Wir gehen zurück in die Winterpause der Saison 15/16, in der es denkbar schlecht um das Fanionteam der Biberister stand. «Wir wollten in dieser Saison eigentlich vorne mitspielen, dann waren wir plötzlich Letzter», blickt Biberists Verteidiger Nicolas Rüfli zurück. In der besagten Winterpause wurden intensive Gespräche geführt und den Spielern klar gemacht, dass es mit dieser lockeren Einstellung noch nicht mal für den Klassenerhalt reicht.

Durch diese Massnahme und das Realisieren der damaligen Situation konnten die Wasserämter den Karren aus dem Dreck ziehen: Mit 26 Punkten aus elf Spielen in der Rückrunde schoss sich der FC Biberist fulminant aus der Abstiegszone auf Platz drei – und war für die kommende Spielzeit der Geheimtipp, wenn auf den Fussballplätzen über die Meisterschaft der 2. Liga diskutiert wurde.

Aus der Vergangenheit gelernt

Tatsächlich konnte Biberist den Schwung aus der Rückrunde mitnehmen und sich Ende 2016 zum Wintermeister küren lassen. «In dieser Situation konnten wir aus der Vergangenheit profitieren», meint Rüfli und fügt an, dass das Team beim letzten Wintermeistertitel zu viel darüber geredet hatte, wie die Tabelle am Schluss aussehen könnte. Nun aber nahm Biberist weiter Spiel für Spiel, was sich letzten Endes auszahlte. Auch weil Biberist dem direkten Konkurrenten aus Grenchen mit einem 2:0-Heimsieg früh den Wind aus den Segeln nahm. «In diesem Spiel waren wir motivierter als in jedem anderen. Es war eine ausgeglichene Partie, aber wir wollten diesen Sieg eindeutig mehr», lässt einem Rüfli mit seinen Worten den unbändigen Willen noch einmal spüren.

Einen Plan mit dem Ziel Aufstieg in die 2. Liga inter gab es allerdings, anders als beim damaligen Aufstieg in die 2. Liga regional, nicht. «Den Aufstieg aus der 3. Liga wollten wir bewusst, das war geplant. Dann ging es zuerst darum, sich in der 2. Liga zu etablieren und nicht gleich wieder abzusteigen», blickt der 29-Jährige zurück. Auch die Emotionen waren damals weniger gross als beim Aufstieg in der vergangenen Saison.

Es kamen dann einige neue Spieler und auch ein Trainerwechsel stand an, was laut Rüfli allerdings nicht zur Folge hatte, dass die Erwartungshaltung anstieg. Es folgten ein dritter Platz und eine Wintermeisterschaft, weshalb die Spieler, mehr durch Zufall, merkten, dass mit dieser Mannschaft auch in der 2. Liga ein Meisterschaftsgewinn möglich ist. Der Aufstieg war dann für den Innenverteidiger doch noch etwas sehr Spezielles, da das Team schon sehr lange zusammen spielte und es sich das auch verdient hatte.

Und weil es sich das Aufstiegsteam selbst verdient hatte, sprach in Biberist nie jemand davon, nun die halbe Mannschaft auszuwechseln und mit dem Geldbeutel um sich zu schlagen. «Auch weil der Aufstieg von uns nicht erwartet wurde. Wir werden versuchen uns punktuell zu verstärken und auch das nur, wenn der Zuzug gut ins Mannschaftsgefüge passt», erklärt Rüfli die Devise, denn im Moment seien sie nicht nur die bekannten elf, sondern zwanzig Freunde. Ihm ist wichtiger, dass man die gute Stimmung im Team aufrechterhalten kann und nach wie vor auch abseits des Fussballplatzes zusammen unterwegs ist.

Ein anderer Wind

Diesen Teamgeist betitelt Nicolas Rüfli, der mit Ausnahme von drei bis vier Juniorensaisons immer in Biberist spielte, denn auch als die grösste Stärke seines Teams. Eine wirkliche Schwäche kann man mit Blick auf die Statistik der vergangenen Meisterschaft übrigens kaum erkennen: Weniger als ein Gegentor pro Spiel und fünf verschiedene Spieler, die zusammen 44 Tore schossen lassen den Schluss zu, dass es beim FC Biberist keinen Spieler gibt, der für das Team überlebenswichtig ist. Doch Rüfli weiss selber auch, dass eine Liga höher ein anderer Wind weht und betitelt deswegen das Saisonziel «Nicht-Abstieg» als ein ambitioniertes Ziel.