversichtlich. Na dann – Feuer frei.