Fussball
Zum Glück für YB hat er Mandziaras Befehl damals nicht befolgt

Fussballer André Fimian aus Deitingen erinnert im Rahmen der Serie «Spiel meines Lebens» sich an glanzvolle Debüts, wichtige Tore und emotionale Aufstiege. Unter anderem daran, wie er YB 1986 im Cup der Cupsieger gehalten hat.

Michael Schenk
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André Fimian trug im Verlauf seiner NLA-Karriere die Dresses von YB, GC und St. Gallen. Archiv

André Fimian trug im Verlauf seiner NLA-Karriere die Dresses von YB, GC und St. Gallen. Archiv

Seit 1986 wohnt der gebürtige Zürcher André Fimian im Kanton Solothurn. Grenchen, wo er in der Saison 1986/87 auch spielte, Lostorf, Kriegstetten, Bettlach und derzeit Deitingen sind seither ein paar seiner Stationen. Als Spieler stand der gelernte Stürmer während seiner zehnjährigen Karriere in der NLA für GC, YB, St. Gallen auch als Verteidiger im Einsatz. Und wie. Fimian erinnert sich an ein Spiel seines Lebens: 1986 war es, als der damals 22-Jährige von YB-Trainer Alexander Mandziara die strikte Order erhielt, die Mittellinie nicht zu überqueren. Schliesslich hatte der umfunktionierte Angreifer damals den Job gefasst, «einen Turm von englischem Nationalspieler» im Team von Den Haag zu decken. «Einmal aber konnte ich es dann mit meinem Stürmerblut doch nicht lassen», erzählt der heute 49-Jährige.

Ermuntert notabene vom damaligen YB-Captain Martin Weber, durchbrach der Temporär-Verteidiger seinen zugewiesenen Sektor. Prompt war es Fimian, der anno dazumal im Achtelfinal-Rückspiel im Cup der Cupsieger nach einem Freistoss von Ruedi Bauer den eminent wichtigen Treffer zum 1:0-Sieg erzielte. Nach dem 1:2 auswärts mussten die Berner mit genau diesem Resultat gewinnen, um eine Runde weiterzukommen. «Der Trainer bekam zwar einen roten Kopf, aber zusammengestaucht hat er mich nach dem Match dann doch nicht», hält Fimian fest. Vor Fimians goldenen Tor hatte damals Alain Sutter einen Penalty verschossen.

Legendäres Kopftor

Der topausgebildete Fussballlehrer und Betreiber der Fussballschule Schweiz, der vorletzte Saison mit Luzern/Kriens U17-Schweizermeister wurde und derzeit offen für Trainerangebote ist, müsste «löseln», wenn er sich auf nur ein einziges Spiel seines Lebens im Verlauf seiner recht kurzen Profikarriere beschränken müsste. Fimian schmiss den Bettel mit 26 bei YB hin, nachdem ihm die Berner zu verstehen gaben, dass sie fortan ohne ihn planen – obwohl er noch in der Saison zuvor der erfolgreichste Torschütze im Team gewesen war. 1981 war es, bei seinem ersten Europacup-Einsatz überhaupt, als der damals 16-Jährige an der Seite von Grössen namens Egli, Jara, Hermann, Sulser oder Koller gegen West Bromwich Albion zum 1:0 einköpfelte.

«Man erzählt sich heute noch, dass ich damals der erste Schweizer gewesen sei, der auf der Insel ein Kopftor erzielte», schmunzelt Fimian. Letztlich gewann sein von Timo Konietzka geochachtes GC in England 3:1 Und weil es so schön war, wiederholte der Jungspund im Rückspiel seinen Coup – auch diesmal mit einem Kopfballtreffer und wieder zum 1:0.

Mann für Big Points

«Wichtige Tore haben mich während meiner Karriere mehr oder weniger begleitet», sinniert Fimian. Schliesslich fing das schon bei seinem ersten NLA-Einsatz für GC an, als das Nachwuchstalent sein 0:1 zurückliegendes Team mit dem Ausgleich wieder ins Geschäft brachte. Nebst einheimischen Grössen ist Fimian im Verlauf seiner Karriere natürlich auch Weltstars begegnet. «Einmal», erinnert er sich, «konnte ich bei einem Hallenturnier zusammen mit Franz Beckenbauer in einem Block spielen.» Das sei natürlich auch ein Highlight gewesen. Der Kaiser gab sich damals als Freund von GC-Trainer Hennes Weissweiler für einen Showact die Ehre.

Bei all den zahlreichen Glanzmomenten auf der grossen Bühne, die André Fimian während seiner Laufbahn hat feiern dürfen – dabei waren auch zwei Meistertitel mit GC – gibt es doch auch einen prägenden Moment zwei Etagen tiefer. «Das war, als ich von YB als Spielertrainer zum damaligen Erstligisten Bümpliz wechselte und wir in die NLB aufgestiegen sind», erzählt er. Mehr als die halbe Mannschaft habe damals aus eigenen Junioren bestanden. «So ein Fest», sagt Fiminan, «habe ich vorher und nachher nie mehr erlebt.»